Warnschilder gegen Rotgänger: Schockbild ohne Schockwirkung
Wer am Westbahnhof bei Rot über die Straße geht, soll nicht mehr nur von Ampeln, sondern auch von neuen Schildern gestoppt werden. Die seit rund einem Monat stehenden Tafeln warnen mit einer Aufschrift und einem Symbolbild, darauf zu sehen: ein Kreideumriss einer Person am Zebrastreifen.
Damit sollen die Folgen des Rotlichtverstoßes von Fußgängern aufgezeigt werden. Das Schild befindet sich jeweils auf beiden Seiten bei einer Kreuzung am Europaplatz, die von den Straßenbahnen zum Bahnhof führt.
Passanten ist das aber noch nicht aufgefallen. „Bis jetzt habe ich die Schilder nicht gesehen, aber sie könnten schon sinnvoll sein“, sagt Denise. Sie ist öfter am Westbahnhof. Laut ihr könnte die Aufschrift Menschen zum Denken anregen, was passieren könnte, wenn man bei Rot über die Straße geht.
Häufige Unfallstelle
Anders sieht das Wolfgang. Er arbeitet als Elektriker für die kleinen Imbissstände bei der U-Bahn-Station und ist fast täglich am Westbahnhof. Laut ihm würden viele Menschen bei Rot über die Straße gehen. „Niemand schaut beim Überqueren und wenn eine Ampel ignoriert wird, dann auch Schilder“, sagt er. Laut ihm würden die Menschen nur auf ihr Handy, nicht die Umgebung achten.
Das ist auch ein Mitgrund für die Tafeln. Laut dem zuständigen Magistrat für Verkehrsorganisation und technische Verkehrsangelegenheiten (MA46) soll sich an dieser Kreuzung eine sogenannte Unfallhäufigkeitsstelle herausgestellt haben. Das bedeutet, dass es an dieser Kreuzung, im Verhältnis zu anderen, öfter zu Unfällen kommt, insbesondere weil Passanten über Rot gehen würden.
„Die Kreuzung ist ohnehin durch Ampel und Schutzweg geregelt, die Schilder sollen nochmals darauf hinweisen“, so ein Sprecher des MA46. Mithilfe der Tafeln sollen Passanten die möglichen Folgen „leicht verständlich und schnell erfassbar“ kommuniziert werden.
Ob es für alle eindeutig verständlich ist, stellt Tuna infrage. Er ist Auslandsstudent und spricht nur Englisch, die deutsche Aufschrift könne er nur schwer entziffern. „Eine englische Version wäre auch gut.“ Außerdem findet er die Schilder deplatziert. „Hier am Rand schaut niemand drauf“, sagt er. „Wenn, dann müssten sie direkt im Sichtfeld sein.“ Laut ihm zum Beispiel über der Kreuzung oder der Ampel.
Tafel reicht nicht
Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) sieht in den zwei Schildern keine geeignete Lösung. „Es wäre wichtiger, Gefahrenstellen durch bauliche Maßnahmen zu entschärfen“, so ein Sprecher des VCÖ. „Eine Tafel alleine reicht nicht.“ Eine weitere Möglichkeit wäre, die Grünphasen für Fußgänger zu verlängern und die Rotphase zu verkürzen, um langes Warten vorzubeugen.
Ob sich die zwei Schilder auf Dauer bewähren werden, lässt sich laut MA46 erst in rund einem Jahr sagen. Ein weiteres Schild in abgewandelter Form gibt es schon seit September 2025 bei der U1 Station „Kagraner Platz“. Weitere Beschilderungen an Kreuzungen in Wien seien derzeit aber nicht geplant.
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