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Chronik | Wien
07/02/2019

Warum in Floridsdorf Bier getrunken wird und am Praterstern nicht

Wie gefährlich der Floridsdorfer Bahnhof tatsächlich ist, ist umstritten. Der Praterstern bleibt jedenfalls alkoholfrei.

Es ist kein allzu freundliches Bild, das der Floridsdorfer Bahnhof an diesem Vormittag bietet. Auf den Bänken neben dem Haupteingang lungern bereits etliche Personen rauchend und Bier trinkend herum. Sehr zum Leidwesen von Menschen, die hier regelmäßig zu tun haben. Wie zum Beispiel Christia Czaska, die täglich am Eingang Erdbeeren an Passanten verkauft. Sie zeichnet ein düsteres Bild der Lage am Franz-Jonas-Platz: 

Ähnlich sieht das auch Floridsdorfs Bezirksvorsteher Georg Papai (SPÖ), der seit Monaten am Franz-Jonas-Platz ein Alkoholverbot – analog zum Praterstern – fordert. Doch sein Parteifreund, Bügermeister Michael Ludwig, wird ihm diesen Gefallen nicht machen: Am Floridsdorfer Bahnhof darf zumindest vorerst weiter Alkohol getrunken werden. Das ist das Ergebnis einer Evaluierung der Stadt. Stattdessen soll es ein Maßnahmenbündel geben, damit sich die Menschen hier künftig wohler fühlen: Mehr Polizei und Sozialarbeiter, eine neue Gestaltung des Platzes sowie mehr Sauberkeit sind nur die wichtigsten Vorhaben. „Am Floridsdorfer Bahnhof gibt es zwar auch alkoholkranke Personen, sie sind aber nicht so aggressiv wie jene am Praterstern. Außerdem sind unter ihnen keine Obdachlosen“, erklärt Ludwig die Entscheidung der Stadt.    

Manche Passanten begrüßen dies, wie etwa Silvia Hauser aus der Brigittenau, die alle ein bis zwei Wochen nach Floridsdorf zum Orthopäden kommt:

Bezirkschef Papai ist hingegen noch etwas skeptisch: „Es gibt einen aufrechten Beschluss, in dem sich die Bezirksvertretung Floridsdorf mehrheitlich für ein Alkoholverbot am Franz-Jonas-Platz und in angrenzenden Straßenzügen ausspricht. Wir werden alle alternativen Maßnahmen, die die Stadt Wien und die Polizei nun umzusetzen plant, sehr genau an ihrem wahrnehmbaren Ergebnis messen.“

Auf weniger Kritik dürften hingegen die Maßnahmen stoßen, die bei zwei weiteren U6-Hotspots geplant sind.

Gumpendorfer Straße: Hier soll mit erhöhter Polizeipräsenz gegen Drogenhandel vorgegangen werden. Bei der Station wurde bereits ein Polizeicontainer aufgestellt, auch die Wiener Linien erhöhen die Anzahl der Sicherheitsmitarbeiter. Zusätzlich soll der Außenbereich mit Kameras überwacht werden.

Josefstädter Straße: Hier entsteht ein neuer betreuter Außenbereich zur Entlastung der Situation im öffentlichen Raum mit blickgeschütztem Bereich für Nutzer des Tageszentrums Obdach Josi für 20 bis 30 Personen.

Nichts ändern wird sich hingegen beim Praterstern. Das umstrittene Alkoholverbot bleibt aufrecht, entscheidet die Stadt nach der mit Spannung erwarteten Evaluierung der dortigen Lage. Demnach sind 80 Prozent der befragten Passanten mit der dortigen Sicherheitslage (sehr) zufrieden. Drei von vier Frauen fühlen sich durch das Alkoholverbot sicherer. „Die Zahl der kriminellen Delikte hat sich halbiert, Körperverletzungen sind um ein Drittel zurückgegangen“, sagt die zuständige Stadträtin Ulli Sima (SPÖ).

Auch eine Verdrängung der Obdachlosen und Alkoholiker hat offenbar nicht stattgefunden: „Wir haben sie nicht aus der Betreuung verloren“, sagt Sozialstadtrat Peter Hacker (SPÖ).