Votivpark: Afghanen protestieren gegen Abschiebung

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Foto: /Rieger Lisa Rund 30 Protestierende hatten sich Samstagfrüh versammelt

Rund 100 Afghanen und Unterstützer haben sich im Park versammelt und wollen bis Montagabend bleiben.

Sie halten Schilder wie "Gegen Deportationspolitik" und "Gerechte Asylpolitik für AfghanInnen" in die Höhe und protestieren gegen die Abschiebungen in das kriegsgebeutelte Land. 30 Protestierende haben die Nacht auch im Park verbracht. Angesetzt ist die Versammlung bis am Montag um 20 Uhr.

Laut Polizei wurde die Kundgebung offiziell angemeldet, weshalb sie aktuell keinen Räumungsgrund sieht. "Nur campen, das Auflegen von Schlafsäcken und das Aufstellen von Tischen zur Versorgung ist verboten. Dem ist die Polizei verpflichtet nachzugehen", sagt Sprecher Harald Sörös.

"Freund ist gestorben"

Die Protestierenden haben rund um den Votivpark Schilder mit Sprüchen aufgestellt und in die Bäume gehängt. Im Kreis haben sie Isomatten aufgelegt. Nüsse, Datteln und Tee mit viel Zucker werden herumgereicht. Aus Lautsprechern ist afghanische Musik zu hören. Rahimi, Rafie und Afiz haben den Protest über Soziale Netzwerke organisiert. Wichtig ist ihnen zu betonen, dass niemand für sie die Stimme erhebt, sondern dass sie für sich selbst sprechen.

"Unser Ziel ist, dass die Abschiebungen gestoppt werden. Wir wollen hier im Park bleiben bis das gewährleistet ist. Wir hoffen, dass uns die zuständigen Minister hören", sagt Mohammed (Name geändert). Er trägt eine Sonnenbrille und lässt ein Stück Würfelzucker in seinem Mund zergehen. Seine Stimme wird traurig: "Viele Freunde wurden schon abgeschoben. Zuletzt ist einer aus dem Flugzeug in Kabul gestiegen und gleich darauf bei einem Anschlag gestorben."

Er selbst ist vor sechs Jahren vor den Taliban nach Österreich geflüchtet: "Sie kommen mit Waffen, mit Kalaschnikows und Raketen in die Dörfer und es ist ihnen egal, ob es Frauen oder Kinder trifft. Es gibt keinen sicheren Ort." Österreich sei für ihn sein neues Zuhause.

Aus Graz angereist

Hussein Hashemi ist aus Graz für den Protest angereist, gemeinsam mit seinem zehnjährigen Sohn. Seit 21 Monaten sind sie in Österreich, wie er in gutem Deutsch stolz erzählt. "Ich habe schon das B1-Zertifikat", sagt er. Er hat handschriftlich einen Brief an die Regierung geschrieben, den er neben ausgedruckte Zeitungsartikel legt, in denen die derzeitige Situation in Afghanistan beschrieben wird. Die Ausdrucke hat Isabella mitgebracht; sie unterstützt die Proteste. Ein paar Teilnehmer kennt sie von ihrer Freiwilligenarbeit bei einem Patenprojekt in Klosterneuburg.

"Die Lage hat sich in Afghanistan verschlechtert und gleichzeitig werden mehr abgeschoben. Es ist skurril, dass es für Österreicher die höchste Reisewarnstufe gibt und gleichzeitig als sicheres Abschiebeland gehandhabt wird", sagt sie. "Wenn es Frieden in Afghanistan gibt, gehen wir freiwillig. Bis dahin lasst uns bitte bleiben", sagt Mohammed.einen Räumungsgrund, da es offiziell eine angemeldete Kundgebung ist. Campieren mit Zelten ist zwar nicht erlaubt, trotzdem wollen die rund 100 Demonstranten im Park auf Decken übernachten. - derstandard.at/2000063182291/Von-Abschiebung-bedrohte-Afghanen-besetzen-erneut-den-Votivpark

(KURIER) Erstellt am