Chronik | Wien
06.09.2017

Unternehmer kurbeln Wirtschaftsmotor Seestadt an

Internationale Forscher machen das rasch wachsende Stadterweiterungsgebiet zudem zum lebenden Labor.

Der Wirtschaftsstandort Seestadt Aspern wächst. Immer mehr Unternehmer leisten im Donaustädter Stadtentwicklungsgebiet Pionierarbeit. Doch aus welchen Beweggründen? Der KURIER fragte im Rahmen eines Lokalaugenscheins nach.

Die Seestadt Aspern, die sukzessive größer wird und drei Jahre nach Bezug der ersten Wohnungen bereits mehr als 6000 Personen und an die 2000 Arbeitsplätze beheimatet, zieht nicht nur internationale Großunternehmen aus der IT-Branche an, sondern auch Klein- und Mittelbetriebe. So eröffnet etwa Silvio Molin-Pradel, Chef des renommierten Eissalons am Schwedenplatz, nächstes Jahr Produktion, Verwaltung und Verkauf in Aspern (die Filiale am Schwedenplatz bleibt weiter bestehen). In der Innenstadt fehle für den wachsenden Betrieb einfach der Platz, erklärt er. Zudem biete der neue Standort dank U-Bahn-Anbindung und Stadtrandnähe beste Expansionsmöglichkeiten.

Ähnlich wie Molin-Pradel argumentiert auch Bettina Wagner, die ein paar Straßen weiter eine Buchhandlung eröffnet hat – ihr erstes eigenes Geschäft übrigens. „Der 22. Bezirk hat den höchsten Zuzug. Die Kundenfrequenz steigt stetig.“

Zu den Leuten, die hier nach Büchern stöbern und in der Sitzecke einen Kaffee trinken, gehört auch Gerlinde Steininger. Mit ihren Kindern Magdalena und Sebastian kommt sie regelmäßig aus Essling in die verkehrsberuhigte Seestadt, um hier einzukaufen oder die großzügigen Grün- und Spielflächen zu nützen.

Großkonzerne

Beliebt ist die Seestadt aber auch bei international agierenden Konzernen. So verlegte etwa die Schweizer Ventilwerke GmbH Hoerbiger ihren Standort von Simmering in die Donaustadt. 500 Personen arbeiten hier. Und auch der IT-Riese ATOS übersiedelte seine Forschungsabteilung nach Aspern.

In einem Joint Venture mit Siemens betreiben Wien Energie, Wiener Netze und die Wiener Wirtschaftsagentur hier zudem das größte Energieeffizienzforschungsprojekt der Welt – das ASCR (Aspern Smart City Research), das die gesamte Seestadt als Living Lab nützt. Als Probanden stellen sich viele Bewohner in den Dienst der Wissenschaft, indem sie ihren Energieverbrauch messen lassen.

Für Wirtschaftstadträtin Renate Brauner (SPÖ) liegen die Vorteile des Standortes auf der Hand: Platzkapazitäten, U-Bahn-Anbindung, Wohnmöglichkeiten für die Mitarbeiter und Schulen für deren Kinder an einem Ort. Mit diesen Argumenten will die Stadt auch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA von London nach Wien locken. Ein möglicher Standort wäre das HOHO – ein Aufsehen erregendes Holzhochhaus, das zurzeit in der Seestadt Aspern errichtet wird.

Gebaut wird aber noch viel mehr. Während der Südteil des Stadterweiterungsgebiets bereits zu etwa 80 Prozent fertiggestellt ist, entsteht bis 2019 auch das Seeparkquartier mit rund 700 frei finanzierten Wohnungen. Der Stadtteil Am Seebogen, die erste Etappe der Seestadt Nord, geht kommendes Jahr in Bau. Im Endausbau Anfang der 2030er-Jahre werden dann mehr als 20.000 Wiener in der Seestadt leben.