Hält doppelt besser? Gleich zwei neuen Quanten-Zentren für Wien

Während die Stadt Wien in Neu-Marx noch plant, steht die Uni Wien beim Quantum Cube schon vor dem Baustart. Wie sich beide Projekte ergänzen sollen.
Zeigt Quantum Cube im Alten AKH

Wer im Physikunterricht gut aufgepasst hat, wird sich noch an den „Doppler-Effekt“ erinnern – ein vorwiegend akustisches Phänomen, bei dem ein Signal zeitlich gestaucht oder gedehnt wird. Eine Art „Doppler-Effekt“ gibt es nun auch in der Wiener Quantenphysik: Denn die Epigonen von Nobelpreisträger und „Quanten-Star“ Anton Zeilinger erhalten in der Bundeshauptstadt in den kommenden Jahren gleich zwei neue Zentren.

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Quantentechnologie-Zentrum der Stadt Wien in Erdberg.

Neben dem zuletzt auf der SPÖ-Klubklausur angekündigten Quantentechnologie-Zentrum in Erdberg entsteht nämlich auch bereits in den kommenden Wochen ein „Quantum Cube“ der Universität Wien im Alten AKH. Womit sich unweigerlich die Frage stellt: Sind diese beiden Projekte aufeinander abgestimmt? Und gilt hier das Prinzip: Doppelt hält besser oder wird eher doppelt gemoppelt?

Beide Seiten betonen, dass Ersteres der Fall sei: „Das Quantentechnologiezentrum ist eine interessante und wichtige Ergänzung zu den verschiedenen bereits bestehenden Einrichtungen, an Universitäten und Forschungseinrichtungen“, sagt Uni-Wien-Sprecherin Cornelia Blum zum KURIER.

Derartige Initiativen, „die den Standort Wien im Bereich Quantentechnologien stärken und die Zusammenarbeit zwischen Forschung und Industrie weiter ausbauen“, seien definitiv zu begrüßen. Wobei das Vorhaben der Stadt Wien noch „in einer sehr frühen Planungsphase“ sei, sich die Universität dort aber jedenfalls einbringen wolle: „Wir freuen uns auf kommende Abstimmungsgespräche“, so Blum.

Demgegenüber ist der neue „Quantum Cube“, der in Hof 2 des Uni-Campus errichtet werden soll, schon baureif: Der Start für den fünfgeschoßigen Würfel soll Ende Mai erfolgen. „Der Vollbetrieb des Gebäudes ist für Ende 2027 vorgesehen“, erklärt die Uni-Sprecherin. Kostenpunkt: mehr als 20 Millionen Euro.

Grüne Wiese halbiert

Daher ist die Frage eher müßig, warum nicht beides an einem Ort realisiert wird, schließlich hat die Uni Wien schon „über viele Jahre hinweg“ den neuen Standort für Grundlagenforschung geplant, wie betont wird. Und zuletzt Kritiker aus der ÖH und dem Bezirk Alsergrund auf den Plan gerufen, weil damit die Hälfte der großen Wiese in Hof 2 wegfallen werde. Einen anderen (besseren) Standort für die nötigen Präzisionsmessungen im Quantenbereich gäbe es aber nicht – „insbesondere im Hinblick auf eine störungsarme Umgebung sowie hochspezialisierte Laborinfrastruktur für empfindliche Experimente“, erklärt Blum.

"Breiten unsere Arme aus"

Auch bei der Wirtschaftsagentur Wien, die das Quantentechnologie-Zentrum bis 2033 in Neu-Marx errichten will, hebt man das Gemeinsame hervor: „Wir wollen natürlich mehr Richtung Anwendung statt Forschung gehen, aber wir breiten natürlich unsere Arme auch Richtung Universität aus“, erklärt Sprecherin Uschi Kainz. Man wolle ja internationale Talente und Unternehmen nach Wien holen, weshalb so ein Großprojekt – veranschlagt sind rund 170 Millionen Euro – nur funktioniere, wenn „alle Rädchen ineinandergreifen“.

Das ist wiederum keine Quantenphysik, sondern eine simple Weisheit.

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