Chronik | Wien
21.11.2017

Toter Rekrut: Video zeigt - Sturmgewehr repetiert bei Aufprall

Nach dem Tod eines 20-jährigen Wachsoldaten sorgt ein Prüfbericht für neuen Gesprächsstoff. Dieser zeigt, dass sich das Sturmgewehr beim Runterfallen aus einem Meter Höhe selbst lädt.

Die genauen Umstände nach dem Tod von Ismail M. bleiben weiterhin ein Rätsel. Der Verdächtige Ali Ü. (22) soll seit Anfang Oktober an einer dissoziativen Amnesie leiden und sich nicht genau an den besagten Abend erinnern können. Er wollte laut eigenen Angaben seinen Kameraden in einem Wachcontainer in der ehemaligen Erzherzog-Albrecht-Kaserne aufwecken, wo ein Schuss aus seinem StG 77 abgefeuert wurde. Seitdem wird gerätselt, wie es dazu gekommen sein könnte. War es wirklich ein Unfall oder doch Mord?

9 von 10 Versuchen positiv

Die Versuchsanstalt für Materialprüfung, Sicherheits- und Waffentechnik in Ferlach kontrollierte jetzt das StG 77 und ließ die Waffe dabei zehn Mal auf den Boden fallen, um zu sehen, ob sich diese selbst laden kann. Und das Ergebnis könnte für eine Wende sorgen. Denn: "Beim Fall auf den Kunststoffboden des Schusskanals der EUREGIO HTBLVA Ferlach aus einer Höhe von einem Meter repetierte das verwendete Waffensystem Steyr AUG in neun von zehn Fällen, wobei die im zehnten Fall aufgetretene Ladehemmung durch die vorangegangenen Fallversuche munitionsbedingt eintrat", heißt es in diesem Bericht. Der Test auf einen Betonboden brachte dasselbe Ergebnis.

Um einen Schuss letztendlich abgeben zu können, muss die Waffe jedoch entsichert und dann der Abzug betätigt werden. Die Prüfung des Sturmgewehres wurde von Manfred Arbacher-Stöger (Kanzlei Rifaat), dem Verteidiger des Verdächtigen, in Auftrag gegeben. Laut dem Juristen hätte ein Zeuge ausgesagt, dass Ali Ü. die Waffe davor hinuntergefallen sei. Die Entsicherung der Waffe könnte beim "Herumspielen der Sicherung" passiert sein.