Chronik | Wien
26.01.2012

Stadthallenbad: Verantwortliche schweigen

Nach dem Baustopp im größten Bad Wiens will keiner für Mängel und die monatelange Verzögerung verantwortlich sein.

Die Becken undicht, die Isolierungen desolat, die Rohre rostig. Die Causa Stadthallenbad schlägt immer höhere Wellen: ÖVP und FPÖ werden nun einen gemeinderätlichen Sonderausschuss einberufen und Sportstadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ) versichert indes eine lückenlose Aufklärung.

Fix ist allerdings schon jetzt: Auf die Gerichtssachverständigen kommt einiges an Arbeit zu. Die Wiedereröffnung des Bads rückt in weite Ferne, ebenso wie ein Halten des Budgets. Noch sei man im Rahmen, versichert die designierte Stadthallen-Geschäftsführerin Sandra Hofmann und auch Stadtrat Oxonitsch betont, derzeit sei eine Kostenüberschreitung noch nicht fix. Doch allein die Gerichts- und Anwaltskosten dürften kaum einkalkuliert sein.

Inzwischen ist die Suche nach Schuldigen in vollem Gange. Christian Tesar, grüner Klubchef in Fünfhaus, kritisiert, dass der Baustopp zu spät gekommen sei. „Das Problem ist, dass einige Unternehmen der Stadt privat geführt werden und damit aus der Kontrolle der Stadt fallen.“

Das bestätigt auch Hannes Gluttig, Büroleiter in der Wiener Stadtbaudirektion. Hier werden auch Großprojekte wie der Wiener Hauptbahnhof oder die Seestadt Aspern koordiniert und kontrolliert. Nicht aber das Stadthallenbad. „Die Wiener Stadthalle als Teil der Wien-Holding ist ein ausgegliedertes Unternehmen und liegt daher nicht in unserem Bereich“, sagt Gluttig. Nachsatz: „Wir hätten auch nicht die Ressourcen dafür.“

Blauäugig?

Die designierte Geschäftsführerin der Stadthalle, Sandra Hofmann, will den Vorwurf, man habe zu spät reagiert, partout nicht auf sich sitzen lassen. „Es gab wöchentlich Sitzungen, bei denen immer versichert wurde, dass alles okay ist.“

Ob man nicht zu blauäugig gewesen sei? „Nein –, aber wenn wir alle diese Ausbildung hätten, könnten wir es ja gleich selbst bauen.“ Außerdem habe es eine begleitende Kontrolle durch das Sportamt gegeben. Hier sei die Stadt die härteste Linie gefahren, die bei einem Privatunternehmen zulässig sei.

Die Beamten waren es auch, die am 2. Jänner die Bauherren über die Mängel informierten. Der Baustopp folgte. Hofmann setzt nun auf die Gerichte. Erst dann werde man sehen, wer die Baumängel zu verantworten habe.

Blind?

Architekt Georg Driendl sieht sich nicht in der Verantwortung. Er reagierte in einer Aussendung: Er habe nur für die Planung verantwortlich gezeichnet. Dies beinhalte nicht die Aufgaben der Örtlichen Bauaufsicht (ÖBA) und auch nicht das Projektmanagement.

Für die ÖBA kam der Baustopp überraschend. „Wir waren ja fast fertig“, sagt Horst Jäger, Geschäftsführer des betrauten Ziviltechniker-Büros. Fehler der Bauaufsicht sieht er keinen. Man sei mit sechs Leuten vor Ort gewesen. Trotzdem sollen auf der Baustelle chaotische Zustände geherrscht haben.

Ein möglicher Grund: Laut Jäger habe es keine Gesamt-Bauleitung gegeben. Die Örtliche Bauaufsicht habe nur die Aufgabe, die einzelnen Firmen zu koordinieren, nicht aber zu kontrollieren. An der Verzögerungen sei vor allem die schlechte Bausubstanz schuld, sagt Jäger. „Rückblickend war die ursprüngliche Zeit zu knapp bemessen.“ Ob er nach dem Baustopp den Bau gerne fertig führen würde: „Sicher. Wir haben uns ja nichts vorzuwerfen.“

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