Religionspädagoge Ednan Aslan.

© Kurier/Juerg Christandl

Chronik Wien
02/03/2021

Uni-Institut distanziert sich von Stellungnahme zur IGGÖ

Medien berichteten über eine Abrechnung des Instituts für islam-theologische Studien mit der IGGÖ. Am Institut wusste man aber gar nichts von der Stellungnahme.

von Bernhard Ichner

Das Institut für islamisch-theologische Studien an der Uni Wien habe seine Stellungnahme zum "Anti-Terror-Paket", das auch auf eine Verschärfung des Islamgesetzes abzielt, für eine "Abrechnung mit der Islamische Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) genutzt", vermeldete die Austria Presse Agentur (APA) am Dienstag.

Wie sich am Mittwoch herausstellte, stammte die Stellungnahme aber weder von besagtem Uni-Institut noch von der Uni selbst. Von einer Abrechnung will Institutsleiter Zekirija Sejdini nichts wissen.

Die Stellungnahme trägt zwar den Briefkopf von Uni und islamisch-theologischem Institut, stammt aber allein von Religionspädagoge Ednan Aslan, der vor Sejdinis Berufung als Institutsleiter abgesetzt worden war.

"Aus dem Ausland gesteuerte Verbände"

Es stelle sich die Frage, ob sich die IGGÖ wirklich den Interessen der österreichischen Muslime verpflichtet fühlt oder sich nicht vielmehr „zum Instrument der meist aus dem Ausland gesteuerten Verbände machen lässt“, schrieb Aslan.

Das zeige sich nicht nur an den „zumeist aus nicht qualifizierten Personen bestehenden Kontrollorganen der IGGÖ (Obersterrat, Schurarat usw.)", sondern auch daran, dass die Besetzung der Stellen von Religionslehrkräften weniger nach Qualifikation als vielmehr nach Verbandzugehörigkeit erfolge.

Die IGGÖ wies die Vorwürfe umgehend zurück und ersuchte das Rektorat der Uni Wien um eine Stellungnahme. Sei Aslan doch seit 13 Jahren nicht mehr in der IGGÖ engagiert und habe somit auch keinen Einblick in Gebarung und Reformprozess der IGGÖ.

Nicht mit Institutsleitung akkordiert

Man zeigte sich befremdet, "dass sich ein Religionspädagogisches Institut der Universität Wien ohne fundiertes Wissen um die Tätigkeit der IGGÖ öffentlich für eine Schlechterstellung einer staatlich anerkannten Religionsgesellschaft ausspricht", hieß es in einer Aussendung. Darin werden der Rektor der Universität Wien sowie der Vorstand des Instituts um Aufklärung des Sachverhaltes ersucht.

Auf KURIER-Anfrage erklärt Sejdini, Aslans Stellungnahme sei nicht mit der Institutsleitung akkordiert gewesen und sei auch keine Stellungnahme des Instituts. Die Verwendung dessen Briefkopfes sage zudem "wenig über die offizielle Meinung des Institutes aus, besonders wenn das Schreiben von einer Person unterzeichnet wird, die keine Leitungsfunktion innehat".

Zwar habe sich Aslan klar erkennbar im Rahmen seines Fachbereichs "Islamische Religionspädagogik" geäußert. Und es stünde den Leitern der Fachbereiche frei, ihre wissenschaftliche Einschätzungen zu artikulieren, "auch wenn diese von der Leitung oder der Mehrheit des Institutes nicht getragen werden". Um Missverständnisse zu vermeiden, wäre es aber "angebrachter, eine solche Vorgehensweise intern abzuklären".

Aufgrund des aktuellen Ereignisses werde man intern eine Vorgehensweise beschließen, um in der Zukunft Missverständnisse zu vermeiden.

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