Chronik | Wien
17.12.2017

Volkertmarkt: "Das ist jetzt ein totes Eck hier"

Zwei Stände am Volkertmarkt mussten schließen / Runder Tisch wegen Problemen am Meidlinger Markt.

Es ist ein trister Anblick, der sich einem an einem nassen Dezembertag am Volkertmarkt in der Leopoldstadt bietet. Die Rollläden vieler Stände sind dicht – und nun auch zwei weitere: Die Betreiber von Fischinsel und Café Finka – die Familie Djogo – haben aufgegeben.

Beide Stände waren Handelsbetriebe, die eigentlich nur acht Verabreichungsplätze für Speisen haben dürfen. Jahrelang sei darüber hinweggesehen worden, dass beide – vor allem während der warmen Jahreszeit – mehr Sitzplätze anboten. Das änderte sich im Sommer schlagartig: Das Marktamt strafte – nicht nur ein Mal.

Gastro-Bann

Dazu kam ein Vorstoß von Stadträtin Ulli Sima ( SPÖ): Sei 1. Juli werden bei Neuanmeldungen von Gemüse- und Lebensmittelständen keine Nebenrechte mehr vergeben: Diese erlaubten bisher die Ausgabe von Speisen und Getränken auf bis zu acht Sitzplätzen. Eine Protestaktion der Standler vor dem Rathaus folgte.

Die Betreiber von Fischinsel und Café Finka wollen zu all dem nichts mehr sagen. Das letzte am Markt verbliebene Familienmitglied – der Gemüsehändler – schüttelt nur den Kopf und ist es leid, darüber zu reden. Die Passanten am Volkertmarkt hingegen sind redselig. "Es gab so ein schönes Aufflackern auf dem Markt und jetzt ist es ein totes Eck", sagt Monika Baryli. Sie wohnt seit 1973 in dem Grätzel und kennt den Markt gut. "Vor 10 Uhr kann man dort jetzt keinen Kaffee mehr trinken." Dazu müsse sie jetzt auf die Taborstraße gehen. "

Diese neuen Bestimmungen verstehe ich nicht. Die Leute gehen halt jetzt auf einen Kaffee oder auf ein Frühstück zum Markt", sagt Baryli. Wenn das der Trend sei, müsse man dem eben nachgeben. "Von ein paar Euro am Tag kann man ja nicht leben."

Christoph, der am Vormittag beim Markt vorbeispazierte, sagt: "Solche Märkte leben nur noch aufgrund der Gastronomie." Künftig müsse er wohl auf den Karmelitermarkt ausweichen.

Auch Standler bedauern die Schließung. "Wenn Geschäfte zusperren, ist der Markt weniger belebt und wenn der Markt weniger belebt ist, kommen auch weniger Menschen her", sagt Belinda, die im Ballsy arbeitet. Auf dem Volkertmarkt, wo sich alle Standler so bemühen, sei das besonders schade. Die Standler am Meidlinger Markt kämpfen indes mit anderen Problemen. Seit einiger Zeit würden sich Mitarbeiter des Marktamts nicht allzu kooperativ verhalten.

"Es grenzt an Schikane", sagt Mark Ruiz-Hellin von der Konditorei Hüftgold, der sich auch im Marktverein engagiert. Bemerken die Beamten etwa bei einem Stand kleine Schäden, zum Beispiel einen Sprung in einer Fliese, müsse dieser binnen zwei Wochen behoben sein, sonst werde gleich mit Anzeige gedroht. Gespräche seien kaum mehr möglich.

Gemüsehändlerin Sherife Seyhan wurde etwa aufgefordert, Paletten und Gemüsekisten (auf der von ihr gemieteten Fläche) nicht zu stapeln, weil "das nicht schön ausschaut". Ein Standler, der an den Wochenenden an seinem mobilen Stand verkauft, musste diesen während des laufenden Betriebs versetzen – weil er einen Mindestabstand nicht einhielt.

Der Marktverein bat um Rechtsbeistand in der Wirtschaftskammer. "Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte", sagt Akan Keskin vom Landesgremium der Markthändler. Mit den Mitarbeitern im Marktamt habe er bereits ein klärendes Gespräch geführt. Spätestens im Februar soll es einen Runden Tisch mit Standlern, Marktamt und Bezirksvorsteherin geben.

Doch kein Gastro-Bann?

Schon im Herbst hätte die Novelle der Marktordnung präsentiert werden sollen. Doch die verzögert sich weiter. Hinter vorgehaltener Hand heißt es nun, der von Sima verhängte Gastro-Stopp könnte wieder aufgehoben werden. Aus dem Büro Sima heißt es: Die Maßnahme sei eine "Notbremse" gewesen. Die Inhalte der Novelle werden noch ausgearbeitet.