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Videotheken-Sterben
05/11/2014

Internet killed the Videostar

Geändertes Kundenverhalten und eine spezielle Steuer belasten die Branche.

von Bernhard Ichner

Täglich erreichen Paul Ertl emotionale Abschiedsmails – schockierte, traurige, sogar wütende. Und auch in seiner "Oz Cinethek" drückten ihm zahlreiche enttäuschte Kunden ihr Bedauern aus. Denn Ende der Woche schloss die kleine Qualitätsvideothek in der Lindengasse für immer ihre Pforten. Für Fans anspruchsvoller Filme zwar ein immenser Verlust, für Brancheninsider aber keine Besonderheit. Der zunehmende Filmkonsum über das Internet und die Wiener Vergnügungssteuer machen Videotheken das Überleben schwer.

"2004 gab es in Wien noch 140 Videotheken, 2014 sind es weniger als 50. Fast täglich sperrt ein Betrieb zu", sagt der Branchensprecher in der Wirtschaftskammer, Leopold Homola, der mit seiner eigenen Videostar-Videothek in der Schweglerstraße ebenfalls kurz vor dem Konkurs steht.

Hauptgrund sei das veränderte Kundenverhalten. "Die Leute wollen schnell und einfach von zu Hause aus bestellen. Da haben sie keinen Aufwand, weil sie den Film nicht zurückbringen müssen", erklärt Homola. Der Nachteil, auf persönliche Beratung verzichten zu müssen, fällt selten ins Gewicht.

Erotik zieht nicht mehr

Ein Genre, das die übermächtige Konkurrenz durch das Internet schon vor Jahren offenkundig machte, sind die Pornos.

"In den 80ern waren die Erotikfilme noch ein wichtiges Standbein für Videotheken", erinnert sich der Branchensprecher. "Bei mir haben sie 10 Prozent des Einkaufsvolumens, aber 40 Prozent des Umsatzes ausgemacht."

Portale wie youporn und Co. hätten das jedoch rasch geändert. "Weil die Filmchen dort erstens gratis, und zweitens anonym zu konsumieren sind." Homola hat die Erotik-Ecke deshalb eingestampft.

Ein zusätzlicher Faktor, der Videotheken-Betreibern die Arbeit massiv erschwere, sei "das Wiener Kuriosum der Vergnügungssteuer", sagt Ertl – der sich in der "Oz Cinethek" mit seinem Geschäftspartner Leon Ilsen auf anspruchsvolle Filme spezialisierte. Porno-Ecke gab es hier von Beginn an keine.

Mit Klage abgeblitzt

"Diese Sondersteuer, die einst für ,niedere Künste’ geschaffen und im Laufe der Zeit zum Beispiel für Kinos wieder abgeschafft wurde, gilt immer noch für Peepshows, Glücksspiel – und Videotheken", echauffiert sich Ertl über die "willkürliche Ausbeutung". "Das ist Sinn-entleert: Programmkinos werden für die Bereitstellung eines hochwertigen Filmangebots zurecht gefördert, während wir für dieselbe Leistung zusätzliche Steuern zahlen."

Ein Problem mit der Vergnügungssteuer haben aber nicht bloß kleine Qualitätsvideotheken, sondern auch Unternehmer, die auf Blockbuster setzen. "Wir zahlen nicht wie jeder andere Betrieb 20 Prozent Umsatzsteuer, sondern durch die Vergnügungssteuer insgesamt 32 Prozent. Diese Steuer gibt es nur in Wien", beklagt Homola. Dass die Branchenvertretung mit einer Klage gegen die umstrittene Abgabe beim Verfassungsgerichtshof abblitzte, empfindet er als persönliche Niederlage.

Bereits 2008 scheiterten auch die Wiener Grünen im Landtag mit ihrem Antrag auf Novellierung des Vergnügungssteuergesetzes.

Wie viel die Stadt Wien durch die Vergnügungssteuer der Videotheken pro Jahr verdient, wird von offizieller Seite nicht verraten. Im Büro von Finanzstadträtin Renate Brauner (SP) wollte man zu der gesamten Thematik keine Stellungnahme abgeben.

Auf die Frage, ob die Videotheken überhaupt noch zu retten sind, meint Homola: "Wenn, dann nur durch den Schwedenbomben-Effekt."

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