© Wilhelm Theuretsbacher

Wien-Liesing
08/31/2013

„Zuhälter als Nachbarn“

Anrainer haben schon 700 Unterschriften gegen Prostitution auf der Brunner Straße gesammelt.

von Katharina Zach

Gegen den Straßenstrich auf der Brunner Straße in Wien-Liesing formiert sich immer stärkerer Widerstand. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis was passieren wird“, malt eine Anrainerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, ein düsteres Szenario. Immerhin habe sie nun osteuropäische Zuhälter als Nachbarn. „Das beeinträchtigt unsere Lebensqualität.“ Sie habe bereits ans Wegziehen gedacht. Problematisch sei aber der Wertverlust der Immobilien wegen des Strichs.

Ähnlich denken viele Anrainer. Georg G. ist daher aktiv geworden und hat bereits mehr als 700 Unterschriften für ein „Aus“ der Rotlicht-Meile gesammelt. „Die Widmung als Industriegebiet ist Augenauswischerei. Es ist eingekesselt von Wohngebieten“, ärgert er sich. Derzeit gehen rund 40 Prostituierte zu wechselnden Zeitpunkten auf der Brunner Straße ihrer Arbeit nach. Mit dem Ende des Straßenstrichs im Prater befürchten die Anwohner einen „Ansturm“ der Sexarbeiterinnen. Sauer stößt ihnen auch auf, dass die Frauen im Herbst deutlich früher zu arbeiten beginnen dürfen. Im Oktober nämlich ab 20 Uhr – statt wie derzeit ab 22 Uhr.

Hinterlassenschaften

Auch das aggressive Werben um Kunden ist vielen ein Dorn im Auge. Kreisende Freier und am Straßenrand winkende Frauen würden gefährliche Situationen und Unfälle provozieren. Zudem würden überall die Hinterlassenschaften zurückbleiben. „Sie finden auf den Supermarkt-Parkplätzen Kondome“, sagt Gabriele Frank. Sie kritisiert, dass erst im vergangenen Jahr viele junge Familien an den Stadtrand gesiedelt seien und nun habe man ihnen den Straßenstrich vor die Nase gesetzt. Man sei einfach überfahren worden, ergänzt Christine B. Sie befürchtet, dass nun auch die Kriminalität steigen wird.

Liesings Bezirksvorsteher Gerald Bischof kennt die Sorgen der Anrainer. Er will sich weiter dafür einsetzen, dass der Strich in der Brunner Straße verboten wird. Das sei möglich, wenn die Belästigung der Anrainer zu groß werde oder es aus sicherheits- oder verkehrspolizeilicher Sicht notwendig erscheine. In der Zwischenzeit würde die MA 48 die Gegend öfter reinigen – freilich finanziert durch Steuergelder.

Unterstützung erhalten die Anrainer auch von der FPÖ. Landtagsabgeordneter Wolfgang Jung will das Thema im Integrationsausschuss behandelt wissen, auch Aktionen sind geplant. Aus dem Büro der Stadträtin Frauenberger heißt es, dass man den Anrainern mit der zeitlichen Beschränkung entgegengekommen sei. Ein totales Verbot der Straßenprostitution werde es nicht geben.

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