Dr. Taskiran trat mit der Liste "Gemeinsam für Wien" zur Wahl an.

© KURIER/Franz Gruber

Chronik | Wien
07/22/2016

Türkischer Arzt fordert Ausnahmezustand für Österreich

Auf Facebook gibt sich Parteigründer Turgay Taskiran bewusst provokativ. Er wolle "zum Nachdenken anregen".

Mit einem bewusst provokativen Facebook-Posting erregt Ex-UETD-Präsident und Parteigründer Turgay Taskiran Aufmerksamkeit. Der türkischstämmige Arzt aus Simmering, der im Wiener Gemeinderatswahlkampf 2015 mit einer eigenen Migranten-Liste angetreten war, fordert darin wegen der Türkendemos in Wien „einen Ausnahmezustand über Österreich zu verhängen“.

Um eine „lückenlose Integration türkischstämmiger Personen zu gewährleisten“, sollten etwa all jene, „die in den letzten 10 Generationen irgendwelche türkischen Vorfahren haben“, durch eine rote Armbinde mit weißem Halbmond und weißem Stern gekennzeichnet werden.

Weiters solle eine Vorrichtung mit Spracherkennung diesen Personen jedes Mal einen Stromschlag versetzen, wenn sie „Allahu Ekber“ (Gott ist groß) rufen.

Ein weiterer Vorschlag: Türken sollten drei Mal täglich mit Schweinefleisch gefüttert werden und zwei Mal täglich alkoholische Getränke zu sich nehmen.

„Gegen Stigmatisierung“

Der KURIER erreichte Taskiran im Urlaub in der Türkei. Mit seinem Posting wolle er zum Nachdenken anregen, erklärt der Mediziner. Werde infolge der Demos in Österreich zurzeit doch „auf türkische Migranten eingedroschen“ – „das ist inakzeptabel. Es kann nicht sein, dass eine ganze Bevölkerungsgruppe stigmatisiert und zum Verlassen des Landes aufgefordert wird, nur weil friedlich gegen einen Putschversuch und ein paar Wochen davor gegen den Terroranschlag am Istanbuler Flughafen demonstriert wurde.“

Dass ein paar Teilnehmer eben nicht nur friedlich demonstrierten, sondern unter anderem ein Schanigarten eines kurdischen Restaurants in der Mariahilfer Straße verwüstet wurde, verurteilt Taskiran „aufs Schärfste“. „Es waren einige Wenige, die sich da nicht an die Gesetze gehalten haben. Die sollen dafür vor Gericht gestellt werden.“

Sein Posting sei natürlich ironisch gemeint. Eine ernster formulierte Erklärung folgte wenig später.

Bei der Ärztekammer hat man prinzipiell nichts gegen politisches Engagement von Ärzten – dieses müsse aber den Standesregeln der Branche entsprechen, so Wiens Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres. Das aktuelle Posting findet er „schlichtweg deppert. So etwas ist entbehrlich.“