Jugend College

© /Julia Schrenk

Chronik | Wien
07/06/2016

Stadt schafft College für junge Flüchtlinge

Wer angemeldet ist, aber nicht teilnimmt, muss mit Sanktionen rechnen.

Vergangenen Dezember kam Hamza nach Österreich. Deutsch lernt der 18-jährige Syrer aber erst seit Mai – und das nicht in einem offiziellen Kurs, sondern privat. Das soll sich ändern. Hamza hofft, im neuen Jugendcollege der Stadt Wien aufgenommen zu werden.

Ab August bietet das College einen modularen Ausbildungsweg für Asylwerber und Asylberechtigte. Konkret für junge Flüchtlinge im Alter von 15 bis 21 Jahren, die nicht mehr schulpflichtig sind, aber auch noch nicht arbeiten dürfen. Im Zuge des Jugendcolleges sollen junge Flüchtlinge Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Analphabeten soll zuerst beim Erlernen ihrer Muttersprache geholfen werden. Außerdem werden sie auf Lehrstellen oder Deutschprüfungen vorbereitet.

Weg in die Zukunft

"Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind hierher gekommen, um in eine neue Zukunft zu starten. Diesen Weg dürfen wir ihnen nicht verbauen", sagt Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ). Insgesamt befinden sich derzeit 20.900 Asylwerber in Wien in der Grundversorgung. 3500 von ihnen sind zwischen 15 und 21 Jahren alt. Zusätzlich sind 2200 Asylberechtigte beim Arbeitsmarktservice (AMS) vorgemerkt.

1000 Personen – Asylwerber wie Asylberechtigte – können ab August am Jugendcollege teilnehmen. "Es gilt, diesen Menschen eine berufliche Perspektive zu geben", sagt die Wiener AMS-Chefin Petra Draxl. Das AMS wird künftig die Asylberechtigten, der Fonds Soziales Wien (FSW) die Asylsuchenden dem Jugendcollege zuweisen. Nach einem sogenannten Clearinggespräch soll für jeden Teilnehmer ein individueller Bildungsplan erstellt werden. Danach folgt die Zuweisung in die Basis-, später in die Spezialkurse. Die ersten 700 Teilnehmer starten in das College Ende August. Die restlichen 300 sollen spätestens im Oktober beginnen. Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf sechs Millionen Euro. Drei Millionen davon stammen aus EU-Geldern. Die anderen drei Millionen Euro steuern die MA 17, das AMS Wien und der FSW bei.

Sanktionen

"Die Chance, an diesem College teilzunehmen, muss verpflichtend wahrgenommen werden", betonte Sozialstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ). Soll heißen: Wer einen Platz bekommt, aber nicht an den Kursen teilnimmt, muss – im Falle der über 18-Jährigen – mit einer Kürzung der Mindestsicherung von 25 bis zu 100 Prozent rechnen.

Erscheinen minderjährige Flüchtlinge nicht zum Kurs, werden zuerst deren Eltern verwarnt, dann droht auch ihnen die Kürzung der Mindestsicherung.

Was das Fernbleiben von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen betrifft, kann sich Wehsely vorstellen, dies künftig an die vergünstigte Monatskarte für die Öffis zu koppeln – sofern diese auch eingeführt wird. Die Verhandlungen mit dem Innenministerium laufen noch.

Der 18-jährige Hamza will es jedenfalls nicht soweit kommen lassen. Er möchte so schnell wie möglich Deutsch lernen und später eine Hotelfachschule absolvieren.