Chronik | Wien
09.03.2018

Viele Ungereimtheiten bei Wiener Wohnen

834 Millionen Euro Bilanzverlust. Missstände bei Wohnungssanierungen.

Rechnungshof.Kritik an Bilanzverlust über 834 Millionen Euro. Mängel bei den Sanierungen.Hart ins Gericht mit Wiener Wohnen geht der Rechnungshof in einem aktuellen Bericht. Er untersuchte die Gebarung der Unternehmung der Stadt Wien zwischen Ende 2015 und Sommer 2016.

Allen voran kritisieren die Prüfer die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens. So wurde für das Jahr 2015 ein Bilanzverlust von beachtlichen 833,67 Millionen Euro ausgewiesen. Die Prüfer empfehlen daher die Neustrukturierung des gesamten Unternehmens, um den seit Jahren kumulierten Bilanzverlusten entgegenzuwirken.

Alles andere als optimal verlief auch die Neuordnung der Organisationsstruktur, die Wiener Wohnen zwischen 2012 und 2016 durchführte. Der Prozess habe ein Nebeneinander von alten und neuen Strukturen bewirkt, was zu unklar definierten Schnittstellen und mangelnder Abstimmung geführt habe, bemängelt das Prüforgan.

In einer Stellungnahme rechtfertigt sich Wiener Wohnen damit, dass eine Umstrukturierung, "die nachhaltigen Erfolg verzeichnen soll", eine gewisse Zeit erfordere. An den Gewinnen, die Wiener Wohnen seit 2014 verzeichne, sei abzulesen, "dass die Maßnahmen wirtschaftlich sinnvoll gewesen" seien. Zu den Verlusten sagt eine Sprecherin: "Wir investieren in Menschen und ihren Wohnraum – und nehmen dafür Kredite auf, die im Bilanzverlust abgebildet sind." Seit drei Jahren würde Wiener Wohnen positive Jahresergebnisse erzielen.

Fehlverrechnungen Missstände fanden die Prüfer aber auch bei der Sanierung und Instandhaltung der Gemeindewohnungen. Hier geht es pro Jahr um ein durchschnittliches Investitionsvolumen von rund 107 Millionen Euro. Laut Rechnungshof nahm Wiener Wohnen die Aufgaben der örtlichen Bauaufsicht "nur stichprobenartig und lückenhaft" wahr. Dies habe zu einer mangelnden Ausführungsqualität und einem hohen Maß an möglichen Fehlverrechnungen geführt. Letztere lagen laut Bericht bei der Instandsetzung von Leerwohnungen allein für den Zeitraum 2012 bis 2014 zwischen rund 67 und 121 Millionen Euro. Kritisiert wird auch das Vergabewesen. Laut Prüfern beauftragte Wiener Wohnen bis 2015 weiter Leistungen aus abgelaufenen Rahmenverträgen, weshalb der notwendige Wettbewerb fehlte. Bei Direktvergaben wurden wiederum keine Vergleichsangebote eingeholt.

Kein Konzept

Kritisch hinterfragt wurde auch, nach welchen Kriterien die zu sanierenden Wohnhausanlagen ausgewählt wurden. Laut Rechnungshof ging Wiener Wohnen dabei "auf Basis veralteter, unzureichender Objektauswahlen" vor und nicht auf Basis einheitlicher Zustandserhebungen und unternehmensweit gültiger, standardisierter Auswahlkriterien. Dabei habe Wiener Wohnen 2010 rund 430.000 Euro für die Erstellung eines Sanierungskatasters investiert, der jedoch nicht genutzt worden sei. Erst 2013 begann man mit der Entwicklung einer zentralisierten Herangehensweise, die aber erst bis 2017 umgesetzt wurde.

"Zu keinem Zeitpunkt wurden Entscheidungen willkürlich getroffen", betont die Sprecherin von Wiener Wohnen. "Die Verantwortung war damals aber aufgrund der dezentralen Strategie individuell und regional gelagert. Daher gab es auch keine zentrale Dokumentation. Die Sanierungen wurden ordnungsgemäß durchgeführt, was sich am Zustand der Anlagen heute leicht nachweisen lässt."