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Chronik Wien
12/13/2018

Tourismuszonen: Keine Freude mit der Sonntagsöffnung

Am Graben in der Wiener City beäugt man den neuerlichen Polit-Vorstoß skeptisch

von Julia Schrenk, Simone Hoepke

Donnerstagvormittag wuzeln sich die Menschenknäuel über die Rolltreppen in der U-Bahn-Station am Wiener Stephansplatz. Ihr Ziel: Kärntner Straße. Und Graben. Samstags sind es noch einmal mehr Menschen. Soll also künftig auch am Sonntag aufgesperrt werden dürfen?

Die Debatte um die sogenannten Tourimuszonen wird erneut befeuert. Diesmal bringen Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck und Gernot Blümel (in seiner Funktion als Wiener ÖVP-Landesparteiobmann) das Thema aufs Tapet. Dort, wo sich viele Touristen in der Stadt aufhalten, sollen die Geschäfte auch sonntags geöffnet sein dürfen. Also in der Wiener City, rund um Schönbrunn und auf der Mariahilfer Straße: „Gerade Wien ist in der Weihnachtszeit voll von Touristen, denen es verwehrt ist, hier Geld auszugeben“, ärgert sich Blümel.

Aber wollen die Touristen das überhaupt, shoppen am Sonntag? Stefan aus Deutschland jedenfalls nicht. Jedes Jahr kommt er ein paar Tage nach Wien, geht ins Theater und in die Oper. Donnerstagvormittag gönnte er sich in der Buchhandlung Frick zwei Wälzer. „Ich muss hier nicht am Sonntag einkaufen“, sagt Stefan. An Wien schätze er, dass noch nicht „alle so am Rad drehen“, wie in Berlin, sondern dass es hier noch ein bisschen gemütlicher zugehe. Stefan fragt sich auch, „ob das alles überhaupt noch gesund ist für alle“.

Kein Familienleben

Gleich nebenan, in der Drogerie Nägele & Strubell, geht die Tür im Sekundentakt auf und zu, das Weihnachtsgeschäft läuft. Filialleiterin Sanja Vidakovic glaubt nicht, dass eine Sonntagsöffnung mehr Umsatz bringen würde. Der würde sich „nur auf die übrigen Tage verteilen. Die Touristen erkundigen sich ja vorher, wann wir geöffnet haben“, sagt sie. Vor allem, sagt die Chefin, gehe es aber um die Familie. „Wir arbeiten ja unter der Woche auch bis 19 Uhr, das heißt, man ist erst gegen 20 Uhr zu Hause. Da kann man dann eh nur noch das Kind niederlegen“, sagt Vidakovic.

 

In der Schreibwarenhandlung Weidler gibt sich Michael Karl Pircher skeptisch, wenngleich er mit der Öffnung am Sonntag „wie mit dem Amen im Gebet“ rechnet, und zwar nächstes Jahr, denn da fällt der 8. Dezember, also der einzige Feiertag im Jahr, an dem die Geschäfte geöffnet haben dürfen, auf einen Sonntag: „Aufsperren ist das Wenigste. Aber 100 Prozent Aufschlag und einen zusätzlichen freien Tag kann sich kaum ein Betrieb leisten.“ Schon jetzt sei der 8. Dezember nicht "der Wahnsinns-Einkaufstag. Die Wiener Kunden wollen an so einem Tag gar nicht mehr in die Stadt", sagt Pircher. Außerdem würde die Sonntagsöffnung vor allem Frauen treffen, die im Handel arbeiten.

 

Das sieht auch Margareta Steffl so, die Donnerstag über den Graben spazierte. Sie ist gegen die Tourismuszonen. „Die Handelsangestellten verdienen jetzt schon schlecht. Die Freiheit des einen beginnt dort, wo die Freiheit des anderen endet“, sagt sie.

Landeshauptleute bestimmen, wie lange Läden offen bleiben 

Was das Ladenöffnungsgesetz betrifft, kann man sich Österreich wie einen Fleckerlteppich vorstellen. Grundsätzlich dürfen Geschäfte maximal  72 Stunden die Woche offen halten, der Sonntag ist heilig – der Laden bleibt zu. Außer der Landeshauptmann entscheidet anders – mit Hilfe von Tourismuszonen. Wo diese sind und welche Geschäfte wann öffnen dürfen, entscheiden die Länderchefs.

800 zusätzliche Jobs

Besonders großzügig sind die Ausnahmen rund um die Kärntner Badeseen und in den westlichen Skiregionen. Nur Wien pfeift bisher auf Tourismuszonen – sehr zum Ärger der  Österreichischen Hoteliersvereinigung. Sie rechnet in regelmäßigen Abständen vor, dass offene Geschäfte in der Stadt die Wirtschaft beflügeln würden. Von  140 Millionen Euro Mehrumsatz und 800 zusätzlichen Arbeitsplätzen ist die Rede. Freilich sind es nicht die Hoteliers, die die Mitarbeiterkosten in den geöffneten Geschäften zahlen müssten.   

Auch Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes, wäre für Tourismuszonen in Wien, „damit insbesondere kleine Händler die Möglichkeit haben, ihr Geschäft offen zu halten und von Touristenströmen zu profitieren“, sagt er. Kleine Händler argumentieren dagegen gern, dass sich nur  große Ketten die hohen Mitarbeiterkosten und Sonntagszuschläge leisten können und damit überproportional von einer solchen Regelung profitieren würden.
Währenddessen kämpft Shoppingcenter-Betreiber Richard Lugner um ein paar offene  Sonntage im Jahr, hält aber nichts von einer Tourismuszone. Schlicht, weil sein Einkaufszentrum wohl nicht in eine solche fallen würde

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