UNESCO-Schutz für Wiener Cafés

Maximilian Platzer
Foto: KURIER/Gruber Franz Maximilian Platzer vom Klub der Wiener Kaffeesieder beantragte das immaterielle Kulturerbe

Bis dato stehen 48 Kaffeehäuser fest, die zum immateriellen Weltkulturerbe zählen werden.

Das Hawelka steht auf der Liste. Genau wie das Landtmann, das Hummel, das Prückel und das Sperl. Mit dem kleinen Kultur-Café Max in Hernals hätte dagegen wohl nicht jeder gerechnet – wenn es darum geht, das Wiener Kaffeehaus als immaterielles Kulturerbe der UNESCO zu repräsentieren.

2011 wurde dem Klub der Wiener Kaffeesieder die UNESCO-Urkunde verliehen. Obmann Maximilian Platzer – seines Zeichens Besitzer des Café Weimar – hatte die begehrte Auszeichnung beantragt. Seither eruierte ein Expertengremium, welche Betriebe das UNESCO-Siegel tragen dürfen. 48 Kaffeehäuser, denen diese Ehre zuteil werden soll, stehen bereits fest (siehe Bericht unten). Darunter finden sich auch weniger prominente Namen.

Im Herzen der Wiener war es sowieso schon immer so. Jetzt hat auch die Unesco vorerst 48 Kaffeehäuser in die Weltkulturerbe-Liste aufgenommen. Eine kleine Auswahl der Cafés. Im Bild: Café Rüdigerhof Café Central - es wird derzeit renoviert Café Schwarzenberg Café Bräunerhof Café Hummel Café Ritter Café Prückel Café Hawelka Café Weimar Café Kaiserpavillon Schönbrunn Café Landtmann Café Westend Café Sperl Café Museum Café Ministerium Café Markusplatz Café Frauenhuber  Café Konditorei Lintner Café Florianihof Café Jelinek Café Konditorei Gerstner in der Kärntner Straße Café Weidinger Café Diglas in der Wollzeile

Wie zum Beispiel besagtes Kultur-Café Max. „Aber auch das ist Kaffeehaus“, sagt Platzer, der wie andere Vertreter des Kaffeesieder-Klubs zu jenem Gremium gehört, das die Betriebe unter die Lupe nimmt. „Man kann ein Kaffeehaus nicht mit Sternen oder Ähnlichem bewerten. Ein Kaffeehaus lebt vom Mikrokosmos seines Umfelds – das ist es, was mit ,immateriellem Kulturerbe‘ gemeint ist: die authentische Atmosphäre ist wichtig – und nicht, ob die Sitzbänke ein bissl abgewetzt sind.“

Herr Ober & Co.

Zu dieser Atmosphäre gehört eine Reihe von Kriterien: Angefangen vom Mobiliar, zu dem Marmortische, Thonetsessel, gepolsterte Bänke, Logen und die traditionellen Kleiderständer gehören sollten. Bis hin zur Art der Konsumation: „Das Wasserglas zum Kaffee, der auf einem Tablett serviert wird, ist ebenso typisch für das Wiener Kaffeehaus wie Mehlspeisen, die österreichische Zubereitung der Kaffeespezialitäten, ein Frühstücksangebot, das Ei im Glas oder die Verweildauer mit bedingter Konsumationspflicht“, erklärt Platzer.

Ebenfalls wichtig: Der Zeitungstisch mit Lesestoff in Zeitungshaltern. Und nicht zu vergessen: der Ober im Smoking.

Freilich gibt es keinen Betrieb, der sämtliche Anforderungen erfüllt, sagt Platzer. „Aber 80 Prozent reichen auch.“ Außerdem stellt er klar, dass es nicht bei diesen 48 Kaffeehäusern bleiben wird. „Das ist nur einmal der erste Schwung. Insgesamt dürften es an die 120 Betriebe werden – maximal.“

Mit Denkmalschutz hat die UNESCO-Auszeichnung übrigens nichts zu tun. Sie erschwert weder Sanierungen noch Umbauten. Das dezente Siegel, das frühestens ab September ausgewählte Betriebe kennzeichnen soll, ist lediglich ein Qualitätsbeweis. „Es geht hier um Kultur und nicht um das Physische“, erläutert die Generalsekretärin der österreichischen UNESCO-Kommission, Gabriele Eschig.

Die Kaffeesieder erhoffen sich vom Kulturerbe-Status, „dass die Wertschätzung der Wiener für das Kaffeehaus wieder steigt.“ Bei den Touristen genießt es diese bereits: 84 Prozent der Wien-Besucher gehen ins Kaffeehaus.

Klassiker und Überraschungen

Hier die ersten 48 Cafés, In den kommenden Wochen werden noch weitere nominiert

Das sind die ersten 48 Cafés, die laut Experten das immaterielle Kulturerbe „Wiener Kaffeehaus“ repräsentieren – und deren Betreiber sich mit dem UNESCO-Schutz bereits einverstanden erklärt haben. Weitere Betriebe werden noch nominiert.

Café am Heumarkt

Café Bräunerhof

Café Central

Café Diglas (Wollzeile)

C. Diglas II (Fleischmarkt)

Café Engländer

Café Florianihof

Café Frauenhuber

Café Hawelka

Café Hegelhof

Café Hofburg

Café Hummel

Café Imperial

Café Jelinek

Café Kaiserpavillon

Café Korb

Café Landtmann

Café Lusthaus

Café Maria Treu

Café Markusplatz

Café Meierei im Volksgarten

Café Ministerium

Café Mozart

Café Museum

Café Prückel

Café Raimann

Café Rathaus

Café Residenz

Café Ritter (1060)

Café Ritter (1160)

Café Rüdigerhof

Café Sacher

Café Schwarzenberg

Café Sperl

Café Sperlhof

Café Tirolerhof

Café Weidinger

Café Weimar

Café Weingartner

Café Westend

Café Wortner

Café-Conditorei Sluka

Café-Konditorei Gerstner

Café-Konditorei Lintner

Café-Konditorei Schwarz

Kultur-Café Max

K.u.K. Hofzuckerbäckerei, L. Heiner

Landtmann’s Jausenstation – Meierei Schönbrunn

(kurier) Erstellt am
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