Chronik | Wien
20.08.2017

Treffpunkt Wien: Herr Hörtnagl sucht das Glück

Ö3-Moderator Benny Hörtnagl denkt gern über das Leben nach. Darüber hat er ein Buch geschrieben.

Seit er 15 war, wollte sich Ö3-Moderator Benny Hörtnagl ein Tattoo stechen lassen. Getraut hat er sich mit 30 – ein Coldplay-Herz am Oberarm. Wieso es so lange gedauert hat? Weil er auf der Suche nach dem ultimativen Motiv war, nach dem schönsten, dem besten. Bis er sich eingestehen musste, dass es das wohl gar nicht gab.

Diese Erkenntnis nahm er sich für sein ganzes Leben zu Herzen. Denn der Perfektionismus hatte ihn oft von Dingen abgehalten. Damit sollte Schluss ein. Am wichtigsten ist es doch, Dinge einfach zu tun.

Von Überlegungen wie diesen – zu Perfektionismus, Unsicherheit oder dem Social-Media-Druck– handelt sein erstes Buch "Rock it! Das Leben gehört dir", das im Seifert-Verlag erschienen ist.

Bilderbuch-Philosophie

Eingeflossen sind auch Gespräche mit Musikgrößen. Wie jenes mit Bilderbuch-Sänger Maurice Ernst. Es war spätnachts am Frequency vor einem Jahr als der Sänger den einprägsamen Satz sprach: "Das ist eigentlich schon schlimm. Du machst dein Handy auf und irgendwer hat’s immer besser als du – und wenn es nur das Müsli ist, das jemand gerade frühstückt." Irgendwie schräg, dass uns doch alle die gleichen Zweifel plagen.

Als Benny Hörtnagl das erzählt, ist es weder spätnachts, noch Frühstückszeit, sondern früher Abend. Der Tiroler hat sich in seinem Wiener Stammlokal eingefunden, dem Kolin in der Kolingasse 5.

Vor gut drei Jahren hat Sabrina Royer-Vdovitchenko hier ihren Traum vom eigenen Lokal verwirklicht. Als Tochter zweier Gastronomen (die unter anderem das Wiener P1 führten) ist sie zwischen Schank, Spritzwein und Speisekarte groß geworden. Nachdem sie ihre erste Berufswahl – ein Bürojob – nicht erfüllte, machte sie sich auf die Suche nach einem Lokal und wurde im ehemaligen Café Votivpark fündig. Nach zehnmonatiger Umbauphase erinnert heute wenig an das alte Kaffeehaus: Die Wände sind in dezentem Fliederton gehalten, dazu gibt es passende Polstermöbel und eleganten Lampen, gemusterte Tapeten im Separee und viel dunkles Holz im Barbereich.

Mit ihrem Bruder als Küchenchef verköstigt Sabrina Royer-Vdovitchenko die Gäste mit Prosciuttotascherln, Eischwammerlsalat, oder Pulled Lachs Burger.

Annonce mit Folgen

Meist gibt es für Benny Hörtnagl nur einen Kaffee und ein Glas Rotwein. Diesmal hat er sich auch für das Lachscarpaccio entschieden.

Während er darauf wartet, erzählt er wie er eigentlich zum Radio gekommen ist: Schuld war eine Zeitungsannonce für den ersten Tiroler Radioworkshop. Die richtete sich zwar an Erwachsene und Benny Hörtnagl war damals 14 Jahre alt, aber da im Inserat keine Altersbeschränkung angegeben war, durfte er doch mitmachen.

Und wie es der Zufall es so wollte, wurden ein Jahr später Privatradios zugelassen. Also bewarb sich Hörtnagl bei allen Sendern, dessen Adresse er finden konnte. Wenig später begann sein Praktikum bei Welle 1 in Innsbruck. Es dauerte nicht lange, bis ein Moderator ausfiel, für den kein Ersatz zu finden war, und so fand sich der 15-jährige Benny Hörtnagl an einem Samstagnachmittag 1998 on Air wieder – und möchte seitdem nicht mehr von seinem Lieblingsmedium weg.

Ein weiteres Beispiel dafür, dass es – wie beim Tattoo – am wichtigsten ist, Dinge einfach zu tun. Das Coldplay-Herz ist mittlerweile übrigens nicht mehr sein einziges. Und es sollen weitere folgen.