Ein letzter Abschied im Tierkrematorium
Eine halbe Stunde bleibt Zeit, sich zu verabschieden. Durch ein Fenster können Besitzer ein letztes Mal den Sarg mit ihrem verstorbenen Haustier sehen, bevor die Einäscherung beginnt. Danach gehen sie mit einer Urne oder einem Ascheschmuck nach Hause.
Das Tierkrematorium Simmering besteht seit mehr als 30 Jahren und hat sich als fixe Anlaufstelle für Tierbestattungen in Wien etabliert. Heute werden dort jährlich rund 3.500 Tiere eingeäschert. Vor zehn Jahren lag die Nachfrage noch um circa 70 Prozent niedriger, sagt Geschäftsführerin Melanie Wachter. Mittlerweile sei sie aber deutlich gestiegen: „Haustiere sind Teil der Familie, da möchte man sich angemessen verabschieden.“
Neue Anlage in Betrieb
Mit der steigenden Nachfrage hat sich laut dem Betrieb ein Kapazitätenmangel ergeben. In den vergangenen Jahren sei es teilweise zu Wartezeiten von zwei bis drei Wochen auf einen Krematoriumstermin gekommen. Viele Tiere mussten deshalb im Kühlraum gelagert werden. Um diese Engpässe zu verkürzen, wurde vergangenen Freitag eine dritte Ofenanlage in Betrieb genommen. Rund eine Million Euro hat die neue Anlage gekostet, die Bauarbeiten dauerten rund ein Jahr.
Durch ein Fenster können Tierbesitzer einen letzten Blick auf den Sarg werfen.
„Wir merken die Vorteile jetzt schon“, sagt Betriebsleiterin Katharina Messinger. Sie arbeitet seit zehn Jahren im Krematorium. Die neue Anlage sei dringend notwendig gewesen, sagt sie: „Die neue Maschine kann mehr und ist einfacher zu bedienen.“ Bei der neuen Anlage funktioniert viel automatisch, bei den alten Öfen ist es immer wieder zu Problemen gekommen. Laut Messinger hat man bei denen immer wieder Faktoren wie Gewicht des Tieres oder Sauerstoffgehalt im Ofen nachjustieren müssen. Außerdem wäre die Anlage am Nachmittag oft überhitzt gewesen. „Große Tiere konnte man dann nicht mehr kremieren.“ Im Krematorium werden nur Haustiere bis zu maximal 90 Kilogramm eingeäschert.
Aber bevor es so weit kommt, melden sich Tierhalter erst telefonisch und vereinbaren einen Termin. Beim Eintreffen wird das Tier von einer Mitarbeiterin entgegengenommen und gewogen, da die Kosten nach Gewichtsklassen berechnet werden. Anschließend werden alle weiteren Wünsche besprochen – etwa Urnen, Ascheschmuck oder ein Pfotenabdruck. Laut Wachter kostet die reine Einäscherung, ohne Urne, rund 230 Euro. Danach folgt der Gang in den Verabschiedungsraum. Die Tierbesitzer können dann entweder warten, sich die Urne zustellen lassen oder im Büro des Krematoriums in der Burggasse abholen.
Durch den Prozess begleiten die Mitarbeiter des Krematoriums. „Es ist wichtig, eine professionelle Distanz zu halten, um gut zu unterstützen“, erklärt Messinger. Trotzdem gebe es oft Momente, die man mit nach Hause nehme. Es helfe aber, daran zu denken, dass „jedes Tier, das zu uns kommt, eine würdevolle Bestattung bekommt“.
In besonders schwierigen Momenten hilft auch der vierbeinige Mitarbeiter Buddy. Der Dalmatiner gehört Messinger und begleitet sie jeden Tag auf die Arbeit. „Er ist für viele eine gute Ablenkung und verbreitet ein bisschen Liebe.“
Katharina Messinger (l.), Hund Buddy und Melanie Wachter führen durch den Tag der Begegnung.
Tag der Begegnung
Um die Abläufe des Krematoriums transparent zu vermitteln, fand bei der Eröffnung der neuen Ofenanlage auch ein Tag der Begegnung statt. Interessierte Haustierbesitzer konnten den Betrieb besuchen. Unter ihnen war auch die 42-jährige Christina. Sie war schon öfter hier, weil sie damals für ein Tierheim gearbeitet hatte. Aber auch privat musste sie Abschied von ihren tierischen Familienmitgliedern nehmen.
Das erste Mal war sie mit ihrer Katze hier, die sie mit 18 bekommen hatte. „Das war ein schwieriger Moment für mich, aber ich habe mich hier sehr gut beraten gefühlt.“ Für sie war es damals wichtig, Abschied nehmen und ihre Katze jetzt in einer Urne zu Hause haben zu können. Auch einen Kettenanhänger mit Pfotenabdruck trägt sie bei sich.
Wachter und Messinger zeigen bei den Führungen das Gebäude und erklären die Abläufe. Das sorge für Transparenz und schaffe Vertrauen zu den Besitzern, sagen sie. „Uns werden Familienmitglieder übergeben, das ist verantwortungsvolle Arbeit, die wir zu schätzen wissen.“
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