Chronik | Wien
24.07.2017

Unfall-Spitäler: "Kein Match Böhler gegen Meidling"

Direktoren kontern Kritik an der Neuaufstellung ihrer Spitäler.

Nicht abreißen will die Kritik an der Neustrukturierung der beiden Unfallspitäler der AUVA in Wien. Wie berichtet, wird seit einigen Wochen der Schockraum für die Versorgung Schwerstverletzter im Lorenz-Böhler-Krankenhaus (Brigittenau) von Samstag 8 Uhr Früh bis Dienstag 8 Uhr Früh gesperrt. Stattdessen werden die Patienten zur Akutversorgung in das UKH Meidling gebracht. Grund: Organisatorisch sollen Meidling und das Böhler-Spital ab 2018 unter dem Dach "Traumazentrum Wien" firmieren. Die beiden Standorte sollen erhalten bleiben – sich aber jeweils spezialisieren. Meidling wird den Fokus auf akute Fälle legen, im Lorenz-Böhler soll die "rekonstruktive Versorgung", also die Nachbehandlung schwerer Verletzungen, im Mittelpunkt stehen.

Das bringe eine Reihe gravierender Probleme mit sich, befürchten Ärzte im Böhler, die namentlich nicht genannt werden wollen. "Die medizinische Versorgung von Unfällen im Nordosten Wiens ist gefährdet, wenn die unfallchirurgische Expertise nach Meidling verlagert wird." Die Sperre des Schockraums, so ein Arzt zum KURIER, habe zudem zur Folge, dass "die notwendige Routine der Ärzte nicht sichergestellt ist." Auf völliges Unverständnis stößt die jüngste Ankündigung der AUVA, der Böhler-Schockraum könne im Bedarfsfall "binnen Minuten" in Betrieb genommen werden – sollten alle anderen infrage kommenden Spitäler (Grafik) ausgelastet sein. Das sei in der Praxis unrealistisch. Befürchtet wird vielmehr ein schleichendes Kaputtsparen des Böhler-Spitals, zumal die für den Betrieb eines Schockraums notwendigen Intensivbetten bereits reduziert wurden.
Die ärztlichen Direktoren der beiden Häuser versuchen im KURIER-Gespräch zu beschwichtigen und kontern der Kritik. Der Nordosten Wiens sei künftig keineswegs unfallmedizinisch unterversorgt. "Die Medizin geht immer mehr in Richtung Spezialisierung", sagt Christian Fialka, Leiter des neuen Traumazentrums. Es sei nicht mehr möglich, in jedem Spital Spitzenmedizin in jedem Fachgebiet anzubieten. "Beide Häuser versorgen je rund 70.000 frischverletzte Patienten pro Jahr." Knapp 30 Fälle würden wegen der Schockraumsperre statt ins Böhler nun nach Meidling gebracht werden. Dass Meidling das Zentrum für die Akutversorgung werde, sei nur konsequent: "2012 haben wir zusätzliches Personal eingestellt. Seitdem haben wir eine Steigerung der jährlich eingelieferten Schockraum-Patienten von knapp 200 auf 500." Eine völlige Aufgabe des Schockraums im Böhler sei nicht angedacht.

Rotierende Ärzte

Meidling sei als Zentrum für die akute Behandlung von Schwerstverletzten prädestiniert: "Rundherum gibt es die höchste Schnellstraßen-Dichte Österreichs", sagt Fialka und betont: "Es gibt kein Match Meidling gegen Böhler!" Auch Thomas Hausner, ärztlicher Leiter des Lorenz Böhler-Spitals, verteidigt die Schockraum-Sperre in seinem Haus und die Umstrukturierung: "Bei uns wird am Wochenende praktisch die ganze Zeit operiert. Der Schockraum ist damit ohnedies nicht verfügbar, weil er personell nicht beschickt werden kann. Strukturell halte ich die Aufteilung für vernünftig." Hausner glaubt nicht, dass seine Ärzte durch die Reform aus der Übung kommen oder gar gehen: "Sie können innerhalb der beiden Spitäler rotieren. Diese Rotation ist für angehende Oberärzte verpflichtend."