In Sachen Kostendeckungsgrad steht das Amalienbad an letzter Stelle.

© KURIER/Gerhard Deutsch

Wien
09/13/2014

Städtische Hallenbäder als Loch ohne Boden

Kostendeckungsgrad liegt bei nur 18 Prozent. Andere Länder wirtschaften besser, kritisiert die ÖVP.

von Josef Gebhard

Es ist ein Aushängeschild der Wiener Bäderlandschaft: Das Amalienbad in Favoriten mit seiner Art-déco-Ausstattung, das Ende 2012 nach einer Generalsanierung wieder seine Tore öffnete.

Weniger prächtig ist allerdings die wirtschaftliche Situation des Hallenbads: 2013, also bereits nach der Wiedereröffnung, nahm das Bad knapp 790.000 Euro ein. Dem gegenüber stehen 6,9 Mio. Euro an Kosten. Ergibt einen Kostendeckungsgrad von mageren 11,42 Prozent. Das geht aus der Antwort einer Anfrage der ÖVP an den zuständigen Stadtrat Christian Oxonitsch hervor.

Damit liegt das Amalienbad von allen städtischen Hallenbädern an letzter Stelle. Im Schnitt kommen alle fünf zusammen aber auch gerade einmal auf 17,9 Prozent Kostendeckungsgrad. Um den Betrieb aufrecht zu erhalten, muss den Rest die Stadt zuschießen. Für die fünf Hallenbäder waren das 2013 mehr als 15,6 Millionen Euro.

Sparpotenzial

Hier wird unnötig viel Steuergeld ausgegeben, kritisiert ÖVP-Gemeinderätin Isabella Leeb. "Es ist klar, dass man mit öffentlichen Bädern keinen Gewinn machen kann. Ohne Beiträge der Kommunen wird es nicht möglich sein, sie zu konkurrenzfähigen Preisen kostendeckend zu betreiben. Einen derart niedrigen Kostendeckungsgrad gibt es aber nirgendwo in Europa."

Leeb verweist auf die Schweiz: Bei den dortigen Bädern liege er zwischen 30 und 50 Prozent. Höher als in Wien sei er etwa in Zürich, obwohl dort die Tageskarte nur etwas teurer, die Jahreskarte sogar günstiger ist.

Auch die Wiener Bäder könnten locker auf 35 Prozent Kostendeckungsgrad kommen, ist Leeb überzeugt. "Die Stadt braucht dafür aber ein betriebswirtschaftliches Gesamtkonzept." An oberster Stelle müssten Maßnahmen stehen, um mehr Besucher anzulocken. "Etwa durch Aktionen wie eine ,Lange Nacht der Bäder‘ oder verstärkte Zusammenarbeit mit Schulen und Sportvereinen", schlägt Leeb vor. Doch auch die Öffnungszeiten müssten kundenfreundlicher werden. "Nur ein Beispiel: Immer noch sind die Hallenbäder am 1. Mai geschlossen."

Die Kritik, unwirtschaftlich zu arbeiten, will man bei der MA 44 nicht auf sich sitzen lassen: "Das Amalienbad etwa ist quasi ein Museum mit Badebetrieb", sagt Bäderchef Hubert Teubenbacher. Entsprechend hoch seien die Kosten. Zudem versuche man generell laufend die technischen Anlagen zu verbessern, um Kosten zu sparen. "Es ist auch fraglich, ob man die Zahlen aus verschiedenen Ländern einfach miteinander vergleichen kann."

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