Chronik | Wien
05.06.2017

Treffpunkt Wien: Richtige (Jahres-)Zeit für Pastrami

Derzeit spielt Drew Sarich die Hauptrolle in „Vivaldi – die fünfte Jahreszeit“. Stärkung holt er sich im „Pastrami, Baby“.

Wer in Wien Musicals besucht, kommt an diesem Künstler nicht vorbei. Drew Sarich war hier in den vergangenen Jahren Berger in „Hair“, Graf von Krolock in „Tanz der Vampire“, Rudolf in „Affäre Mayerling“, Ché in „Evita“ und sowohl Jesus als auch Judas in „Jesus Christ Superstar“. Am Samstag feierte der 37-Jährige Premiere in der Wiener Volksoper. Als Titelfigur in der BaRock-Oper „Vivaldi – die fünfte Jahreszeit“. Ein Stück, das der Frage von Vivaldis Vermächtnis nachgeht.

Der KURIER hat den Musicaldarsteller wenige Tage vor der Premiere im Lokal „Pastrami, Baby“ in der Lerchenfelder Straße getroffen.

Vivaldi“, erzählt Drew Sarich, nachdem er Platz genommen hat, „war berühmt dafür, wie präzise er gespielt hat. Aber sein Leben, das war ein Tumult. Wie so viele Künstler konnte er Gefühle nicht so zulassen. Wie bei Willie Nelsons LiedYou are always on my mind, in dem es heißt: Ich bin verschlossen, ich kann nur und ab und zu aus meinem Kästchen rausschauen, aber du, du warst immer mit mir da drin.“ „Vivaldi“, erzählt er weiter, „hat dann nur für Jubel und Anerkennung gearbeitet. Aber am Ende saß er da und hat sich gefragt: ,Und was für ein Mensch bin ich eigentlich?’ Das ist faszinierend – und gruselig, auch für den, der es spielt.“

Der KURIER hat den Musicaldarsteller wenige Tage vor der Premiere im Lokal „Pastrami, Baby“ in der Lerchenfelder Straße getroffen. „ Vivaldi“, erzählt Drew Sarich, nachdem er Platz genommen hat, „war berühmt dafür, wie präzise er gespielt hat. Aber sein Leben, das war ein Tumult. Wie so viele Künstler konnte er Gefühle nicht so zulassen. Wie bei Willie Nelsons You are always on my mind, wo es heißt: Ich bin verschlossen, ich kann nur und ab und zu aus meinem Kästchen rausschauen, aber du, du warst immer mit mir da drin.“ „Vivaldi“, erzählt er weiter, „hat dann nur für Jubel und Anerkennung gearbeitet. Aber am Ende saß er da und hat sich gefragt: ,Und was für ein Mensch bin ich eigentlich?’ Das ist faszinierend – und gruselig, auch für den, der es spielt.“

Während Drew Sarich so erzählt, wartet er auf die Leibspeise seiner Kindheit: Pastrami-Sandwich. „In Amerika wirst du damit quasi erzogen“, sagt der Künstler, der in St. Louis geboren wurde, danach in New York lebte und vor knapp zwei Jahrzehnten für Musicalengagements zuerst nach Berlin und dann nach Wien kam, wo er heute lebt. „Ich hab’ hier eigentlich nur deshalb zu kochen angefangen, weil es viele Gerichte nicht gab – oder nicht so gab, wie ich sie gekannt habe. Wenn ich jetzt nach New York zurückfliege, schreibe ich tagelang Listen, wo ich essen gehen muss“, sagt er und lacht. Zumindest ein bisschen New Yorker Street-Food-Feeling gibt seit Kurzem für ihn auch in Wien.

Von Berlin nach Wien

Als die Wiener Gastronomen Konstantin Kerschbaum und Werner Novak beim Pastrami-Spezialisten Paul Mogg in Berlin ein Sandwich probierten, war ihnen sofort klar, dass sie die Speise in Wien bekannter machen wollten. Vor einem halben Jahr wurde das hippe Lokal mit den hohen Hockern, den Ziegelsäulen und den großen Gemüsegläsern über der Theke dann eröffnet. Es ist das erste Restaurant in Wien, das sich rein auf die Sandwiches mit dem dünn geschnittenen, gepökelten Rindfleisch spezialisiert hat. Ein paar andere Speisen gibt’s aber auch. Zum Beispiel Beef Tartare mit Avocado und Granatapfel, ein Veggie-Sandwich mit Melanzani, Baby-Spinat und Erdäpfeln oder Chocolate Fudge Brownies mit Erdnüssen.

Drew Sarich hat sich an diesem Tag für ein Reuben-Sandwich entschieden, den Klassiker mit Weißkraut und geschmolzenem Käse, dazu Coleslaw. Den bekommt er von Geschäftsführerin Barbara Fegerl nun serviert. Sein Fazit lautet, wie üblich: „Einfach geil.“

Hochleistungssportler

Die Stärkung ist aber auch notwendig.

Drei Stunden Proben – sprich: Singen, Tanzen, Spielen – hat Sarich an diesem Tag schon hinter sich. Ab 17 Uhr gibt es noch einmal drei. „Wir Musicaldarsteller sind ja eigentlich Hochleistungssportler.“

Dass man in einem Leben aber nur so viel erreichen kann, das wurde ihm in den jüngsten Tagen bewusst. „Ich bin lange nicht nur bis an meine Grenzen gegangen, sondern darüber. Aber die Wahrheit ist, ich bin keine Maschine“, schrieb er am Dienstag auf seiner Facebook-Seite. Schweren Herzens legte er deshalb sein Engagement beim Musicalsommer Amstetten zurück, wo „Hair“ gezeigt wird und er Berger hätte spielen sollen.

Das Kürzertreten ist notwendig, damit er das nicht ganz aufgeben muss, wofür er so sehr brennt: Theater. „Und es ist doch unglaublich faszinierend. Das sitzen tausend wildfremde Menschen, die nichts gemein haben, außer, dass sie in dieselbe Richtung schauen. Sie sind still, sitzen im Dunkeln und bekommen eine Geschichte erzählt. Und dann erleben diese Menschen eine gemeinsame Emotion. Das ist doch Magie – und das ist besser als Sex und Schokolade.“

Pastrami, Baby & Vivaldi

Die Speisen

Pastrami-Sandwiches! Z.B. Reuben-Sandwich mit Kräuterrahmsauce, Weißkraut, Käse, Roggenbrot (9,60€ klein, 13,90€ groß). Auch: Veggiesandwich (7,90€), Tagessuppe (4,20€) oder Beef Tartare (9,60€).

Das Lokal

Kleines gemütliches Gassenlokal. Montag bis Samstag, jeweils von 11 bis 22 Uhr geöffnet.

Food Truck

Das Lokal verfügt auch über einen Food Truck. Das nächste Mal ist er beim Fesch’markt (9.-11. Juni) anzutreffen.

Vivaldi – Die fünfte Jahreszeit

Vivaldi – Die fünfte Jahreszeit“ erzählt vom aufregenden, skandalträchtigen und dramatischen Leben eines Superstars: des Geigenvirtuosen, Komponisten und „roten Priesters“ Antonio Vivaldi. Drew Sarich übernimmt die Hauptrolle des Komponisten. Weitere Infos unter www.volksoper.at.