Chronik | Wien
04.11.2017

Tierschützer machen Druck auf die neue Regierung

Große Erwartungen an Türkis-Blau haben "Vier Pfoten", Verein gegen Tierfabriken, pro-tier sowie die Wiener Tierschutzombudsstelle. Sie fordern unter anderem mehr Schutz für Hunde- und Katzenwelpen.

Das unter der bisherigen Bundesregierung in Kraft getretene neue Tierschutzgesetz stieß schon bisher nicht auf ungeteilte Zustimmung. Große Organisationen wie die „Vier Pfoten“, der „Verein gegen Tierfabriken“ (VgT), der Verband pro-tier oder die Wiener Tierschutzombudsstelle sehen seit Monaten akuten Nachbesserungsbedarf.

Nun werden die Karten aber gänzlich neu gemischt – weiß man seitens der Tierschutz-Lobby doch nicht, wie ÖVP und FPÖ zu den strittigen Punkten stehen werden. Darum wurde ein gemeinsamer Forderungskatalog an die neue Regierung formuliert.

So bleiben die Tierschützer unter anderem dabei, dass der Verkauf von Hunden und Katzen im Zoofachhandel verboten werden sollte. „Völlig isoliert von der Außenwelt hinter einer Glasscheibe; bestrahlt mit grellem, künstlichen Licht; keine Frischluft, geschweige denn eine Bezugsperson oder Gassigehen: So sieht der Alltag vieler Hunde- und Katzenwelpen aus, die bereits im zarten Alter von wenigen Wochen in Zoofachhandlungen verkauft werden dürfen“, heißt es in einer gemeinsamen Aussendung.

Im SPÖ-geführten Gesundheitsministerium wollte man das Verbot bis dato über ein Hintertürchen in der Binnenmarktverordnung erreichen. Aufgrund personellen Ressourcenmangels sei seit Monaten aber nichts passiert, erklärt ein Insider.

Und ob eine türkis-blaue Regierung in diesem Punkt aktiv wird, ist fraglich. Gegenüber den Vier Pfoten hatte sich die ÖVP vor der Wahl gegen ein Verbot ausgesprochen, die FPÖ war dafür.

Tierschutz-Partei FPÖ?

Aber nicht nur in diesem Punkt stehen ÖVP und FPÖ auf unterschiedlichen Standpunkten. Die von den Tierschützern einmal mehr geforderte Kennzeichnungspflicht für Kleidungsstücke, die Pelz beinhalten, wurde von den Freiheitlichen vor der Wahl begrüßt. Seitens der ÖVP war für Vier Pfoten „keine eindeutige Position“ erkennbar. Ebenso verhielt es sich bei der Forderung, die Verstümmelung von Tieren in der Massentierhaltung zu beenden – als Beispiel wurde die Ferkelkastration ohne Betäubung genannt. Für den VgT stellt sich nun allerdings die Frage, „wie vehement sich die FPÖ bei einer Regierungsbeteiligung über Wirtschafts- und Landwirtschaftsinteressen hinweg für Tiere einsetzen würde“.

Weitere Forderungen der großen Tierschutz-Organisationen sind: Die Vermeidung von „billigem Fleisch aus Tierqual“ in Schulen, Spitälern, Kindergärten und Mensen. Eine einheitliche Verbotspraxis bei der Heranzüchtung von Hunden, die den pervertierten Schönheitsvorstellungen ihrer Besitzer entsprechen sollen. Und auch ein Einfuhrverbot für Jagdtrophäen, wenn es sich um geschützte Wildtiere handelt.

Laut der Wiens Tierschutzombudsfrau Eva-Maria Persy muss vor allem der Einsatz öffentlicher Gelder mehr im Sinne der Tiere erfolgen. Großes Potenzial liege im Einkauf für öffentliche Einrichtungen. Gerade in Wien sei es bereits gelungen, den Einsatz von tierfreundlich erzeugten Lebensmitteln laufend zu steigern.