Sprechstunde mit den Wiener Linien-Chefs

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Foto: KURIER Angeregte Sprechstunde: Eduard Winter und Alexandra Reinagl, Geschäftsführer der Wiener Linien, stellten sich den Fragen der KURIER-Leser

Die Chefs der Wiener Linien standen am KURIER-Telefon Rede und Antwort. Ein Thema ist die U1-Verlängerung.

Ich fahre täglich mit der Bim und kann ihnen sagen: Es ist ein Wahnsinn, was da einsteigt.“ Christine Zach kennt alle Schattenseiten der Öffis. Jetzt will sie darüber reden. Und zwar mit den Geschäftsführern der Wiener Linien, Alexandra Reinagl und Eduard Winter. Sie standen den Lesern am KURIER-Telefon eine Stunde lang Rede und Antwort.

„Viele gehen nach dem Einsteigen nicht weiter und blockieren die Türen. Und wenn ältere Menschen einsteigen, machen nur wenige den Platz frei, vor allem nicht die Jungen“, sagt Zach. „Ich erlebe das zum Teil auch“, gibt Reinagl der Anruferin recht. Daher habe man die Kampagne für mehr Rücksichtnahme in den Öffis gestartet. Aber auch Schulklassen werden unterrichtet, wie man Öffis richtig nutzt und Rücksicht nehme.

Frau Lischka bemängelt die fehlende Sauberkeit. „Ich fahre nicht oft mit der Straßenbahn, doch ich war schockiert, wie schmutzig es ist. Die Sitze waren von oben bis unten angespritzt, überall lag Müll.“ Die Sauberkeit sei wichtig, sagt Winter, leider könne stündlich was passieren: „Bitte melden Sie solche Fälle an unserer Kundennummer 01/7909 – 100. Wir schicken dann sofort einen mobilen Putztrupp.“

Helga Kovar stört vor allem das Essen in den Öffis: „Als wir jung waren, war das für uns kein Thema. Da wurde in der Tramway nicht gegessen.“ Den Leuten das Essen zu verbieten, sei schwierig, so Reinagl. „Wir versuchen hier auch zu sensibilisieren. Es muss ja nicht immer der Kebab mit Zwiebel sein. Ganz abstellen wird man das aber nie können.“

Problemkind U4

Anrufer Robert Scheif will wissen, wann die täglichen U4-Verspätungen ein Ende haben. „Man hat das Gefühl, die U4 wird von euch vernachlässigt.“ „Die U4 ist ein Problemkind“, sagt Reinagl, aber man arbeite hart daran. Die U-Bahnen seien zum Teil 30 Jahre und älter. Erschwerend komme dazu, dass die U4 über weiten Strecken Wind und Wetter ausgesetzt sei, ebenso wie die U6. Trotzdem bemühe man sich intensiv um Lösungen.

Herrn Koblizek hingegen wurmen die ständigen Verspätungen der Linie 2. „Diese Linie ist sehr lang“, erklärt Winter. Wenn sie aufgehalten wird, dann könne es dauern, bis die Intervalle wieder stimmen. „Es gibt leider auch einige Hotspots auf der Strecke, wo es eng wird“, sagt Winter. Dazu komme, dass die Leute immer größere Autos fahren.

„Früher hatte jeder einen Golf, heute fahren sie SUVs. Die haben noch dazu riesige Außenspiegel“, sagt Winter. „Unser Personal darf aber nichts am Auto machen und muss jedes Mal die Feuerwehr rufen. Das dauert.“

Knalleffekt: Entscheidung über U1-Verlängerung steht kurz bevor

U-Bahn Foto: KURIER Offene U1-Verlängerung: Derzeit endet die Linie am Reumannplatz

Im Gespräch mit dem KURIER nahmen die Geschäftsführer zu weiteren Themen Stellung: Wie etwa zur Verlängerung der U1. Noch immer ist offen, wo die U1 im Süden enden soll. Zuletzt geisterte eine Variante zur Therme Oberlaa durch die Medien, allerdings wäre diese laut Experten kontraproduktiv. Erstens, weil das Passagieraufkommen eine U-Bahn nicht rechtfertigen würde, zweitens, weil dort kaum Pendler aus dem Süden aufgefangen würden.

Bleibt die ursprüngliche Variante einer Verlängerung bis Rothneusiedl. Hier ist ein alter Vertrag ein Problem. Bis 2015 soll dort Frank Stronachs Firma Magna ein Vorkaufsrecht für Gründe der Stadt Wien halten. Ein Erbe eines nie realisierten Stadionprojekts in Rothneusiedl für den Fußballklub Austria Wien. Würde dort die Stadt vor 2015 Gründe für die U-Bahn kaufen, könnte Magna trotzdem vom Vorkaufsrecht Gebrauch machen.

Noch will sich keiner in die Karten blicken lassen, doch: „Bei der U1-Verlängerung wird in den nächsten zwei Wochen eine Entscheidung fallen“, kündigt Wiener-Linien-Boss Eduard Winter an.

Auch die Tarifreform beschäftigt die Geschäftsführer. Ab Mai wird die Jahreskarte nur noch 365 Euro kosten, dafür werden Einzelfahrkarten teurer. Öffifahrer, die jetzt eine Jahreskarte lösen oder schon gelöst haben, bekommen ab Mai die Differenz zurückerstattet, sagt Reinagl. „Wir haben gute Zuwächse bei den Jahreskarten. Bis sich das rentiert, wird es noch dauern, da wir ja höhere Investitionen haben.“ Die Stadt wird also für die günstigeren Jahreskarten aufkommen müssen. Winter: „Derzeit decken wir 60 Prozent durch Einnahmen.“ Das sei für Öffis ein sehr guter Wert. „Doch der wird nicht zu halten sein.“

 

(kurier) Erstellt am
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