Der U-Bahnsteig mit Waggon für Übungen.

© KURIER/Gilbert Novy

Ausbildungszentrum
09/27/2015

U-Bahn-Station in Feuerwehrschule

Wiener Berufsfeuerwehr revolutioniert die Schulung mit einer modernen Übungsanlage.

von Wilhelm Theuretsbacher

Wenn ein U-Bahn-Passagier unter den Zug gerät, darf er künftig auf noch schnellere und professionellere Hilfe der Feuerwehr hoffen. Denn im neuen Feuerwehrausbildungszentrum in Wien-Floridsdorf wurde sogar ein U-Bahn-Bahnsteig nachgebaut, um die Feuerwehrmänner auf derartige Einsätze vorzubereiten.

Bei 104 Stationen, 80 Kilometer Liniennetz und 1,2 Millionen Passagieren täglich ist auch die Feuerwehr regelmäßig in den U-Bahnschächten.

Es sind auch für die Helfer gefährliche Einsätze. Denn bevor sie zu einem Verunfallten am Geleise vordringen können, muss zuerst fachkundig der Strom abschaltet werden. Bisher war die Feuerwehr darauf angewiesen, für derartige Übungen einen Termin bei den Wiener Linien in deren Werkstätte zu bekommen. Künftig gehen sie einfach in das neue Ausbildungszentrum in Wien-Floridsdorf, das am Samstag eröffnet wurde. Dort befindet sich auch ein nachgebauter U-Bahnsteig samt Geleise, Stromschienen und dem unterhalb befindlichen Schutzraum, durch den man zu Verletzten vordringen kann.

19.500 Quadratmeter

Im 19.500 Quadratmeter großen und 17 Millionen Euro teuren Ausbildungszentrum gibt es darüber hinaus eine Hochbau-Übungsanlage, Haus- und Anlagentechnik-Schauraum, Schadstoffübungsbox, eine Übungshalle für das Retten von Personen aus Pkw, eine Schlosstechnikwerkstätte, ein Trümmerhaus und einen Straßenabschnitt mit Rohrbrücke.

Die Wiener Berufsfeuerwehr revolutioniert mit dieser Anlage ihr gesamtes Ausbildungssystem. Die Schulung bei der Organisation ist intensiver als bei den freiwilligen Kollegen in den Bundesländern. Erst nach 100 Ausbildungstagen darf sich ein Bewerber einfacher "Feuerwehrmann" nennen. Dann geht es erst los mit den Fachausbildungen. Zum "Oberfeuerwehrmann/-frau" dauert es sechs Jahre. Und dann folgt die Ausbildung zum Gruppenkommandanten.

Während aber in den Bundesländern für die Freiwilligen moderne Landesfeuerwehrschulen stehen, musste die Wiener Berufsfeuerwehr ihre Ausbildung bis dato an einigen der insgesamt 24 Feuerwachen improvisieren. Das bedeutet, dass die Ausbildung quasi aus dem Einsatzbetrieb heraus geführt wurde. Und bei den bis zu 36.000 Einsätzen im Jahr führte das zu Schwierigkeiten.

Bisher lebte die Ausbildung auch vielfach von schauspielerischen Qualitäten der Vortragenden und der Vorstellungsgabe der Auszubildenden: "Stell dir vor, es brennt!" Jetzt brennt es wirklich – und zwar im Brandhaus, wo die Schüler mit schwerem Atemschutz Aufgaben lösen müssen.

Im neuen Ausbildungszentrum können bis zu 100 Auszubildende pro Tag betreut werden. Weiters gibt es 140 Plätze für weiterführende Kurse und 1600 Plätze für Brandhausfortbildungen im Jahr. In der Schule wird es nicht mehr passieren, dass – so wie bisher auf den Hauptfeuerwachen – ein Auszubildender plötzlich zu einem Einsatz davonlaufen muss.

Taktische Reserve

Wohl dient aber die Schule als taktische Einsatzreserve für "Großereignisse". Gemeint sind damit Sturmkatastrophen oder Hochwässer. Dann wird auch die Wiener Feuerwehrschule mit vollem Personal in den Einsatz gehen.

Denn Einsätze, wie etwa der Hofburgbrand im Jahr 1992 können sogar die 1850 Mann starke Wiener Berufsfeuerwehr an die Kapazitätsgrenze führen.

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