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Vom Start-Up zum Unternehmen

Viele Gründer scheitern nicht an der Idee, sondern am Wachstum. Ein neues Programm soll diese Lücke schließen.
Ein Radfahrer fährt bei Dunkelheit mit einem Kind im Lastenrad und einem beleuchteten Fahrradanhänger über eine Straße.

Die Geschäftsidee ist da. Das Produkt funktioniert. Die ersten Kunden interessieren sich dafür. Eigentlich müsste das der Moment sein, in dem für junge Unternehmen alles leichter wird. Tatsächlich beginnt für viele Gründer genau dann die schwierigste Phase.

So auch für Stefan Reichlin-Meldegg. Gemeinsam mit Peter Scheuermann und der Technischen Universität Wien entwickelte er „LuMe“: ein 360-Grad-Leuchtsystem für Fahrradfahrer, mit dem Fokus auf die Sicherheit von Kindern, um Unfälle im Straßenverkehr zu vermeiden. Ursprung der Idee war ein fast passierter Unfall von Reichlin-Meldegg mit seiner Tochter. Die Gründung sei zwar geschafft, trotzdem stehe LuMe erst am Anfang. „Man entwickelt ein Produkt und glaubt, das Schwierigste hinter sich zu haben. In Wahrheit fangen viele Fragen erst dann an“, erzählt Stefan Reichlin-Meldegg.

Hilfe beim Wachstum

Denn für neue Unternehmen ist die größte Herausforderung oft nicht die Entwicklung einer Innovation, sondern deren Vermarktung: Kunden finden, Vertrieb aufbauen, Finanzierung sichern. Genau dort soll der „Growth Navigator“ der Wirtschaftsagentur Wien ansetzen. Das neue Programm begleitet Unternehmen in der Phase zwischen erfolgreicher Gründung und nachhaltigem Wachstum. 

„Wir haben jedes Jahr mehr als 10.000 Gründungen, das funktioniert in Wien sehr gut. Aber ein stabiles Unternehmen aufzubauen, das Gewinne macht und wachsen kann, das ist die eigentliche Herausforderung“, sagt Gabriele Tatzberger, Leiterin „Gründen & Start-Ups“ der Wirtschaftsagentur Wien. „Es geht darum, den Marathon zu bewältigen und Etappe für Etappe erfolgreich zu schaffen.“

Der Growth Navigator richtet sich an Unternehmen, die bereits ein marktfähiges Produkt entwickelt haben und Wachstumspotenzial mitbringen. Eine Jury entscheidet über die Aufnahme. Zehn bis fünfzehn Unternehmen werden pro Jahr begleitet.

Statt eines durchgängigen Programms setzt die Wirtschaftsagentur diesmal auf Abschnitte. Die Teilnehmer können zwischen vier Modulen wählen: Product-Market-Fit, Sales & Go-to-Market, Investment & Finanzierung, Operational Excellence & Organisation. „Jedes Unternehmen soll genau das bekommen, was er braucht“, sagt Tatzberger. Dafür soll man sich für jedes einzelne Modul individuell über die Wirtschaftsagentur bewerben können. 

Neben Workshops umfasst das Programm individuelles Coaching sowie den Austausch mit Unternehmern, die ähnliche Herausforderungen bereits gemeistert haben. Finanziert wird das kostenlose Angebot zu 40 Prozent aus EU-Fördermitteln, den Rest trägt die Stadt Wien, da die Wirtschaftsagentur ein Fond der Stadt ist.

Teilweise Unternehmensberater

Für Reichlin-Meldegg kam das Angebot zum richtigen Zeitpunkt. Der Marktstart von LuMe steht diesen Sommer bevor, viele strategische Entscheidungen müssen noch getroffen werden. „Der Growth Navigator unterstützt uns genau bei jenen Themen, bei denen das Wissen im Unternehmen noch fehlt“, sagt Reichlin-Meldegg.

Besonders das erste Modul zum Product-Market-Fit habe wichtige Impulse geliefert. Gemeinsam mit Coaches analysierte das Team Zielgruppen, Marktpotenziale und die eigene Positionierung. „Wir haben auch immer wieder Hausaufgaben bekommen, diese mit unserem Unternehmensstand abgeglichen und die Ergebnisse wieder diskutiert“, sagt Reichlin-Meldegg. 

Laut ihm ersetzt das Programm teilweise einen Unternehmensberater, den sich viele junge Unternehmen nicht leisten können. Daneben sei aber auch der Austausch mit anderen Unternehmen im Programm wichtig, um voneinander zu lernen. LuMe ist bereits für das zweite Modul Sales & Go-to-Market angemeldet und erhofft sie weitere Tipps, um das Start-Up nachhaltig auf den Markt zu bringen.

Ob sich der Growth Navigator auch wirklich für Unternehmen langfristig auszahlt, bleibt noch offen. Die Wirtschaftsagentur will ein halbes Jahr nach dem ersten Durchgang eine quantitative Erhebung machen. Kriterien wie Kundenakquise, Vertrieb oder Finanzierungsmöglichkeiten sollen dabei ausschlaggebend sein. 

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