Chronik | Wien
03.04.2012

Spurensicherer packt die Sammelwut

21 "Top-Teams" der Wiener Polizei sollen künftig auch bei kleineren Vorkommnissen Fingerabdrücke und DNA sichern.

Wer künftig auch nur eine Kiste Bier aus einem Kellerabteil entwendet, muss damit rechnen, dass seine Spuren mit allen kriminalpolizeilichen Mitteln festgehalten werden. Mit 21 „Top-Teams“ der Wiener Polizei werden auch bei kleineren Vorkommnissen Fingerabdrücke und DNA gesichert. Bisher kam zuerst die Sektorstreife, dann ein Kriminalbeamter oder ein Tatortbeamter – oder umgekehrt. Und die Opfer mussten sich um den Rest selber kümmern.

Bei den Kriminalaußenstellen Wien-Mitte und Wien-Nord gab es nun einen Pilotversuch mit „Top Teams“. Das ist jeweils ein erfahrener Kriminalbeamter mit einem jüngeren Kollegen. Die Top-Teams haben eigene Dienstfahrzeuge und Ausrüstung. Diese führen auch bei kleineren Vorfällen die volle Spurensicherung durch, betreuen die meist traumatisierten Einbruchsopfer und halten auch nach der Tat Verbindung zu ihnen. Sie stellen die Anzeigebestätigungen aus und ebnen den Weg zu Versicherungen und Opferschutzeinrichtungen. Die Opfer ersparen sich dadurch eine Menge privater Recherchen und werden über die Ermittlungen am Laufenden gehalten.

Steigerung

Für die Polizei bedeutet es eine gewaltige Zunahme an gerichtsverwertbaren Spuren. Bei den Pilotversuchen der Außenstellen Mitte und Nord konnte der Tatortchef des Landeskriminalamtes, Oberst Wolfgang Haupt, eine Steigerung der Spurensicherungsergebnisse von 25 Prozent vermelden.

Jetzt sind die Top-Teams flächendeckend im Einsatz. In den ersten zwei Tagen haben sie 124 Tatorte bearbeitet. Landespolizeikommandant Karl Mahrer vergleicht es mit einer Art kriminalpolizeilichen „Sparkassa“, in die man die Ergebnisse einlegt. Und diese Ergebnisse – so General Mahrer – brächten die Zinsen der „Kripo-Sparkassa“. Denn sie führen im Laufe der Zeit automatisch zu einer höheren Zahl von konkreten Tatverdächtigen.