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Chronik Wien
02/08/2021

Trotz geplanter Rettung der Stadt Wien: Café Ritter Ottakring ist pleite

Was das für die Beteiligung der „Stolz auf Wien“-GmbH bedeutet.

von Julia Schrenk

Das Café Ritter ist ein Renner.

Eigentlich.

Am 13. Dezember 2016 hat Martina Postl das abgewirtschaftete Kaffeehaus in der Ottakringer Straße neu eröffnet. Damals lag der monatliche Brutto-Umsatz bei 280 Euro.

Verantwortlich dafür waren zwei Kartenspielerrunden, die Montag und Donnerstag für dieses bisschen Umsatz sorgten.

Seitdem Martina Postl das Café übernommen hat, entwickelte es sich zu einer echten Institution. Alle Speisen sind hausgemacht, die Zutaten sind bio und saisonal; es gibt Lesungen, Diskussionen und Musikdarbietungen.

In der Nachbarschaft ist es äußerst beliebt – und es gilt als kinderfreundlich.

Doch Corona hat es in die Bredouille gebracht. Das Café Ritter ist pleite, mit Verbindlichkeiten in der Höhe von 940.000 Euro, wie der Kreditschutzverband mitteilte.

Rund 22 Gläubiger und 13 Dienstnehmer sind betroffen. Nun wurde ein Sanierungsverfahren gestartet. Sieben von zwölf Monaten geschlossen zu halten, das sei einfach zu viel gewesen.

Doch keine Rettung

Besonders brisant ist diese Pleite aber nicht, weil das Café Ritter ein bei den Wienerinnen und Wienern so besonders beliebtes Lokal ist, sondern weil sich die Stadt zuletzt auf die Fahnen heftete, das beliebte Vorstadt-Café zu retten.

Und zwar über die „Stolz auf Wien“-Beteiligungs GmbH.

Im Frühjahr 2020 wurde diese GmbH als Tochterunternehmen von Wien Holding und Wiener Wirtschaftskammer gegründet. Ziel ist es, finanziell gesunden Unternehmen, die vor der Corona-Krise wirtschaftlich gut dagestanden sind, mit einer Beteiligung – also einem Zuschuss von Eigenkapital – unter die Arme zu greifen.

So eine Beteiligung ist auf maximal 20 Prozent und maximal sieben Jahre beschränkt.

Alle Unternehmen, die einen Antrag stellen, werden eingehend von Wirtschaftsprüfern untersucht, der sogenannte Investitionsbeirat der „Stolz auf Wien“-Beteiligungs GmbH entscheidet dann, ob ein Unternehmen „beteiligungswürdig“ ist – oder nicht. Schließlich geht es hier um Steuergeld.

Auch beim Café Ritter hat der Investitionsbeirat eine Empfehlung für eine Beteiligung ausgesprochen. Darüber, dass das Unternehmen nun saniert werden muss, gab man sich am Montag zerknirscht.

Allerdings: „Die Beteiligung ist noch nicht abgeschlossen“, sagt Philipp Walter, einer der beiden Geschäftsführer der „Stolz auf Wien“-GmbH.

Soll heißen: Es ist noch kein Geld geflossen und es wird wohl auch so schnell keines fließen. Ob der finanzielle Zuschuss nach der Sanierung noch möglich ist, steht noch nicht fest.

Das Projekt
Im April 2020  von Wien Holding und Wirtschaftskammer gegründet, gilt die GmbH als Herzensprojekt von Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (SPÖ)

Die Unternehmen
Die GmbH hat sich bisher an acht Firmen beteiligt. Am bekanntesten sind der Edel-Italiener Martinelli und das Luxus-Restaurant Vestibül  
 

Doch noch Hoffnung

Martina Postl gibt sich jedenfalls zuversichtlich. Nach kalkulierten Verlusten in den ersten drei Jahren (2017, 2018 und 2019) fuhr sie 2020 erstmals einen Gewinn ein. 55 Prozent davon schon im Jänner und Februar. Ein großer Teil der Schulden sei auch bereits beglichen.

„Ich bin also absolut guter Dinge. Wir werden wieder aufsperren und wir werden gestürmt werden“, sagt die Chefin.

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