Ludwig will in Bahnhöfe und Quantentechnologie investieren
Welche Musik alljährlich beim Einzug von Bürgermeister Michael Ludwig bei der Klubtagung der SPÖ Wien gewählt wird, hat meist Symbolcharakter. Heuer wurde „Power to the People“ gewählt – eine verwegene Musikwahl in einer Zeit, in der sich viele wegen des weltpolitischen Geschehens machtlos fühlen.
Krieg, Teuerung und die dadurch bedingten Herausforderungen wurden darum in allen Begrüßungsreden angesprochen – vor Ludwig begrüßten Klubchef und Zeremonienmeister Josef Taucher, sein burgenländisches Pendant Robert Hergovich und Philip Kucher, Obmann des SPÖ-Parlamentsklubs, der in Vertretung von Vizekanzler Andreas Babler gekommen war.
"Unsere Stadt ist eine, die aufsteht"
Krieg und Teuerung sparte auch Ludwig in seiner Rede nicht aus, setzte aber unterschwellig eben auch auf Selbstermächtigung. „Wien war nie eine Stadt, die sich zurücklehnt oder in Pessimismus verfällt“, so Ludwig. „Gerade wenn es schwierig wird, ist unsere Stadt immer eine, die aufsteht und sich in die Zukunft aufmacht.“
Auch am Donnerstag wurde ein Projekt im Sinne des Zukunftsgedankens verkündet: Ein „Quantum Technology Center Vienna“ soll in Wien entstehen, also ein Quantentechnologie-Zentrum. Dort sollen Technologieunternehmen, Start-ups, industrielle Partner und forschende Einrichtungen an einem Ort gebündelt werden. Entstehen soll es beim „Life Science Center Vienna“ in Neu Marx, dessen Errichtung erst vor wenigen Wochen angekündigt worden war.
Mehr Arbeitsplätze
Das Quantentechnologiezentrum soll laut SPÖ Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Innovation bringen. Quantentechnologie kann man unter anderem in der Medizin einsetzen, um schneller neue Wirkstoffe zu entwickeln, in der Industrie hilft sie bei der Simulation von Lieferketten, besonders in den Bereichen Klima und Energie kann man durch die Erkenntnisse Prozesse optimieren.
„Diese Technologien werden in den kommenden Jahrzehnten zentrale Fortschritte ermöglichen“, sagt Ludwig. „Wieder stellt sich Wien an die Spitze des gesellschaftlichen und damit auch wirtschaftlichen Fortschritts.“ Noch ist das aber Zukunftsmusik.
Dreistelliger Millionenbetrag
Das Zentrum soll 2033 fertiggestellt sein – zufällig genau 100 Jahre, nachdem der Wiener Physiker Erwin Schrödinger den Nobelpreis erhielt. Bezüglich der Finanzierung will die Wirtschaftsagentur in den kommenden Monaten mit interessierten Partnern sprechen und dann einen Finanzierungsplan erstellen. Es werde aber ein dreistelliger Millionenbetrag in die Hand genommen werden müssen, wie Finanzstadträtin Barbara Novak erklärte.
Auch alltäglichere Dinge wurden angekündigt: Im Bereich Stadtentwicklung will man etwa bei den Bahnhöfen investieren. Die Vorplätze, oft Angsträume oder graue Hitzeinseln, sollen umgestaltet werden.
Bezirksbudget soll aufgestockt werden
Und die Bezirke werden für ihre „Loyalität bei der Budgetkonsolidierung belohnt“, wie Ludwig sagte. Für 2026 wurden die Bezirksbudgets eingefroren, ab 2027 sollen die Bezirksmittel aber wieder erhöht werden. Konkret um etwa 27 Millionen Euro, also um rund 10 Prozent. „Man möchte fast applaudieren, so begeistert bin ich. Ich weiß aber, dass das bei einer Pressekonferenz unangebracht ist“, zeigte sich Taucher nahezu euphorisch, denn als Kommunalpolitiker wisse er, „wo es zwickt und zwackt“.
Kritik der Opposition
Bei der Opposition kamen die Ankündigungen nicht besonders gut an. Es seien „nichts anderes als Zukunftsträumereien, mit denen Ludwig von den aktuellen Problemen der Stadt ablenken will“, sagte etwa Wiens FPÖ-Chef Dominik Nepp.
Die Grünen hätten sich andere Maßnahmen gewünscht, nämlich, dass man „Luxusabgaben einführt oder auf Milliardenausgaben für fossile Monsterprojekte verzichtet. Alles andere ist mutloses Klein-Klein“, wie die Parteivorsitzenden Judith Pühringer und Peter Kraus via Aussendung erklärten. „Wenn sich die SPÖ Wien jetzt bei einer Klausur als Wirtschaftspartei inszenieren will, ist das mehr als unglaubwürdig. Diese Klausur war in Wahrheit vor allem eine reine PR-Show“, zeigte sich auch ÖVP-Landesparteiobmann Markus Figl wenig überzeugt.
Standing Ovations
Die Stimmung bei der Klubklausur ist im Großen und Ganzen als nüchtern und arbeitsam zu beschreiben. Einen emotionalen Ausreißer gab es allerdings nach der Rede von Kathrin Gaál. Die Wohnbaustadträtin und Vizebürgermeisterin hat erst vor wenigen Wochen ihren Rückzug bekannt gegeben. Sie erhielt von den Genossinnen und Genossen lauten, lang anhaltenden Applaus inklusive Standing Ovations. Gaál versuchte mehrmals, den Applaus zu unterbrechen, indem sie etwas ins Mikrofon sagen wollte. Als es ihr endlich gelang, schaffte sie nicht viel mehr als ein sichtlich gerührtes „Danke“.
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