Chronik | Wien
08.01.2018

Von Kärnten an die KAV-Spitze

AKH-Chef Herwig Wetzlinger soll die Gemeindespitäler wieder auf Schiene bringen.

Es ist der derzeit schwierigste Job im Wiener Spitalswesen: Mit seinem Aufstieg ins Management des Krankenanstaltenverbunds (KAV) übernimmt der 56-jährige AKH-Direktor Herwig Wetzlinger ein zusätzliches Aufgabengebiet, das für sich alleine schon schwer zu schultern wäre. Nach dem Abgang des glücklos agierenden stv. KAV-Generaldirektors Thomas Balazs ist er zumindest vorläufig für die Finanzen und Infrastruktur zuständig – und damit auch für die krisengeschüttelte Baustelle Krankenhaus Nord, der zuletzt der Rechnungshof ein vernichtendes Zeugnis ausstellte.

Die Übernahme dieses Problempatienten schreckt ihn nicht: "Ich habe Erfahrung mit Großprojekten", gibt sich Wetzlinger gelassen. Als kaufmännischer Direktor des Kärntner Spitalsträgers Kabeg war er auch für den Neubau des Klinikums Klagenfurt zuständig. 2010 ging das Spital in Betrieb – ohne Termin- und Kostenüberschreitungen. Beim KH Nord wird das nicht mehr gelingen: "Aber dass jemand zwei Großspitäler innerhalb einer Dekade fertigstellt, kann auch nicht jeder von sich behaupten", sagt der Kärntner.

Tageweise wechselt er derzeit zwischen AKH und KAV-Direktion. "Das ist aber kein Problem. In meinem Job im Verbund musste ich ständig durch ganz Österreich pendeln. Heute ist es ja dankt Technik möglich, von überall aus zu arbeiten." Deshalb fährt er auch weiterhin alle zwei Wochenenden zu seiner Familie nach Kärnten.

Im KAV ist es ihm offenbar gelungen, sich in wenigen Wochen einen Ruf als Macher zu erarbeiten: "Er ist sehr aktiv, präzise und macht anders als sein Vorgänger klare Ansagen. Das kommt gut an", heißt es aus KAV-Kreisen. Zudem würde er in Finanzierungsfragen gegenüber dem Stadtratsbüro sehr selbstbewusst auftreten. Konflikte mit der Politik ist Wetzlinger gewöhnt: Während seiner Zeit in Klagenfurt war er massiven Angriffen durch das BZÖ ausgesetzt.

2011 wurde er als stv. Direktor an das Wiener AKH geholt. Nach der Pensionierung von Reinhard Krepler wurde er 2014 schließlich AKH-Direktor. In seine Amtszeit fiel die Strukturreform des AKH, die das Kompetenzen-Wirrwarr zwischen Bund und Stadt Wien auflösen sollte. "Dabei hat Wetzlinger eine wichtige Rolle gespielt", sagt ein AKH-Mediziner. "Er ist stets hochinformiert, hat immer alle Zahlen parat." Ähnlich beschreibt ihn auch der Ärzte-Betriebsrat Martin Andreas: "Wetzlinger hat eine sehr strukturierte, organisierte Führungsart und ist als Person geradlinig."

Noch aus seiner Zeit aus Kärnten kennt Arnold Auer, oberster Kabeg-Betriebsrat, den KAV-Manager. "Er war nie ein einfacher Verhandlungspartner. Selbst bei Lappalien ist er nicht von seinem Standpunkt weggegangen." Dass er jetzt neben dem AKH auch wesentliche Teile des KAV mit seinen 30.000 Mitarbeitern managen kann, traut ihm Auer aber durchaus zu. "Er ist jemand, der delegieren kann und hat ein gutes Gespür für gute Leute, die er in sein Team holt."

Weiterer Aufstieg?

Ausgeschrieben wird eine fixe neue KAV-Spitze erst im Laufe dieses Jahres, wenn die Umgestaltung des Spitalsträgers in eine Anstalt öffentlichen Rechts auf Schiene ist. "Ich bin mir sicher, dass Wetzlinger dann die Führung des KAV übernehmen wird", sagt der AKH-Mediziner. Wetzlinger selbst schweigt dazu.