Chronik | Wien
02.07.2017

Treffpunkt Wien: Old Fashioned nicht nur für Patrioten

Für ihre Termine in Wien wählt Autorin und Köchin Eva Rossmann dieser Tage gerne das "Le Mar".

Am Anfang steht ein Politiker, der ans Kreuz genagelt wird, am Ende ein Heiratsantrag. Das sind die Eckpunkte von Eva Rossmanns neuestem Roman "Patrioten", der diesmal kein Krimi ist und Mitte August erscheinen wird.

Die finale Version ist fertig, die ersten Leseexemplare schon gedruckt. Nun gilt es noch die Details mit den PR-Agenten des Verlags zu besprechen. Und dafür hat Eva Rossmann jenes Lokal gewählt, das zwar erst sei einem Monat offen hat, aber dennoch bereits ein neuer Lieblingsplatz für Termine geworden ist: Das "Le Mar" in der Eschenbachstraße. Das neue Lokal von Lemar Nouri.

Nouri ist 2004 mit seiner Mutter und seinen Geschwistern von Afghanistan nach Österreich gekommen und hat hier eine neue Heimat gefunden. Nach der Schule absolvierte er eine Lehre im Hotel Kärntnerhof und fand in Direktor Wolfgang Krenn einen Mentor.

Nun wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit. Mit seinem "Le Mar" möchte Nouri nun die Zeit der Goldenen 30er in die Gegenwart holen – mit schwarzen und roten Ledercouches und Lustern, mit Jazzmusik und Longdrinks. Und so begrüßt uns der Lokalchef an dem Tag stilecht mit weißem Hemd, Hosenträgern und Al-Capone-Hut. Kulinarisch gibt es internationale Schmankerln, wie Burger und kalte Gurkesuppe, ebenso wie ein typisch österreichisches Rindsgulasch.

Die Kulinarik hat es auch Rossmann angetan. Sie ist nicht nur Kochbuchautorin. Seit sie für ihren Krimi "Ausgekocht" zu Recherchezwecken in Manfreds Buchingers Gasthaus "Zur alten Schule" mitgekocht hat, hilft sie immer wieder hier aus.

Wie es zur der Kochleidenschaft gekommen ist? "Das kam schon mit 13, 14 Jahren", erzählt Rossmann. "Mein Vater konnte das sowieso nicht, der ist über Eierspeise nie hinaus gekommen. Und meine Mutter war extrem gestresst, wenn wir selten aber doch Gäste bekommen haben. Also habe ich das gemacht. Und die Leute haben das eigentlich ganz süß gefunden, wenn eine 13-, 14-Jährige das Essen gschupft hat. Da haben sie es mir auch verziehen, wenn ich ihnen aus Versehen mal ein Kotelett auf die Anzugshose gepatzt habe."

Über Angst und Hetze

An diesem heißen Junitag darf es weder Kotelett noch Burger, sondern zunächst nur ein Getränk sein. Während Rossmann auf ihre Terminpartner wartet, plaudert sie über ihre Arbeit. "Bei mir steht immer das Thema im Vordergrund. Beim Recherchieren kommen dann oft die ersten Ideen für die Handlung. Diesmal geht’s um Nationalismus, Verhetzung, Angst vor Menschen, die anders sind. Erzählt wird die Geschichte von verschiedenen Personen. Da gibt es die Frau Klein, eine Frau über 80, die gerade wieder so richtig munter wird. Die Sina, eine Frau, die aus Syrien geflohen ist und deren Mann plötzlich verschwindet. David einen netten, jungen Typ, der nicht so genau weiß, was er will und jetzt einmal ein Praktikum macht. Und ES – eine Figur, die nur im Internet auftaucht und hetzt. "

Nicht unbedingt Hetze, aber Kritik und Häme hat Rossmann vor 20 Jahren jede Menge einstecken müssen, als sie sie sich beim ersten Frauenvolksbegehren engagierte. "So wie du bist, ist ja klar, du hast keinen Mann dawischt, und jetzt muss du dich so abreagieren", waren noch die harmlosesten Sprüche, mit denen die konfrontiert wurde. "Aber da kann man ja nur lachen – und weitermachen. Oder dem Mann erwidern: ,Oida, dich hätt ich sicher nicht genommen."

Derzeit steht das zweite Frauenvolksbegehren in den Startlöchern. Ist es traurig, dass es wieder eines geben muss? "Ich find’s super, dass die das machen", meint Rossmann. "Es gibt ja so viele, die dauernd sudern, weil die jungen Frauen weder politisch, noch feministisch sein würden – aber wie man sieht, ist das gar nicht wahr!"

Wie es bei den Autoren mit dem Thema Gleichberechtigung aussieht? "Meine Theorie ist ja: Krimis werden noch immer nicht so ganz ernst genommen, deshalb dürfen da Frauen munter mitmischen. Aber wenn es um die ,große Literatur’ geht, stellt man schon fest dass die meisten Preise von Männern gewonnen werden." Davon lässt sich Rossmann nicht abhalten, das zu tun, wofür sei brennt. Und jeder Frau, die sich fragt, ob sie sich das überhaupt trauen soll, empfiehlt Rossmann: "Ja, tu es!"

Dann trinkt Rossmann aus und entschuldigt sich. Die Damen vom Verlag sind da.