Chronik | Wien
02/01/2013

Flüchtlinge wieder im Hungerstreik

Die Flüchtlinge verlangen ein Eingehen auf ihre Forderungen, vorher wollen sie die Kirche nicht verlassen.

Die Flüchtlinge, die seit Wochen in der Votivkirche für mehr Rechte protestieren, treten ab sofort wieder in den Hungerstreik. Das erklärten die Betroffenen am Freitag auf einer Pressekonferenz in der Wiener Votivkirche. Das Angebot der Caritas, in ein anderes kirchliches Quartier umzusiedeln, lehnen sie ab. Sie verlangen ein Eingehen auf ihre Forderungen, vorher wollen sie die Kirche nicht verlassen.

"Wir gehen nicht woanders hin, ohne eine Lösung", sagte einer der Flüchtlinge. Die Forderungen bleiben aufrecht, allen voran jene nach einer Legalisierung des Aufenthaltsstatus all jener, die seit Beginn bei den Protesten dabei gewesen waren. Laut Auskunft der Flüchtlinge soll es sich dabei um insgesamt rund 100 Personen handeln. In der Kirche sind derzeit rund 60 Flüchtlinge. Die Protestierenden verlangen Gespräche mit Verantwortungsträgern der Regierung, gefragt, wer dies sein soll, hieß es, "jemand mit Herz".

Kritik an der Caritas

Kritik gab es seitens der Flüchtlinge an der Caritas, konkret wollen die Flüchtlinge eine Lockerung der strikten Zugangsregeln zu der Kirche. Derzeit dürfen nur fünf Personen von außen auf einmal die Kirche betreten, um mit den Flüchtlingen zu sprechen. Dies sei zu wenig, betonten die Flüchtlinge.

Die Betroffenen in der Kirche betonten, dass sie ihre Entscheidungen eigenständig, ohne Instrumentalisierung von außen, treffen würden. Die Wiederaufnahme des Hungerstreiks sei die Entscheidung jedes Einzelnen. Sie äußerten auch die Sorge, dass die Polizei kommen und die Flüchtlinge wegbringen könnte. Sollte der Polizei Zugang zur Kirche gewährt werden, dann liege dies in der alleinigen Verantwortung von Kardinal Christoph Schönborn, sagte einer der Flüchtlinge.

Kirche will "Hausordnung" beibehalten

Die Erzdiözese will die "Hausordnung" in der Wiener Votivkirche, die gemeinsam mit den Flüchtlingen im Dezember beschlossen wurde, nicht ändern. Das sagte der Sprecher von Kardinal Christoph Schönborn am Freitag gegenüber der APA, nachdem die Flüchtlinge unter anderem mehr Besuchsrechte für Unterstützer der Betroffenen gefordert hatten. Derzeit dürfen maximal fünf Unterstützer die Kirche betreten.

"Wir haben nicht vor, dass das geändert wird", sagte Schönborn-Sprecher Michael Prüller. Man wolle den Flüchtlingen eine Zuflucht bieten, berücksichtigen müsse man aber auch, dass die Votivkirche Pfarrkirche sei. Man habe derzeit den Eindruck, dass es "ein bisschen den Wunsch" gebe, eine politische Bühne zu schaffen.

Die Kirche steht derzeit nur zu den Messzeiten für Besucher offen - normalerweise ist sie tagsüber stets geöffnet. Die Flüchtlinge hatten verlangt, dass mehr als die außerhalb dieser Zeiten erlaubten fünf Besucher auf einmal in die Kirche zu den Flüchtlingen kommen dürfen, um Gespräche zu führen.

Zum wieder aufgenommenen Hungerstreik sagte Prüller, seitens der Erzdiözese halte man das für keine gute Maßnahme. Dass die Flüchtlinge weiterhin in der Votivkirche bleiben wollen und die von der Caritas angebotenen Ersatzquartiere nicht annehmen wollen, bedauerte der Sprecher. Seitens der Flüchtlinge bereits am Donnerstag geäußerte Vorwürfe, dass die angebotenen Quartiere "menschenunwürdig" seien, wies er erneut zurück. Ängste der Flüchtlinge, die Polizei könnte Zutritt zur Kirche bekommen, versuchte Prüller zu zerstreuen. Derzeit werde die Kirche die Polizei keinesfalls aktiv in die Kirche bitten. Das sei derzeit kein Thema.

Man werde seitens der Kirche nun weiterhin das Gespräch mit den Flüchtlingen suchen. Kardinal Schönborn befinde sich für die nächsten zehn Tage im Ausland, aber es werde von anderen Personen weitere Schritte geben. Es gebe ja auch täglichen Kontakt zwischen der Caritas und den Flüchtlingen, betonte der Sprecher.