Trainer unter Missbrauchsverdacht: Ermittlungen gegen den Volleyballverein

Der Volleyball-Trainer soll sieben Mädchen missbraucht haben (Symbolbild)
Der Präsident des Vereins wehrt sich – man sei nach Anzeige nicht informiert worden.

Am kommenden Mittwoch muss sich jener 61-jährige Volleyballtrainer im Landesgericht Wien verantworten, der sieben Mädchen missbraucht haben soll. Doch auch der Verein – es handelt sich um den Verein Volleyball Niederösterreich Sokol/Post SV – ist in dieser Causa im Visier der Justiz. Es wird geprüft, ob die Aufsichtspflicht und die Verpflichtung zur Gefahrenabwehr verletzt worden ist. Damit wäre der Verein auch haftbar.

"Nachdem der Fall bekannt geworden ist, haben auch wir uns gefragt, wie das möglich ist und warum man nicht früher draufgekommen ist", sagt Präsident Peter Kutschera. Als der Mann im Sommer 2015 angezeigt wurde – beim Beachvolleyball Grand Slam in Klagenfurt beobachteten Spielerinnen, wie er ein Mädchen unsittlich berührt haben soll – sei man von der Polizei nicht informiert worden.

Hausverbot an Schule

Allerdings soll der Mann schon im Jahr 2013 Hausverbot in einem Wiener Gymnasium bekommen haben, nachdem entsprechende Vorwürfe laut wurden. "Da hätte sofort reagiert werden müssen, da gibt es kein Pardon in dieser Geschichte", sagt Peter Kleinmann, ehemaliger Präsident des österreichischen Volleyball-Verbands. Es habe genug Hinweise gegeben, die darauf hingedeutet hätten, "dass mit diesem Trainer was nicht stimmt. Dass da im Verein nie jemandem was aufgefallen ist, kann nicht sein. Das kann der Verein der Pepi Tant’ erzählen."

"Ich habe im Mai 2017 zum ersten Mal davon gehört, genauso wie der Vorstand", sagt Kutschera, der nur wenige Monate zuvor das Amt übernommen hatte. Die Übergriffe sollen zum Teil auch 15 Jahre zurückgehen.

Seither sei viel geschehen. In der betroffenen Altersstufe werden nur noch Frauen als Trainer eingesetzt. Und Kutschera arbeite nur noch mit Trainern zusammen, "deren Arbeit ich verstehe und kenne." Der Vertrag mit einem der Trainer sei nicht verlängert worden – es habe zwischenmenschliche Probleme gegeben. "Daraufhin habe ich von ihm eine Anzeige wegen übler Nachrede bekommen", schildert er. "Da bin ich als Vereinspräsident in einer Zwickmühle. Will ich aktiv werden, werde ich verklagt. Wo kann ich dann eine rote Linie ziehen?"

Den Prozess will sich Kutschera selbst anschauen. "Und wenn die Vorwürfe stimmen, wird der Mann hoffentlich hart bestraft. Damit dieser Fall eine abschreckende Wirkung hat."

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