Ärger über Ludwig nach Ruck-Rücktritt: Brisantes Schreiben der SPÖ-Frauen
Michael Ludwig mit Vizebürgermeisterin Barbara Novak: Viele hätten sich erwartet, dass er für sie Partei ergreift.
Der Polit-Skandal rund um den aus der ÖVP ausgeschlossenen und mittlerweile zurückgetretenen Präsidenten der Wiener Wirtschaftskammer Walter Ruck ist noch nicht ausgestanden - zumindest für einen nicht: für seinen Freund, den Wiener Bürgermeister Michael Ludwig. Wie der KURIER erfahren hat, hat der Wiener SPÖ-Chef unlängst Post aus den eigenen Reihen erhalten.
Das Schreiben stammt von den Wiener „SPÖ Frauen“, der parteiintern bedeutsamen Frauenorganisation – und es spricht eine klare Sprache: Die Unzufriedenheit mit der Positionierung des Parteichefs in der Causa Ruck ist groß.
Der Brief selbst liegt dem KURIER nicht vor - wohl aber Information über dessen Inhalt. Man habe bewusst „genau jenen adressiert“, der „für die Misere verantwortlich“ sei, ist bei Recherchen unter roten Funktionärinnen zu hören. Die Verärgerung über Ludwig ist ihnen deutlich anzumerken.
Wir erwarten uns, dass Michael Ludwig bei Wortmeldungen auch für eine Klarstellung Platz findet.
im KURIER-Gespräch
Dass der Bürgermeister die frauenfeindlichen Äußerungen von Ruck bis heute nicht verurteilt hat, sei „empörend“. Mehr noch: In seinem bisher einzigen Statement stärkte Ludwig seinem Freund sogar noch den Rücken („Ich kenne ihn anders.“). Ludwig habe es „nicht nur verabsäumt, das Richtige zu tun, sondern es mit seinen Aussagen sogar noch schlimmer gemacht“, resümiert eine hochrangige SPÖ-Politikerin.
Die Erzählung der ludwig’schen Spin-Doktoren, dass es sich bei der Causa Ruck um einen ÖVP-internen Skandal handle, wollen die SPÖ Frauen nicht gelten lassen: Als klar war, dass Ruck etwa auch verächtlich über SPÖ-Vizebürgermeisterin Barbara Novak sprach („Hearst, was soll ich mit einer Frau?“), wäre „eine klare Reaktion erforderlich gewesen“, kritisieren Funktionärinnen. Novak ist eine loyale Wegbegleiterin Ludwigs; sie managte in ihrer damaligen Funktion als SPÖ-Landesparteisekretärin nicht zuletzt zwei (erfolgreiche) Wahlkämpfe.
Marina Hanke, Chefin der Wiener SPÖ Frauen.
In den vergangenen Tagen hätten sich jedenfalls „viele Frauen aus der Partei“ gemeldet, weil sie sich von Ludwig erwarten, dass er „bei seinen nächsten Wortmeldungen für eine Klarstellung Platz findet“, heißt es. Daher habe man sich auch dazu entschieden, Ludwig zu schreiben. Unterzeichnet ist das Schreiben, wie der KURIER erfuhr, von den Präsidiumsmitgliedern der Wiener SPÖ Frauen - und darunter finden sich bekannte Namen.
Als Frauenvorsitzende fungiert Marina Hanke, die derzeit auch Dritte Gemeinderatsvorsitzende für die SPÖ ist – und die für so manchen die Wunschkandidatin als Wohnbau- und Frauen-Stadträtin war, als Kathrin Gaál(ebenfalls eine enge Verbündete Ludwigs) das Amt dieses Jahr zurücklegte. Hanke ging damals leer aus, auf Gaál folgte Elke Hanel-Torsch. Die beiden - Gaál und Hanel-Torsch - sind als stellvertretende Vorsitzende der SPÖ Frauen nun ebenfalls unter den Kritikerinnen. Unter anderem sitzen auch die Nationalratsabgeordnete Petra Bayr und Saya Ahmad, Bezirksvorsteherin am Alsergrund, im Präsidium.
Ludwig mit den Frauenpolitikerinnen Gaál und Hanel-Torsch.
Erschwerend kommt hinzu, dass mittlerweile belegt ist, dass Ruck seine Aussagen vor zwei SPÖ-Funktionären getätigt hat: Bei dem heimlich mitgeschnittenen, mehrstündigen Weinkeller-Gespräch saß nicht nur Marko Fischer, Wiener Präsident des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes, mit am Tisch. Sondern auch der Donaustädter Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy.
Nevrivy gilt als Wegbereiter von Ludwig; bei der Kampfabstimmung um den Posten des Wiener SPÖ-Chefs (im Jahr 2018 gegen Andreas Schieder) hat er ihm die Mehrheiten organisiert. Im Gegenzug durfte sich Nevrivy des Rückhalts des Bürgermeisters gewiss sein, als er zuletzt in der Causa Wienwert und in der Kleingarten-Affäre ins Visier der Justiz geraten war.
Nevrivy hat auf KURIER-Anfrage unlängst zwar den angeblichen Grund für seine Beteiligung an Rucks Weinkeller-Gespräch erklärt. (Er sei Präsidiumsmitglied im SWV, ließ er ausrichten.) Zu Rucks Aussagen schweigt aber auch er. Dass auf der Tonbandaufnahme sein Lachen zu hören ist, während sich Ruck über den ÖVP-Minister Wolfgang Hattmannsdorfer belustigt, finden in der SPÖ jedenfalls gar nicht so viele lustig.
Dass männliche SPÖ-Politiker an derartiger „Hinterzimmerpolitik“ beteiligt sind, sei „nicht nur sexistisch, sondern aus der Zeit gefallen“, kritisiert eine Funktionärin.
Wie der Brief bei Ludwig angekommen ist? Unklar. Man warte immer noch auf die Antwort des Parteivorsitzenden, erfuhr der KURIER am Freitag von Funktionärinnen.
Auf KURIER-Anfrage versichert Ludwigs Büro, dass er „in sehr gutem Einvernehmen und in regelmäßigem Austausch“ mit der Frauenorganisation sei. Den Brief nimmt man aber ernst: „Nach der Urlaubszeit wird es ein persönliches Treffen mit dem Präsidium der Wiener SPÖ Frauen geben.“
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