Chronik | Wien
10.09.2017

Tourismus: Das Geschäft mit den privaten Betten

Allein über Airbnb kamen 2016 500.000 Urlauber nach Österreich. Städte und Länder reagieren darauf.

Digitale Plattformen, die Privatzimmer vermitteln, boomen. Allein über den Anbieter Airbnb sind vergangenes Jahr laut Angaben des Unternehmens eine halbe Million Touristen nach Österreich gekommen. Auch wenn das nur einen Bruchteil aller Urlauber ausmacht (41,5 Millionen Ankünfte gab es insgesamt): Die Behörden können diese Entwicklung nicht mehr ignorieren. Wie berichtet, macht die Stadt Wien Plattformen wie Homeaway, Wimdu und 9flats mit einer neuen Ortstaxen-Verordnung Druck, die Daten der Vermieter auszuhändigen. Das kann aber nur der erste Schritt sein, fordern Wirtschaftskammer Wien wie Hoteliervereinigung.

Von privat für privat?

Aber von vorne: Grundsätzlich ermöglichen Plattformen à la Airbnb Privatpersonen das Vermieten eines Zimmers bzw. einer Wohnung. Und solche Unterkunftgeber gibt es unter den aktuell rund 7000 Angeboten in Wien ja auch. Etwa die 28-jährige Lisa, die dem KURIER erzählt, das sie durchschnittlich einmal im Monat Touristen in ihrem Gästezimmer beherbergt, weil sie es spannend findet, Menschen aus anderen Kulturen kennenzulernen. Oder den 35-jährigen Christoph, der viel unterwegs ist und durch Airbnb eine Möglichkeit gefunden hat, seine Eigentumswohnung unkompliziert und lukrativ zu vermieten. Einen "normalen Mieter" möchte er nicht, weil er hin und wieder die Wohnung benötigt. "Außerdem kommt auf diesem Weg mehr Geld rein", meint er.

Gastgeber wie Lisa oder Christoph sind nicht das Problem von Wirtschaftskammer oder Hoteliervereinigung. Auch nicht die Gewerblichen, also Boutiquehotels oder Hotelketten, die ihre Zimmer oder Schlafsäle auf den Plattformen anbieten. Auch Klemens Himpele von der MA 23 (Wirtschaft, Arbeit und Statistik) geht davon aus, dass sie sich diese Hoteliers an die Gesetze halten.

Wohnungen nur für Touristen

Problematisch seien jene Unternehmer, die das System ausnützen. Personen ohne Gewerbeschein, die Wohnungen kaufen, um sie touristisch zu nützen. Die wie Hoteliers agieren, aber keine Auflagen erfüllen (Feuerschutz, Hygiene, etc.), und möglicherweise keine Steuern zahlen, weil sie in den Weiten des WorldWideWeb von Steuerfahndern (noch) nicht gefunden wurden. Wie viele das genau sind, ist schwer zu sagen.

In der Stadt Salzburg werden laut Baurechtsamtsleiter Alexander Würfl aber bereits Wohnungen extra für eine rein touristische Nutzung errichtet. Die Stadt reagiert nun, denn der Druck am Wohnungsmarkt war schon vor dem Aufkommen der Online-Plattformen groß. Zum einen wird an einem Nächtigungsabgabengesetz gearbeitet (das analog zum Wiener Modell Ortstaxen- und Kurtaxenabführung kontrollieren soll). Gleichzeitig tritt mit Jahreswechsel ein neues Raumordnungsgesetz in Kraft. Wer eine Zweitwohnung für touristische Zwecke nutzen will, darf dies ab 1. Jänner 2018 nur tun, wenn es weniger als drei Einheiten in dem Haus gibt. Außerdem braucht er eine Bestätigung der Behörden. Auch in Innsbruck wird laut Hotelierobmann Mario Gerber an neuen Konzepten gearbeitet.

Von Airbnb heißt es: "Wir sind ein digitaler Marktplatz, der Menschen vernetzt." Jeder Nutzer müsse aber selbst darauf achten, die Gesetze einzuhalten. Man unterstütze Nutzer aber natürlich. Gastgeber bekommen jährlich eine Aufschlüsselung aller Einkünfte mit dem Hinweis, sie zu versteuern. Mit 310 Städten weltweit gebe es Abkommen, die Ortstaxe einzuheben und an die Städte weiterzuleiten, um deren administrativen Aufwand zu reduzieren.

Vereinbarungen und neue Gesetze werden weiter zunehmen. Denn die Sharing Economy ist definitiv gekommen, um zu bleiben.

Daten und Fakten

Plattformen in Österreich

Aktuell gibt es 16 internationale Online-Plattformen,

die sich auf Privatzimmervermittlung konzentrieren und hierzulande Unterkünfte anbieten.

Zahlen zu Airbnb

Im vergangenen Jahr sind allein über den Anbieter Airbnb 500.000 Gäste nach Österreich gekommen. 400.000 Östereicher haben wiederum Airbnb selbst im Urlaub genutzt.