Vom Leerstand zur Werkstatt: Wie die Grätzelinitiative Ottakring beleben will

mensch stickt mit maschine
Mit geförderten Mieten und Beratung will die Grätzelinitiative Ottakring Kleinbetrieb zurück in den Bezirk holen und Leerstände beleben. Der Stickladen ist seit einem Jahr Teil davon und zieht Bilanz.

Von Franziska Trautmann

Egal ob T-Shirts, Kappen, Socken oder Sackerl – mittlerweile wird allem eine persönliche Note verliehen. Und genau darauf hat sich „Der Stickladen“ in Ottakring spezialisiert. Die beiden Inhaber Pascal Nimführer und Benjamin Hilscher sticken aber nicht mehr wie früher per Hand, sondern haben sich moderne Maschinen zugelegt. Der Stoff wird eingespannt, das designte Motiv ausgewählt und dann surren die Maschinen für ein paar Minuten. 

Dass in der Hasnerstraße 106 gearbeitet wird, war vor einem Jahr aber noch nicht absehbar: Das Erdgeschoßlokal stand leer. Heute ist der Stickladen Teil der Grätzelinitiative Ottakring, ein Pilotprojekt der Stadt Wien und der Wirtschaftsagentur Wien, das Leerstände belebt und kleinen Betrieben wieder Platz im Grätzel gibt. Die Wirtschaftsagentur übernimmt die Hälfte der Miete, um die Unternehmen zu fördern. Auch in zusätzliche Bauarbeiten kann investiert werden.

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Das Kerngebiet für die Ansiedlung neuer Betriebe zieht sich entlang der Ottakringer Straße, Thaliastraße sowie Hasnerstraße und reicht circa von der Ottakringer Brauerei bis zur Maroltingergasse (siehe Grafik oben).

Betreuter Prozess 

Seit fast einem Jahr sind Pascal und Benjamin mit ihrem Stickladen in Ottakring . Seitdem haben sie neben zwei Produktionsräumen auch einen Ausstellungsraum für ihre Produkte. „Wir haben jetzt mehr Kunden,  die uns beim Vorbeigehen sehen und reinkommen. Oft bestellen sie dann auch gleich etwas“, sagt Pascal. 

Denn davor waren sie in einem anderen Bezirk – weniger gut sichtbar und auch zu klein. „Wir haben sehr lange nach etwas Neuem gesucht, aber nichts gefunden“, sagt Pascal. Auf die Grätzelinitiative sind sie  durch Zufall gestoßen: „Ich habe ein Plakat davon am Heimweg gesehen und dachte mir – da ruf ich einmal an.“

zwei menschen vor schild mit logo

Pascal Nimführer (links) und Benjamin Hilscher sind mit ihrem Stickladen seit März 2025 in der Hasnerstraße 106.

Beworben haben sie sich mit einem Konzept, eine Jury hat dann über die Förderung entschieden. „Von der Bewerbung bis zum Einzug hat es ein dreiviertel Jahr gedauert“, sagt Benjamin. Während des Prozesses wurden die beiden von der Wirtschaftsagentur betreut. „Es wurde  immer nachgefragt, ob es uns gut geht und ob wir etwas brauchen.“ 

Laut Benjamin hat die Wirtschaftsagentur nicht nur finanziell, sondern auch organisatorisch viel übernommen. „Sie hat sich mit dem Vermieter in Verbindung gesetzt und alles komplett grundsaniert.“ Die beiden hätten danach nur noch den Innenausbau machen müssen. Von den Renovierungskosten bekam der Vermieter einen Teil zurück, muss sich aber verpflichten, die nächsten zwanzig Jahre zu vermieten. 

Mittlerweile sind schon mehrere Geschäfte in der Hasnerstraße angesiedelt worden. Untereinander verstehen sich die Geschäftsinhaber gut. Kontakt wird nicht nur zu den Nachbarn, sondern auch zur Wirtschaftsagentur gehalten. „Sie kommen immer wieder vorbei und erzählen uns von neuen Projekten“, sagt Pascal.

Mobile Beratung

Laut Wirtschaftsagentur Geschäftsführer Dominic Weiss ist das mobile Beratungsteam direkt vor Ort unterwegs und sucht aktiv den Kontakt zu Unternehmen und Eigentümern. „Wir schauen uns sehr genau an, wo wir mit unseren Ressourcen die größte Wirkung erzielen können.“ Laut ihm ist die Vermietung die größte Herausforderung gewesen. Viele Erdgeschoßgeschäfte stünden zwar leer, aber der Eigentümer habe aus unterschiedlichen Gründen kein Interesse zu vermieten. „Selbst wir waren überrascht, wie viel Überzeugungsarbeit es gebraucht hat, um Leerstände zu sanieren und wieder zu vermieten“, sagt Weiss. Der Aufwand lohne sich jedoch, denn „die Veränderungen sind nachhaltig“. 

Langfristige Lösung

Auch SPÖ-Bezirksvorsteherin Stefanie Lamp sieht das Projekt als wichtigen Impuls für Ottakring. „Die Menschen wünschen sich mehr kleine Geschäfte im Bezirk. Sie wollen dieses persönliche Erlebnis haben“, sagt sie. Mittlerweile sind auch viele junge Menschen in den Bezirk gezogen und möchten ihre Projekte verwirklichen. Die Initiative biete dafür eine langfristige Lösung gegen Leerstand, die Umsetzung sei aber  aufwendig. „Der Umbau leerer Erdgeschoße nimmt viele Ressourcen in Anspruch.“ 

Dass das Modell funktioniert, zeigt auch das Interesse aus anderen Bezirken. Für die Wirtschaftsagentur Wien ist das ein Signal, die Grätzelinitiative weiterzudenken. 

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