Chronik | Wien
26.10.2017

Tauziehen um Begegnungszonen

Ideen für neue verkehrsberuhigte Zonen existieren viele – einige allerdings mehr in der Theorie.

Für die Lange Gasse ist die Entscheidung gefallen. Sie soll im Frühjahr zwischen Josefstädter Straße und Hugo-Bettauer-Platz zur Begegnungszone umgebaut werden. Vorbilder gibt es neben der heiß diskutierten Mariahilfer Straße mittlerweile mehrere: Etwa Herren-, Wehr- und Reschgasse oder die Schleifmühlbrücke.

Die rot-grüne Stadtregierung kommt ihrem Ziel, in jedem der 23 Bezirke einen verkehrsberuhigten Bereich einzurichten, damit zwar näher. Die Realisierung einiger angedachter Begegnungszonen – die Sache der Bezirke ist – liegt derzeit aber auf Eis.

In Hietzing, wo Ideen zu Begegnungszonen in der Altgasse und rund um das Parkhotel in der Hietzinger Hauptstraße existieren, gebe es derzeit andere Prioritäten, sagt Bezirkschefin Silke Kobald ( ÖVP). "Nämlich die Verbindungsbahn." Auch Ottakring und Floridsdorf konzentrieren sich auf andere Projekte. Im ersten Bezirk will man die Umgestaltung des Schwedenplatzes und das Bauverfahren für eine geplante Tiefgarage abwarten, bis über die Begegnungszonen-Kandidaten Rotenturmstraße und Neuer Markt entschieden wird.

Parkzone

In Döbling hingegen ist eine verkehrsberuhigte Probusgasse beschlossene Sache – wenn auch die Motivation dahinter ungewöhnlich ist. Damit Pkw in der schmalen Gasse dicht am Straßenrand abgestellt werden können, sollen Fahrbahn und Gehsteige auf eine Ebene – wie es in Begegnungszonen der Fall ist – gelegt werden. Möglich sei auch eine Wohnstraße, sagt Bezirkschef Adi Tiller ( ÖVP), die Kosten würden letztlich entscheiden.

Fortgeschritten ist die Diskussion um die Otto-Bauer-Gasse in Mariahilf. Im Spätsommer holte der Bezirk in einem Beteiligungsverfahren Bürger-Meinungen zur anstehenden Sanierung des Straßenzugs ein. Am 14. November will Bezirksvorsteher Markus Rumelhart ( SPÖ) in einer Grätzelkonferenz das Ergebnis präsentieren. Geht es nach ihm, soll der obere Bereich der Gasse zur Begegnungszone werden. "Aber wir wollen die Menschen nicht beeinflussen", sagt ein Sprecher. Bis März soll die finale Entscheidung fallen.

Mitte November soll auch klarer sein, wie die Chancen für eine Begegnungszone in der Schleifmühlgasse stehen. Das Stadtratsbüro sei beauftragt, Pläne zur Verkehrsberuhigung auszuarbeiten, sagt Bezirksvorsteher Leopold Plasch ( SPÖ). "Wir wollen uns alle Optionen offen lassen, Bewohner-Wünsche sollen jedenfalls einfließen", sagt er. Noch in diesem Kalenderjahr will er über mögliche Lösungen informieren.

Alexander Spritzendorfer, stv. Bezirksvorsteher (Grüne) in der Josefstadt, treibt inzwischen eine zweite Begegnungszone in seinem Bezirk voran: die Florianigasse. "Wir sind in Verhandlungen. Hoffentlich dauern sie nicht so lange wie bei der Lange Gasse."