Chronik | Wien
04.02.2018

Treffpunkt Wien: Geht ein Therapeut zum Philosophen

Im Kino ist Erwin Steinhauer als Paarberater zu sehen. Privat entspannt er sich gern im Café Schopenhauer.

Als Ensemblemitglied des Theaters in der Josefstadt bekommt man in den Kammerspielen eigentlich leicht eine Karte. Gehören doch die Kammerspiele zur Josefstadt. Doch als 2015 Daniel Glattauers Erfolgsstück "Die Wunderübung" uraufgeführt wurde, war der Andrang so groß, dass auch Erwin Steinhauer keine einzige Vorstellung sehen konnte.

Heute kennt er das Stück dennoch in- und auswendig. Denn der Künstler spielt in der Verfilmungen des Drei-Personen-Stücks mit, das seit dieser Woche in den Kinos läuft. Als leicht zerstreuter Therapeut versucht er, dem unglücklichen Ehepaar Valentin ( Devid Striesow) und Joana Dorek (gespielt von Aglaia Szyszkowitz, die die Rolle auch in den Kammerspielen gespielt hatte) aus der Krise zu helfen und greift dabei mitunter zu ungewöhnlichen Übungen.

Ob er persönlich etwas mit Therapie anfangen kann? "In meiner Jugend war Therapie ja ein bisschen anrüchig", sagt Steinhauer, der es sich in einem rot karierten Ohrensessel in der Bibliothek des Café Schopenhauer bequem gemacht hat. "Einen Therapeuten brauchte nur, wer einen Vogel hatte. Aber mittlerweile haben sie absolut ihre Berechtigung. Vor allem Männer tun sich ja oft schwer, zu reden, Probleme auf den Tisch zu legen."

Erwin Steinhauer nimmt einen Schluck Rooibustee und lässt den Blick durchs Kaffeehaus schweifen.

Schopenhauer ist eigentlich ein passender Lokalname für Steinhauers Stammlokal. Denn bevor er sich 1974 dazu entschied, seiner Leidenschaft, dem Kabarett, nachzugehen und die Kabarettgruppe Keif zu gründen, hatte er Germanistik und Geschichte studiert. Die Anlehnung an den deutschen Philosophen sei aber nicht der Grund, warum er das Lokal schon als Jugendlicher regelmäßig aufsuchte.

Absacker im "Schopi"

"Wir sind früher nicht in die Diskothek gegangen, sondern zum Heurigen. Weil Reden wichtiger war als Tanzen. Auch, weil man beim Tanzen nicht so gut trinken kann." Erwin Steinhauer grinst. "Und wenn wir um zwölf oder eins dann rausgeschmissen wurden, sind wir meist auf einen Absacker ins ,Schopi’."

Um ein Getränk kam man dabei nicht herum: einen Jägermeister. "Ein Jägermeister", erläutert Steinhauer, "war ein Stamperl mit Zwetschkenschnaps. Darauf kam eine Zitronenscheibe und auf die wiederum ein Esslöffel gemahlener, starker Kaffee sowie ein Eierlöffel Staubzucker." Allzu viel konnte man davon aber nicht trinken. "Einige meinten auch, dass sie nach drei Schnäpsen wieder nüchtern waren, weil der Kaffee seine Wirkung getan hat." Der Schalk blitzt aus Steinhauers Augen, als er das erzählt.

Diese Variante des Jägermeisters gibt es im Lokal heute nicht mehr. Auch nicht den gleichnamigen Kräuterlikör. Dafür finden sich jede Menge Tee- und Kaffeevarianten auf der Karte, ebenso wie überbackene Brote, Teigtaschen oder hausgemachte Mohnnudeln.

Auf der ersten Seite der Speisekarte wird man zudem über Events informiert – etwa den Jazz-Brunch (jeden ersten Sonntag im Monat) oder den Wienerlied-Nachmittag (jeden zweiten Sonntag im Monat). Außerdem findet am 10. Februar eine 50er-Jahre-Tanzparty statt und am 15. Februar ein philosophischer Stammtisch. Dabei ist Betreiber Martin Berger mit der Eventplanung erst am Anfang.

Vor gut einem Jahr ist Berger im Internet über das Inserat gestolpert, dass das Kaffeehaus zum Verkauf stehe. Spontan schlug er zu. "Und wenn ich etwas mache, dann richtig", meint der Neo-Gastronom, der 15 Jahre Erfahrung in der Immobilienbranche hat und 15 Jahre im Radio- und Fernsehgeschäft.

Apropos Fernsehen. Das führt Erwin Steinhauer demnächst vor die Küste Istriens. Für eine TV-Dokumentation wird er Brioni erkunden. Eine Insel in der Adria, die im 19. Jahrhundert von einem Österreicher bewohnbar gemacht wurde und heute eine Wellnessoase ist.

Vielleicht hilft dem einen oder anderen Paar ja ein Urlaub auf der Insel aus der Krise. Und wenn nicht, dann inspiriert "Die Wunderübung" vielleicht zur Paartherapie.