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Wien-Liesing
07/19/2013

Prostituierte tanzen auf Straße: Anrainer verteufeln den Strich

Rotlicht-Meile empört die Anrainer. Strich liegt aber legal im Industriegebiet.

von Katharina Zach

Halb nackt tanzen sie am Straßenrand, winken, versuchen Kunden anzulocken. Autofahrer bremsen unvermutet ab, geben Gas – vor Schreck oder aus lauter Neugier. Die Fahrt über die Brunner Straße in Wien-Liesing erfordert am Wochenende höchste Konzentration.

Der dortige Straßenstrich nahe der Grenze zu NÖ bringt die Anrainer der Umgebung aus der Fassung. „Verkehrstechnisch ist es richtiggehend gefährlich. Man hat das Gefühl, die steigen einem vors Auto“, bringt es Christian Gierl-Mayer auf den Punkt. Der zweifache Vater wohnt in einer neuen Reihenhausanlage rund 500 Meter vom Beginn der Rotlicht-Meile entfernt. Dort werden Unterschriften gegen den Straßenstrich gesammelt. „Es ist einfach ein Wahnsinn, dass die ständig auf die Straße hüpfen“, macht sich auch Anrainerin Sabine S. Luft. Zudem seien viele der jungen Frauen fast nackt, eine sogar mal oben ohne gewesen. 35 hätte sie letztens beim Vorbeifahren gezählt.

Neue Erfahrung

Der Straßenstrich in Liesing hat sich erst vor wenigen Monaten etabliert. Für die Bewohner des Grätzels eine völlig neue Erfahrung. Er liegt legal im Industriegebiet. 40 Frauen haben laut Polizei ihren Arbeitsplatz in der Brunner Straße. Laut den Anrainern stehen schon mal über 20 gleichzeitig auf dem knapp ein Kilometer langen Straßenstück. Aufpasser und Zuhälter lungern an den Tankstellen herum. Auf einsamen Straßen der Umgebung und in Firmeneinfahrten geht es im Auto zu Sache.

Nach massiven Protesten dürfen die Frauen nur noch zwischen 22 Uhr und sechs Uhr Früh dem Gewerbe nachgehen. Den Anrainern geht die Regelung nicht weit genug. Vor allem, da die Damen auch in den Bushaltestellen stehen und sich Öffi-Benutzer belästigt fühlen. „Ich bin am Weg von der Haltestelle von drei Autofahrern angesprochen worden, weil sie dachten ich sei eine Prostituierte“, erzählt eine junge Frau. Sie sehen nur eine Lösung: Der Strich muss fort.

Das sieht auch die SPÖ Liesing so. „Das Ziel muss es sein, den Straßenstrich dort wegzubekommen“, heißt es aus der Bezirksvorstehung. Zudem wird befürchtet, dass mit dem Verbot des Straßenstrichs im Prater im September viele Prostituierte auf die Brunner Straße wechseln. Dem Ansinnen erteilt die Stadt-SPÖ aber eine Absage. „Für ein gänzliches Verbot gibt es keine rechtliche Grundlage“, heißt es aus dem Büro von Stadträtin Frauenberger.

Laut Polizei werde regelmäßig kontrolliert. Auf der Straße oder in der Bushaltestelle dürften die Frauen selbstverständlich nicht stehen. Unter der Hand wird allerdings auf ein Problem aufmerksam gemacht: Nämlich, dass es keine Stundenhotels oder Pensionen in der Nähe gebe, in denen die Frauen arbeiten könnten.

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