Chronik | Wien
17.01.2019

Vom Ball zur Bowl: Wieso Fußballer Rubin Okotie ein Lokal eröffnet

Ex-Nationalspieler Rubin Okotie serviert in der Berggasse ab Freitag Essen aus der Schüssel

„Hier ist noch der Lieferschein.“ Der Gemüselieferant ist von hinten an den Lokalbesitzer herangetreten, hält ihm den Zettel zum Unterschreiben hin. Als er ihn zurückbekommt, kann er sich die Frage nicht verkneifen: „Haben Sie vielleicht eine Autogrammkarte dabei?“ Der Lokalchef schüttelt entschuldigend den Kopf. Beim nächsten Mal, verspricht er.

Denn er ist zwar ein Neo-Gastronom, aber kein Unbekannter, der am 18. Jänner ein Lokal in der Berggasse 25 in Wien-Alsergrund eröffnet. Der 31-jährige Rubin Okotie ist Ex-Nationalteamspieler und aktuell Stürmer beim belgischen Zweitligisten KFCO Beerschot Wilrijk.

Mit seiner Frau Vanessa, die Ernährungswissenschaften studiert hat, hat er sich nun den Traum vom eigenen Lokal verwirklicht.

Promi-Sportler, die in die Gastronomie einsteigen? Das ist keine Seltenheit. Sprinter Usain Bolt hat 2018 das jamaikanische Restaurant „Tracks & Records“ eröffnet, Fußballer Cristiano Ronaldo und Rafael Nadal wurden auch 2018 mit Enrique Iglesias Mitbetreiber des ebenfalls in London befindlichen Restaurants „Zela“ und Promi-Kicker Alessandro Del Piero hat vergangenen März in Los Angeles ein italienisches Restaurant eröffnet.

Imagetransfer

Im Marketing gibt es für dieses Phänomen einen Begriff: Imagetransfer. Dabei, erläutert Robert Zniva, Marketingexperte an der WU Wien und FH Salzburg, werden die Assoziationen von einem Objekt auf ein anderes gezogen.

Konkret: „Sportler stehen gemeinhin für Erfolg, für Selbstverwirklichung, für eine gewisse Sympathie, die sie in den Medien rüberbringen. Wenn ein Sportler ein Lokal eröffnet, können diese positiven Eigenschaften auch mit dem Restaurant in Verbindung gebracht werden“, sagt Zniva. Eine Voraussetzung, damit der Imagetransfer funktioniert: Sportler und Lokalkonzept müssen zusammenpassen.

Das Konzept von Rubin Okoties Lokal, steckt schon im Namen: „Plain“ (dt. einfach, schlicht). „Wir bieten ehrliche, gesunde Küche – Bio-Bagel, Porridge, sogenannte Bowls mit Lachs, Ente oder Kürbis; die Karte entworfen hat Haubenkoch Sebastian Müller. Dazu wollen sie Plastikverpackung vermeiden, verwenden recyclbare Take-away-Boxen und werden mit einem Teil des Gewinns Umweltprojekte unterstützen.

Veganer Stürmer

Denn auch das Image des Fußballspielers hat sich im Laufe der Jahre gewandelt: Während man bei der sogenannten 78er-Generation (1978 besiegte Österreich Deutschland in Córdoba, Anm.) eher an Trafiken, Tankstellen oder Nachtlokale denkt (Othmar Bajlicz eröffnet 1986 etwa das alte „Chelsea“ in der Josefstädter Piaristengasse) sind es heute umweltbewusste, nachhaltige Gastronomiekonzepte.

Obwohl, Rubin Okotie ist vielleicht kein ganz typischer Fußballspieler: „Ich ernähre mich seit einiger Zeit komplett vegan“, sagt er und ergänzt grinsend: „Meine Teamkollegen ziehen mich manchmal noch damit auf. Ich habe früher zwei Mal am Tag Fleisch gegessen. Aber tatsächlich bin ich fitter, seit ich mich vegan ernähre, ich regeneriere mich schneller, bin weniger müde.“ Auslöser war die Dokumentation „What the Health“.

Nur wegen eines Autogramms sollte man allerdings nicht ins Plain gehen: Okotie lebt aufgrund seines Fußballengagements mit seiner Frau und seinem Sohn in Antwerpen, Belgien. „Aber“, ergänzt er, „an freien Tagen sind wir natürlich in Wien.“

Plain

Berggasse 25, 1090 Wien
Montag bis Samstag 8 bis 22 Uhr, Sonn- und Feiertage geschlossen

Zur Homepage des Lokals geht es hier.