Chronik | Wien 12.03.2014

Staatsanwalt ermittelt gegen Arzt

Mit ihren Unterschriften fordern Patienten vor der Ordination des beschuldigten Arztes die Aufrechterhaltung der ärztlichen Vers… © Bild: juerg christandl

Verdacht der Arzneimittelfälschung und des Verstoßes gegen das Anti-Doping-Gesetz.

Es sind schwere Vorwürfe, die gegen einen Allgemeinmediziner in Favoriten erhoben werden: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts der Arzneimittelfälschung, Verstoßes gegen das Anti-Doping-Gesetz und wegen Hehlerei, bestätigt eine Sprecherin gegenüber dem KURIER.

Konkret werde ihm unter anderem vorgeworfen, gefälschte Arzneimittel gekauft und weitergegeben zu haben, sagt sein Anwalt Jürgen Stephan Mertens dazu. Außerdem soll er Patienten Drogenersatzmittel, aber auch auch Anabolika in viel zu großen Mengen abgegeben haben.

Aus diesem Grund wurde vor zwei Monaten die U-Haft über ihn verhängt. "Sie wurde aber wieder aufgehoben, nachdem er sich verpflichtet hatte, bis zum Abschluss des Verfahrens nicht mehr ärztlich tätig zu sein. Er will das auch nicht", betont Mertens. Gutachten sollen jetzt die Vorwürfe gegen seinen Mandanten entkräften.

Infolge der Ermittlungen und aufgrund des Schweregrads der Vorwürfe hat vor zwei Wochen die zuständige MA 40 – wie in derartigen Fällen üblich – ein temporäres Berufsverbot über den Arzt verhängt. Es gilt ebenfalls bis zum Abschluss des Verfahrens.

Über 6000 Patienten

Hart trifft die Causa die mehr als 6000 Patienten, die bisher in der Ordination versorgt wurden. Für eine Arztpraxis eine enorme Zahl.

Der überwiegende Teil davon sind Migranten, die hier Betreuung auch in ihrer Muttersprache bekamen. Seit der Arzt nicht mehr tätig ist, wurde die Ordi wenigstens noch von Vertretungsärzten betreut, so eine Mitarbeiterin. Doch auch damit ist jetzt Schluss: Die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) hat vor wenigen Tagen den Vertrag aufgelöst.

'Vom Herrn Doktor hat man alles bekommen. Ich habe keine Ahnung, wohin ich jetzt gehen soll.' Ljiljana Pöschl, Patientin
Arzt, Berufsverbot, Favoriten © Bild: juerg christandl

Seitdem spielen sich chaotische Szenen in der Ordination ab: Patienten stehen vor dem Schalter Schlange um zu erfahren, dass sie hier vorerst keine Behandlung mehr bekommen. "Es tut mir leid, uns sind die Hände gebunden", erklärt eine Sprechstundenhilfe und drückt den Patienten Zettel mit Ordinationsadressen in der Nachbarschaft aus. Sie glaubt auch nicht, dass die umliegenden Ordinationen alle Patienten aufnehmen werden können. Für Anwalt Mertens kommt die Vertragskündigung einer "Vorverurteilung" seines Mandanten gleich.

Bei der WGKK will man zu der Causa nur so viel sagen: "Wir sind mit der Ärztekammer in Gesprächen, um die weitere Versorgung zu gewährleisten", betont eine Sprecherin.

Die Patienten sind indes ratlos: "Vom Herrn Doktor hat man alles bekommen. Er hat ein großes Herz", sagt Ljiljana Pöschl im Wartezimmer. "Ich habe keine Ahnung, zu welchem Arzt ich jetzt gehen soll."

Erstellt am 12.03.2014