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Nach dem ESC kaputt: Der Ganzjahres-Eishalle droht nun das Aus

Warum die „Eisstadthalle“ seit dem Song Contest gesperrt ist und nun Hunderte Sportler um ihre Trainingsstätte bangen müssen.
SCHLITTSCHUHLAUFEN IN DER WIENER STADTHALLE

Bei sommerlichen Hitze-Reportagen darf dieser Ort normalerweise nicht fehlen: Die Stadthalle C – auch „Eisstadthalle“ genannt – ist der Dauerbrenner im sommerlichen Kontrastprogramm und der kühle Gegenpol mitten in einer mit 40 Grad aufgeheizten Stadt. Am Vogelweidplatz ist nämlich Eislaufen statt Eisschlecken angesagt. Und das ganzjährig.

Heuer jedoch – bei neuen Rekordtemperaturen untertags und über Nacht – fällt dieser Klassiker aus: Denn die Eisstadthalle hat seit dem Eurovision Song Contest (ESC) geschlossen. Und ob diese für Profi-, Nachwuchs- und Freizeitsportler so wichtige Institution je wieder aufsperrt, scheint laut KURIER-Informationen derzeit äußerst ungewiss.

Was ist vor ESC passiert?

Wer dieser Tage Einlass in die Halle begehrt, steht vor verschlossenen Toren. Sogar die Homepage ist „down“ – auf der Facebookseite des Betreibervereins steht nur zu lesen: „Die Eisstadthalle bleibt aufgrund von Wartungsarbeiten bis auf Weiteres geschlossen! Sommereislaufen ab 2. Juni 2026 auf dem Eisring-Süd“.

Letzter offener Tag war der 8. März – dann wurde die Halle für den ESC übergeben, der bekanntlich Mitte Mai über die Stadthallen-Bühne ging. Um die Flächen der Halle C unter anderem für Garderoben nutzen zu können, musste das Eis abgetaut und das Ammoniak als Kältemittel abgesaugt werden.

Doch dabei soll es offenbar zu einer unvorhergesehenen Panne gekommen sein, wie mehrere Seiten gegenüber dem KURIER berichten. Unter anderem ist die Rede von Rissen im Leitungssystem respektive einem Bruch der Konstruktion – auch eine kleine Menge Ammoniak soll dabei ausgetreten sein.

Faktum ist: Das Eis wurde seither nicht wieder – wie geplant – neu gemacht, vielmehr steht jetzt sogar das Total-Aus im Raum: Statt die Anlage um viele Millionen zu erneuern, soll die Eishalle stillgelegt werden. „Das wäre natürlich ein Wahnsinn für viele kleine Vereine“, heißt es. Denn sowohl Eishockeyklubs, als auch Eiskunstläufer sind auf die Ganzjahresfläche im 15. Bezirk angewiesen.

Das bestätigt auch Alexander Kausalius, Sportadministrator im österreichischen Eiskunstlaufverband: „Die Situation ist derzeit wirklich extrem und sehr belastend für alle Sportler.“ Wer noch Eiszeit bekomme und es sich auch leisten könne, wechsle aktuell in die Steffl-Arena der „Capitals“ nach Kagran; wer nicht, der müsse mit der vorgesehenen Ersatzfläche des Eisring-Süd in Favoriten vorliebnehmen.

++ THEMENBILD ++ EUROVISION SONG CONTEST (ESC) 2026: BRANDING / LOGO / WERBUNG / STADTHALLE

In der großen Halle D ging der ESC über die Bühne: Die Eisfläche der Halle C wurde für Garderoben abgetaut.

Ersatz-Eisfläche schmilzt

Dort seien die Bedingungen derzeit aber grenzwertig: „Die Halle ist gar nicht ausgelegt für einen Sommerbetrieb, denn bei 20 Grad Innentemperatur ist uns das Eis jetzt regelrecht geschmolzen“, berichtet Kausalius, der daher auf eine Lösung bei der Stadthalle hofft. „Am 8. Juli soll dort entschieden werden, was und ob etwas gemacht wird. Derzeit herrscht dort aber kompletter Stillstand bei den Bautätigkeiten.“ 

Was sagen die Verantwortlichen zur Misere?

Michael Rath steht jenem Verein vor, der die Halle als Generalpächter betreibt (er ist auch Chef des „Engelmann“). Er stellt klipp und klar fest: „Die Stadt Wien ist für die Anlage zuständig. Wir haben die Wartung immer korrekt durchgeführt.“

Pächter: „Wir hoffen“

Was genau im Vorfeld des Song Contests bei Arbeiten durch eine externe Firma passiert sei, wisse er nicht – es sei nur von einer notwendigen Generalwartung der Kühlanlage nach 70 Jahren Betrieb die Rede gewesen. „Wir hoffen, im Herbst wieder aufmachen zu können“, sagt Rath, der vorsorglich aber seine vier Eismeister kündigen musste.

Die Eisstadthalle ressortiert bei der Wiener Sportstätten Betriebsgesellschaft (WSB), wo man „Sicherheitsgründe“ und „Gesundheitsrisiken“ als Grund für die Sperre angibt. „Die Ammoniak-Anlage ist 70 Jahre alt und entspricht nicht mehr dem Stand der Technik. Sämtliche Komponenten werden nunmehr im leeren, vollständig gereinigten Zustand überprüft.“ Derzeit werde der Ammoniak „fachgerecht entsorgt“ – danach werde ab Mitte Juli begonnen, die Anlage quasi forensisch zu inspizieren: „Dann können die einzelnen Komponenten wie Abscheider, Sammelbehälter und Leitungen in Augenschein genommen werden. Das Ergebnis dieser Überprüfung ist abzuwarten.“ Laut WSB werde hier „mit äußerster Sorgfalt vorgegangen“.

Standortgarantie?

Auf Nachfragen zum kolportierten Ammoniak-Austritt wird ebenso wenig eingegangen wie zu einer Standort- respektive Sanierungsgarantie für die Eisstadthalle.

Vom ORF, der die Stadthalle samt Nebengebäude für den ESC komplett angemietet hat, kommt eine Klarstellung: „Wir wissen von keinem Schaden bzw. stehen in keiner Verbindung mit eventuellen Schäden in der Eishalle.“

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