Chronik | Wien
05.09.2017

Terrorschutz am Ballhausplatz: "Zumauern ist keine Lösung"

Bei der Neugestaltung der Straßenoberfläche wird auch in Schutz vor Terror investiert.

In sieben Sprachen der Nachbarländer steht "Österreichische Präsidentschaftskanzlei" auf dem Asphalt vor dem Eingangstor. Weltoffen wollte man sein. "Und jetzt machen’s einen Bunker draus", sagt ein Passant.

Auf dem Wiener Ballhausplatz zwischen Bundespräsidentschaftskanzlei und Bundeskanzleramt wird derzeit gebaut. Und zwar zum "Schutz vor terroristischen Anschlägen", sagt Alexander Marakovits, Sprecher des Innenministeriums. Direkt vor dem Kanzleramt und dem Sitz des Präsidenten wird ein sogenannter Anprallschutz errichtet. Etwa 50 Meter lang, einen Meter breit, 80 Zentimenter hoch. Damit das ganze nicht umfällt, sollte wirklich ein Lkw dagegen fahren, muss auch in die Tiefe gebaut werden. Dazu kommen Betonpflöcke, die an den Zufahrten zum Regierungsviertel – an der Schauflergasse, Löwelstraße und Metastasiogasse – errichtet werden, und auch wieder eingefahren werden können.

Wer für die Maßnahme verantwortlich ist, ist allerdings nicht ganz klar: Der Wunsch nach mehr Schutz kam laut Innenministerium aus dem Bundeskanzleramt und der Präsidentschaftskanzlei – und zwar schon 2015 aufgrund der Anschlägen auf das Regierungsgebäude in Oslo 2011. Aus dem Bundeskanzleramt und der Präsidentschaftskanzlei gibt es dafür weder ein Dementi noch eine Bestätigung. "Unseres Wissens geht das aus einer Bedrohungsanalyse des Innenministeriums hervor", sagt Reinhard Pickl-Herk, Sprecher von Bundespräsident Alexander Van der Bellen.

"Traurige Realität"

Manche Passanten sind Montagmittag extra zum Ballhausplatz gekommen, um die Baustelle zu besichtigen, manche Touristen blieben für Fotos stehen. Sie bewerten den Bau zwiespältig: "Es ist okay, dass das gebaut wird", sagt Anna (21) aus Duisburg, die mit Freundinnen Wien besucht. "Aber es ist schade, dass das heutzutage notwendig ist. Eigentlich ist zumauern auch keine Lösung." Schutzmaßnahmen vor Terror kenne sie von zu Hause. "Bei uns werden beim Weihnachtsmarkt riesige Wassertanks zum Schutz vor Terror aufgestellt", erzählt Anna. Vom Ausgehen halte sie das nicht ab: "Die Terroristen wollen ja, dass wir eingeschüchtert werden."

Sabine Müller, die mit ihrem Hund spazieren geht, sagt: "Es war an der Zeit, man muss realistisch sein." Auch Manfred Bitter aus Olpe bei Köln sagt: "Leider leben wir in einer Zeit, wo wir keine andere Möglichkeit haben, als uns zu schützen. Das ist traurige Realität." Nachsatz: " Wien ist ja bisher verschont geblieben."

Das sehen auch Michael Besenfelder und Raffael Korntheurer so: "Jeder wartet ja schon fast darauf, dass es auch einmal in Wien passiert. Besser, man macht vorher was, als man kommt später drauf, das man was hätte tun können." Ernst (58) aus Niederösterreich, sieht das anders: "Ich find’ das einen Wahnsinn. Das ist ja alles übertrieben mit Stahl und Beton und Eisen. Als würde ein Terrorist mitten auf dem Ballhausplatz, wo immer Polizisten stehen, mit einem Lkw wo hineinfahren."

Auch eine ältere Dame ist von den Bauarbeiten etwas irritiert. "Die Großen können sich ja mehr schützen, aber ein gewöhnlicher Mensch wie ich kann sich nicht schützen. Ich kann nur hoffen, dass mir nix passiert", sagt sie. "Und davon gehe ich aus."