438 Anrufe an einem Tag: 88-Jährige wegen Stalkings angeklagt
Betrüger übte insgesamt viereinhalb Stunden Druck auf Frau aus (Symbolbild)
Frau E. telefoniert gerne. Egal ob am Festnetz oder am Handy. An einem Rekordtag griff die 88-jährige Wienerin gar 438-mal zum Telefon. Das weiß man deshalb so genau, weil die betagte Dame am Dienstag im Landesgericht für Strafsachen in Wien wegen Stalkings, gefährlicher Drohung und Nötigung angeklagt ist. Allerdings: Zum Prozess erscheint die ehemalige Sekretärin nicht. Tags zuvor hatte sie ihre Anwältin informiert, dass sie einen Kreislaufkollaps gehabt habe. Seither ist sie nicht mehr erreichbar und hat die Wohnungstür verriegelt.
„Sie ist eine nette, alte Dame, die schwer dement ist“, versucht die Anwältin zu beschwichtigen. Außerdem, so ergänzt sie, leider schwerhörig. Richterin Nicole Baczak reicht das nicht: „Seit einem Jahr wird gestalkt. Das ist nicht zumutbar. Entweder wir lösen das gemeinsam oder ich löse das Problem.“
Drohungen
Seit vergangenem September soll die alte Dame bereits ehemalige Kollegen belästigen. Sie wirft ihnen vor, Schmuck und Sparbücher gestohlen zu haben. Deshalb soll sie sogar damit gedroht haben, das Haus anzuzünden oder Einbrecher zu schicken.
Eine Diversion scheiterte im Vorfeld, weil die 88-Jährige erneut gestalkt haben soll. Insgesamt wurden bereits mehr als 4.000 Kontaktaufnahmen gezählt. „Whatsapp schreiben kann sie nicht mehr. Warum können die Betroffenen nicht einfach ihre Telefonnummer sperren?“, versucht es die Anwältin im Sinne der Mandantin und verweist darauf, dass aktuell auch ein Erwachsenenvertretungs-Verfahren läuft. Darauf lässt sich die Richterin nicht ein. „Das ist eine Täter-Opfer-Umkehr.“
Prozess vertagt auf 4. August. „Jetzt muss sie kommen. Es geht nicht anders“, teilt die Anwältin einem Vertrauten der Seniorin mit.
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