Ende einer Ära: Warum einer der schönsten Biergärten Wiens verschwindet
Für Generationen von Studenten und Professoren war es der Treffpunkt nach einem langen Tag auf der Universität; aber auch bei Familien mit Kindern war der schattige Biergarten äußerst beliebt, weil es einen Direktzugang zum Spielplatz im Alten AKH gab. Die Rede ist vom Universitätsbräuhaus (kurz: Unibräu) am Alsergrund, das es zwar als Marke schon seit Jahren nicht mehr gibt, dessen Reste nun aber komplett verschwinden.
Zustand heute: Die Rückbau-Arbeiten sind voll im Gange.
Denn soeben hat der Rückbau des Gastgartens samt Außenküche begonnen: Vom Biergarten, der bei diversen Abstimmungen regelmäßig unter den schönsten Wiens gelandet ist, soll rein gar nichts mehr übrig bleiben – denn der gesamte Außenbereich von rund 600 m2 wird „renaturiert“. „Diese Fläche in Hof 1 wird vollständig entsiegelt. Dort sind konsumfreie Grünbereiche und Aufenthaltszonen geplant“, berichtet Uni-Wien-Sprecherin Cornelia Blum. Der Rückbau sei eine der Kompensationsmaßnahmen für den Bau des neuen „Quantum Cubes“ für die Physiker im benachbarten Hof 2 des Campus, wo rund 400 m2 der großen Wiese versiegelt werden sollen (Baubeginn ist im Sommer/der KURIER berichtete). Der Gastro-Innenbereich samt Kellerstüberl wiederum soll zum „Student Space“ werden. „Ab 2027 sind hier konsumfreie Aufenthalts- und Lernbereiche geplant“, sagt Blum.
So war es früher im Unibräu: Aufnahme von 2001.
Dass ein derart beliebter und traditionsreicher Gastronomiestandort nunmehr passé ist, verrät freilich auch viel über die Wiener Gastro-Szene an sich: Denn nach der Eröffnung anno 1998 war das Unibräu viele Jahre eine wahre Goldgrube, wo man im Frühling und Sommer ohne Reservierung kaum einen Platz im Gastgarten bekommen konnte: Legendär die auf Holzkohle gegrillten Spareribs oder die Fassbier-Kreationen aus Zwettl mit klingenden akademischen Namen wie „Magister Märzen“ und „Doktor Pilsen“. Später kredenzte Pächter Stefan Hajszan – Wiener Biowein-Pionier – dann auch seine edlen Tröpferl.
Qualität sank rapide
Doch nach einer Neuübernahme – Hajszan verabschiedete sich später nach Neuseeland – ging es mit dem Unibräu in den 2010er-Jahren rapide bergab: Noch heute sind im Internet Kundenrezensionen über mangelnde Qualität, unfreundliche Kellner und falsche Abrechnungen zu lesen. Die Gäste blieben aus – dafür kam Corona, und damit das Ende. Das Nachfolgeprojekt einer Pizzeria (2021–23) war auch nicht von langer Dauer. Nun ist der Pizzaofen ganz aus – und auf dem Biergarten wächst Gras drüber.
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