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Chronik Wien
02/21/2021

Stadtentwicklung: Viel Fläche, wenig Infrastruktur

Die Bevölkerung am Stadtrand wächst stark, die Versorgung mit Öffis und Ärzten aber weniger.

von Josef Gebhard

Auch wenn sich das rasante Wachstum der vergangenen Jahre etwas eingebremst hat, die Bevölkerung Wiens nimmt weiterhin stetig zu. Betroffen sind davon vor allem die Randbezirke im Süden und Nordosten der Stadt, wo sich noch genug Platz befindet, um große Wohnbau-Projekte zu verwirklichen.

Wohnbau ist das eine. Doch hält die dazugehörige Infrastruktur in den Flächenbezirken mit dem starken Bevölkerungswachstum Schritt?

Beispiel 23. Bezirk: Er verzeichnet seit 2010 einen Bevölkerungszuwachs von 19,7 Prozent – ein Wert, der nur mehr von der Donaustadt übertroffen wird (siehe Grafik). „In Liesing wird jeder freie Fleck zubetoniert, aber die Bewohner erhalten keine Termine mehr bei HausärztInnen oder müssen sich mit völlig überlasteten Öffis herumschlagen“, kritisiert ÖVP-Gemeinderat Patrick Gasselich, der selbst aus dem 23. Bezirk stammt.

Vergleicht man die Randbezirke untereinander, finden sich etliche gemeinsame Probleme, aber auch einige Bezirk-spezifische Eigenheiten. Ein Überblick:

Gesundheit

Hier gibt es mit Abstand die größten Defizite, wie sich an der Zahl der Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag ablesen lässt. Das Angebot kann mit dem Bevölkerungswachstum nicht mithalten, im besten Fall stagnieren die Zahlen. In Favoriten gibt es sogar um 15 weniger Kassen-Allgemeinmediziner als noch vor zehn Jahren.

Der Grund: Für viele Jungmediziner ist es einfach zu wenig attraktiv, eine Ordination zu übernehmen. Zwar hat die Stadt zuletzt gemeinsam mit Ärztekammer und Krankenkassen immer wieder den Ausbau der Versorgung angekündigt, die Umsetzung erfolgt aber nur schleppend. Das gilt vor allem für die Primärversorgungseinheiten, in denen mehrere Ärzte unter einem Dach arbeiten.

Bildung

Hier schaut die Versorgungslage schon etwas günstiger aus. Die Zahl der städtischen Kindergarten-Standorte blieb in den Flächenbezirken zwar relativ konstant, dafür stieg die Zahl der dort untergebrachten Gruppen merkbar an. Einziger Ausreißer ist Simmering, wo es keine nennenswerte Veränderung gab.

Dass sich die Wien-weite Gesamtzahl der Gruppen seit 2010 nicht stärker erhöhte, liegt daran, dass in den Innenstadt-Bezirken viele Gruppen gestrichen wurden. Kaum Verschiebungen hat es hingegen bei der Zahl der Schulstandorte gegeben.

Öffentlicher Verkehr

Je weiter an der Peripherie, desto schlechter ist die Anbindung ans Öffi-Netz. Diese naheliegende Schlussfolgerung bestätigte zuletzt auch eine Studie der Arbeiterkammer Wien. Um die Öffi-Versorgung zu bewerten, wurde ein Güteklassenmodell entwickelt, in das verschiedene Parameter einflossen. Etwa Art des Verkehrsmittels, Einzugsbereich oder Intervalle an der Haltestelle. Daraus ergibt sich eine fünfstufige Skala.

Überdurchschnittlich gut versorgt ist demnach das an die Innenstadt-Bezirke grenzende Favoriten, wo 90 Prozent der Bewohner Zugang zu Öffi-Verbindungen der Kategorie A+ und A haben. Schlusslicht ist das zum Teil schon ländlich geprägte Liesing (50 Prozent).

Dementsprechend hat der 23. Bezirk auch die niedrigste Rate an Jahreskarten-Besitzern. So wundert es wenig, dass dort 57 Prozent der Wege mit dem Pkw zurückgelegt werden, was Wien-weit Rekord ist. Zum Vergleich: Im 1. Bezirk sind es nur magere acht Prozent.

„Im Regierungsprogramm nur sehr unkonkrete Ankündigungen hinsichtlich der Außenbezirke“, kritisiert Gemeinderat Gasselich. „Ein Gesamtplan der Stadterneuerung für die Wiener Außenbezirke ist mehr als nur überfällig.“

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