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Stiftung
05/10/2014

Verteilungskampf am Wiener Flughafen

Arbeiterbetriebsrat will gleiches Recht für alle: Ringen um Ausschüttung der Aktien-Dividende.

von Matthias Hofer

Der Flughafen Wien-Schwechat zählt rund 3300 Mitarbeiter. Sie alle sind nicht nur beim Airport beschäftigt, sondern gleichzeitig auch seine Aktionäre. Diese Konstruktion ist nahezu 14 Jahre alt. Heute ist sie Auslöser für einen Umverteilungskampf.

Im Jahr 2000 richtete die Flughafen Wien AG eine unabhängige Stiftung ein – die "Flughafen Wien Mitarbeiterbeteiligung Privatstiftung". Sie hält zehn Prozent der Airport-Aktien und ist damit nach den Ländern Niederösterreich und Wien (beide je 20 Prozent) der drittgrößte Anteilseigner. Die Stiftung hat den Zweck, den Ertrag aus der Beteiligung an die Mitarbeiter auszuschütten. Wer wie viel bekommt, orientiert sich am Bruttojahresgehalt: Besserverdiener bekommen demnach mehr aus dem Topf.

"Es wird ja auch das Brot für jeden gleich teurer"

Diese Auszahlungsmodalität will der Arbeiterbetriebsrat, in dem es seit 2012 eine knappe schwarz-blaue Mehrheit gibt, ändern. Dem Vernehmen nach geht es heuer um insgesamt 2,73 Millionen Euro. Die sollen nach Ansicht des Betriebsrats einheitlich verteilt werden – jeder soll die gleiche Summe erhalten. "Es wird ja auch das Brot für jeden gleich teurer", sagt Betriebsrats-Vize Thomas Faulhuber. "Nur gerecht, dass auch die Dividende für jeden gleich ausgeschüttet wird."

Für den Stiftungsrat kommt diese Forderung überraschend. "Es hat den Antrag auf eine Ad-hoc-Änderung gegeben", bestätigt Stiftungsvorstand, Rechtsanwalt Gerhard Jöchl dem KURIER. Allerdings könne man nicht in der Sekunde von einer seit 14 Jahren gültigen Vorgehensweise abweichen. Der Stiftungsrat habe daher beschlossen, die Forderung zunächst zu prüfen. "Da sind viele Fragen offen." Die Regelung, die Mitarbeiter zu Aktionären zu machen, geschah im Abtausch gegen kollektivvertragliche Gehaltsbestandteile. "Die waren damals auch gehaltsabhängig", erklärt Jöchl. Daher orientiere sich die Auszahlung nach dem Bruttogehalt. Eine Änderung könnte frühestens mit der nächsten Hauptversammlung der AG im kommenden Frühjahr schlagend werden.