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Chronik Wien
06/05/2019

Wartezeiten für Bandscheiben-OP auf fast vier Monate gestiegen

Im Schnitt müssen derzeit Wiens Patienten 112 Tage ausharren. Forderung nach transparenten Wartelisten.

von Josef Gebhard

Gute Nerven brauchen derzeit Patienten, die in Wien eine Bandscheiben-Operation benötigen. Denn die Wartezeiten auf diesen Eingriff sind zuletzt stark gestiegen. Das geht aus dem 4. Quartalsbericht des Krankenanstaltenverbunds (KAV) für das Jahr 2018 hervor, der dem KURIER vorliegt.

Demnach musste man im 4. Quartal des Vorjahrs 103 Tage auf eine solche Operation warten; im Vergleichszeitraum 2017 waren es lediglich 58 Tage. Das bedeuten einen Anstieg von beachtlichen 78 Prozent, wie der KAV selbst in dem Papier anführt.

Bei anderen planbaren Eingriffen gab es hingegen deutliche Rückgänge: Beim Grauen Star (Katarakt) betrug die Wartezeit 104 Tage (minus 14 Prozent), bei Hüftoperationen 140 Tage ( minus 10 Prozent) und bei Knie-Endoprothesen 164 Tage. Letzteres ist zwar ein enormer Wert, aber immerhin gab es auch hier einen Rückgang von sieben Prozent.

Warum also die starke Ausweitung der Wartezeit für Bandscheiben-OPs? Der KAV begründet sie in dem Quartalsbericht mit einem Anstieg von dringlichen Akuteingriffen. Gleichzeitig habe es in der Rudolfstiftung Sanierungsarbeiten gegeben, weshalb dort weniger operiert werden konnte. Bis zum Jänner 2019 seien die Wartezeiten aber wieder um 54 Prozent zurückgegangen.

Erneuter Anstieg

Allerdings dürfte sich die Situation nur kurz entspannt haben. Mittlerweile ist die Wartezeit sogar auf 112 Tage geklettert. Das ist der Durchschnitt der Wartezeiten im AKH (66), Donauspital (100) und Rudolfstiftung (170), die auf der KAV-Homepage ausgewiesen sind (siehe Grafik).

Im KAV sagt man dazu: „Die starken Schwankungen bei den Wartezeiten ergeben sich daraus, dass nicht nur geplante sondern auch akute Operationen durchgeführt werden. Das führt zu Verschiebungen bei den geplanten Eingriffen. Die Versorgung klinisch dringlicher Situationen geht jedoch vor und ist jederzeit sichergestellt.“

„Monate auf Operationen zu warten, ist einer Weltstadt wie Wien nicht würdig“, sagt ÖVP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec. Sie fordert eine Stärkung der Primärversorgung sowie eine Entlastung der Spitäler.

Bei der Patientenanwaltschaft liegen aktuell keine Beschwerden zu Bandscheiben-OPs vor; wohl aber sei man immer wieder mit unakzeptabel langen Wartezeiten in anderen Bereichen konfrontiert. Etwa bei Aneurysmen (Gefäßausbuchtungen), was für die Patienten extrem belastend sei. „Wir wünschen uns transparente Wartelisten, auf die jeder Patient mit einem Code zugreifen kann, damit er genau weiß, wann er drankommt“, sagt Patientenanwältin Sigrid Pilz.