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Chronik Wien
11/03/2020

Trauergottesdienst im Stephansdom: Fünf Kerzen für die Toten

Dienstagabend um 18 Uhr fanden sich Vertreter der Religionsgemeinschaften, Politiker und Bürger zum ökumenischen Gottesdienst ein.

von Julia Schrenk

Vielleicht war es nie stiller auf dem Stephansplatz als an diesem Dienstagabend. 

Links und rechts von Dom standen Polizisten. Einer nach dem anderen, die Waffe gezogen. Sie standen vom Dom bis zur Aida. Sie standen auf der anderen Seite vom Dom bis zum Beginn der Rotenturmstraße. Sie standen in der U-Bahn-Station und nach den Aufgängen der U-Bahn-Stationen.

Am Dienstag um 18 Uhr fand im Wiener Stephansdom ein ökumenischer Trauergottesdienst statt. Vertreter der Religionsgemeinschaften waren gekommen, zu dieser "Gedenkfeier, zu dieser "Bittfeier", wie Kardinal Christoph Schönborn sagte. "Wir erbitten Frieden in unserem Land, in unseren Herzen." 

Die fünf Vertreter der Religionsgemeinschaften (Kardinal Christoph Schönborn für die katholische Erzdiözese Wien, Michael Chalupka, Bischof der Evangelischen Kirche A.B., Claudia Prutscher, Vizepräsidentin der Israeltischen Kultusgemeinde, Arsenios Kardamakis, Metropolit der griechisch-orthodoxen Kirche in Österreich und Ümit Vural, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Wien) lasen eine Stelle aus ihren Heiligen Schriften und zündeten jeweils eine Kerze für die Toten von Montagnacht an.

In der Mitte des Doms, vor einem Gesteck aus weißen Blumen, saß die Staatsspitze: Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Bundeskanzler Sebastian Kurz, Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka.

Gekommen waren auch Vertreter der Bundesregierung: Vizekanzler Werner Kogler, Justizministerin Alma Zadic, Verkehrsministerin Leonore Gewessler, Umweltministerin, Elisabeth Köstinger, Integrationsministerin Susanne Raab, Arbeitsministerin Christine Aschbacher, Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck, Bildungsminister Minister Heinz Faßmann, Finanzminister Gernot Blümel, Außenminister Alexander Schallenberg, sowie Kultur-Staatssekretärin Andrea Mayer.

Auch Bürgermeister Michael Ludwig war anwesend. 

Nicht ganz eine Stunde dauerte der Gottesdienst, besonders eingehende Worte fand Ümit Vural, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft. Er hat ein Gebet gesprochen:

Oh, Allah, unser Schöpfer. Du bist der Allerbarmer, der Barmherzige, hilf uns in diesen schwierigen Stunden, in dieser schweren Zeit. Hilf den Menschen, die leiden, die deine Hilfe jetzt benötigen. Schütze uns, unsere Familien, unsere Freunde, unser Land und die Menschheit vor Terror. Schenke uns die Geduld des Propheten Josef, schenke uns die Barmherzigkeit des Propheten Hiob. Möge Trauer zu Hoffnung werden. Möge Rache zu Barmherzigkeit werden. Oh Allah, mache diese Welt zu einem Ort des sicheren Friedens.

Vural beendete sein Gebet mit einem "Amen".

Etwa 50 Menschen waren gekommen, um dem Gottesdienst beizuwohnen. Junge Menschen, ältere Menschen, manche knieten in den Bänken vor dem Zaun zum Gebet - nur bis dahin durften Besucher eintreten. Andere hörten nur zu, manche weinten.

"Wien Polizei Danke" steht auf der Maske eines junges Mannes. "Mehr Message geht sich nicht drauf aus", sagt er.

Das Großaufgebot an Einsatzkräften, das vor der Stephanskirche positioniert war, habe eine ältere Frau fast davon abgehalten, in die Kirche zu gehen, erzählt sie. "Aber es war mir so ein Bedürfnis, heute herzukommen, Man geht ins Bermudadreieck und wird erschossen? Das ist unglaublich", sagt sie.

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