Als sie noch in Wien lebte, arbeitete Anna F. im Goldegg oft stundenlang an Texten

© Kurier/Juerg Christandl

Chronik Wien
02/24/2019

Treffpunkt Wien: Aus der Wüste ins Nachtleben

Singer-Songwriterin Anna F. im Goldegg über ihre neue Band Friedberg und was sie an Wien vermisst

von Anna-Maria Bauer, Jürg Christandl

Inspiration hat sie sich zuletzt in Kalifornien geholt, Wohnungen hat sie in Berlin und London und ihre neue Band hat sie auch in der englischen Hauptstadt gefunden.

Nach Wien verschlägt es die österreichische Sängerin Anna F., vierfache Amadeus-Gewinnerin, jedenfalls nicht mehr so oft. Aber wenn  – etwa um  ihre neue Single  zu promoten  – kehrt sie  regelmäßig in jenem Lokal ein, das sie soeben betreten hat: das Café Goldegg in der Argentinierstraße in Wien-Wieden. Ein Kaffeehaus mit klassischer Holzvertäfelung, Billardtischen und exotisch-buntem Hinterzimmer inklusive roten Samtvorhängen und Leopardenpölstern.

„Das vermisse ich im Ausland ja am meisten“, sagt die 33-Jährige und nimmt einen Schluck Kaffee. Also nicht nur dieses Lokal im Speziellen, auch  die Kaffeehauskultur im Allgemeinen. „In London und Berlin ist alles so eng, da wirst du gleich wieder rausgeschmissen. Hier kann ich drei Stunden bei einem Kaffee sitzen, das finde ich cool.“ Auch deshalb, weil hier die ideale Mischung aus Geschäftigkeit und Ruhe vorherrsche, um Texte zu schreiben.

Das Österreichische

„Ach ja, und die Sprache.“  Die fehle ihr im Ausland auch sehr. „Wenn ich irgendwo österreichisch höre, bekomme ich immer gleich ein heimeliges Gefühl.“

Wieso sie  dann auf Englisch singt? „Das frage ich mich auch manchmal.“ Sie  denkt kurz nach. „Aber das habe ich schon bei meinen ersten Liedern mit elf so gemacht. Zum Singen finde ich die Sprache besser.“

Singen, das macht sie seit Kurzem in neuer Konstellation. Mit drei Musikerinnen aus London hat sie die Band „Friedberg“ gegründet. Ihre Debüt-Single „Boom“ ist soeben erschienen. Ein Lied mit rohem Klang, gitarrengetrieben, verzerrtem Mikro.

Geschrieben hat es Anna F. nicht im Goldegg, auch in keinem anderen Kaffeehaus, sondern in der kalifornischen Wüste, in Joshua Tree.   In den Ort hatte sie sich  während eines Arte-Doku-Drehs  über die „Beat Poets“ (Sparte der US-amerikanischen Literatur, u.a. Jack Kerouac, Allen Ginsberg)  verliebt. Alleine, nur mit Instrumenten, war sie zurückgekehrt, hatte sich ein Apartment gemietet. „Ich reise generell gerne. Mir wird an einem Ort schnell  langweilig.“

Wenn Dinge einfach passieren

Die neuen Bandmitglieder hat sie in London übrigens zufällig gefunden. Das war im Laufe ihrer Karriere oft so. Ein Gitarrenlehrer, der sie pusht, ein anderer Gitarrenlehrer, der sie Musikern vorstellte, mit denen sie ihre erste Band gründen sollte. Natürlich musste sie auch viel geben, Ängste überwinden. Aber danach kam auch viel auf sie zu. Und auch die erste Probe mit der neuen Band war so harmonisch, wie es bei vier noch fremden Musikerinnen eigentlich kaum möglich ist.

Auf die Tour, die sie im Frühling mit der Band plant und das kleine Album, das im Juni rauskommen soll, freut sie sich jedenfalls sehr, sagt sie und nimmt einen Schluck Wasser.

Ein reines Frauenteam, das sind auch die Chefinnen des Goldegg. Vor elf Jahren hat Jutta Scheuch mit ihrer Freundin Astrid Krispin das Kaffeehaus übernommen. Die damalige Besitzerin musste es abgeben und Jutta Scheuch, Gründerin des Bekleidungsgeschäfts „Männersache“ sowie langjährige Stammgästin, konnte die Vorstellung nicht ertragen, dass  das Café in die falschen Hände geraten  könnte – und  übernahm es einfach selbst. Sie sitzt gerade zwei Tische weiter über die Buchhaltung gebeugt.

Anna F. nimmt noch einen Schluck Wasser. Die Nacht war kurz. Die Bandkolleginnen  sind mit nach Wien gekommen und abends zuvor hatte Anna F. sie ein bisschen ins Wiener Nachtleben eingeführt. Oder auch ein bisschen intensiver.

Dabei musste sie aber doch auch erkennen, dass es Dinge gibt, die in London oder Berlin vielleicht besser sind. Ausgehen am Montagabend zum Beispiel.

Infos zu Lokal und Künstlerin

Friedberg

Anna F. meldet sich mit neuer Band zurück. Mit den drei Musikerinnen Emily Linden, Laura Williams und Cheryl Pinero gründete sie  in London „Friedberg“. Die erste Single ist bereits am Markt. „Boom“ hat Anna F. im amerikanischen Joshua Tree geschrieben. Infos gibt es hier.

Café Goldegg

Die Speisen Große Frühstückskarte. Etwa „Morgenmuffel“ mit Eierspeise, Speck, Bratwürstel und Pommes (13,90 €). Hauptspeisen wie Gulasch (9,90 €) oder Burger (11,90 €).

Die Getränke Fokus  –natürlich – auf Kaffee! Melange (3,20€). Alkoholisches wie Aperol Prosecco (4,90€).

Das Lokal Nichtraucherlokal.Geöffnet: Mo-Fr 8 bis 20h Uhr, Sa 9 bis 20 Uhr, So 9 bis 19 Uhr.

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