Ludwig mit 92,33 Prozent als Wiener SPÖ-Chef bestätigt
Der Landesparteitag der SPÖ Wien begann mit Lichteffekten und einem schnell geschnittenen Video, das Bürgermeister Michael Ludwig und alle SPÖ-Stadträtinnen und Stadträte zeigte.
Danach wechselte der Screen in das typische SPÖ-Rot, darauf das diesjährige Motto der Tagung zu lesen: "Wien schafft Zukunft".
Ludwig stellte sich am Samstag der Wiederwahl als Parteivorsitzender; Gegenkandidaten gab es keinen. Wie zu erwarten war, fiel das Ergebnis mit 92,33 Prozent gut aus. Schon beim Einzug Ludwigs hatte es Standing Ovations gegeben.
Neu im Präsidium sind Wirtschaftsstadträtin und Vizebürgermeisterin Barbara Novak und Umweltstadtrat Jürgen Czernohorszky. Hier zeigte sich ein großer Unterschied bei der Zustimmung. Czernohorszky erhielt 93,76 Prozent der Stimmen, Novak nur 70,87 Prozent. Das ist insofern spannend, weil beide immer wieder als mögliche Nachfolger für Ludwig gehandelt werden.
Die ersten inhaltlichen Worte gehörten Landesgeschäftsführer Jörg Neumayer, der für eine geeinte Sozialdemokratie plädierte. Er begrüßte unter anderem Vizekanzler Andreas Babler, Verkehrsminister Peter Hanke oder Sozialministerin Korinna Schumann.
Beim anschließenden Einzug Ludwigs gab es Standing Ovations.
Drinnen herrschte also gute Stimmung. Vor der Messe standen aber auch Menschen mit Protestplakaten. Das Kulturzentrum Amerlinghaus bangt weiter um seine Existenz, weil Förderungen gekürzt wurden. In St. Marx protestiert man gegen die dort geplante Eventhalle.
Einige Wenige Protestanten haben sich auch eingefunden.
"Was für ein Privileg ist es, hier mit euch am Landesparteitag zu sein", sagte Babler bei seinen Grußworten. "Ihr könnt wirklich stolz sein auf diese Stadt." Als Beispiel nannte er den gratis Kindergarten, die Beschäftigung und dass Wien die "Stadt des leistbaren Wohnens sei".
Jubel bei Ansage zu Frauenrechten
Wien habe den sozialen Wohnbau nicht privatisiert und habe dem "neoliberalen Unsinn" die Stirn geboten. Selbst versprach er, dass die Bundesregierung auch zukünftig in Preise eingreifen werde, stellte ein Vorantreiben von Investitionen in erneuerbare Energien in Aussicht und erklärte, weiter an Chancen für alle Kinder arbeiten zu wollen.
Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) und Kathrin Gaal (SPÖ) im Rahmen des Landesparteitages der SPÖ Wien "Wien schafft Zukunft" am Samstag, 25. April 2026, in Wien.
Den lautesten Jubel bekam er bei der Ansage, sich für Frauenrechte einsetzen zu wollen. "Gewalt an Frauen ist kein Frauenproblem, es ist ein Männerproblem. Männer sind die Täter", rief Babler in den Raum.
Ludwig startete mit historischem Rückblick
Ludwig startete seine Rede mit einem historischen Rückblick und verwies darauf, dass einen Tag, nachdem der letzte Schuss im Zweiten Weltkrieg gefallen ist, konkret am 14. April 1945, die SPÖ im Roten Salon im Wiener Rathaus gegründet worden ist.
Knapp zwei Wochen später – am 27. April – wurde ebenso im Roten Salon die Unabhängigkeit Österreichs ausgerufen und damit die Zweite Republik gegründet. "Wir sind immer auf der richtigen Seite der Geschichte gestanden", so Ludwig.
Am 27. April vor einem Jahr hat die Wien-Wahl stattgefunden. "Wir haben fast 40 Prozent erreicht und seit etwa 30 Jahren waren auf Gemeindeebene erstmals wieder alle 23 Bezirke rot", freute sich der Bürgermeister.
Ich krieg einen Kropf, wenn die Grünen uns dauernd ausrichten, was wir alles tun könnten.
Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) und Kathrin Gaal (SPÖ) im Rahmen des Landesparteitages der SPÖ Wien "Wien schafft Zukunft" am Samstag, 25. April 2026, in Wien.
Plädoyer für Europa und freie Medien
"Wir wollen Europa und die Demokratie schützen", wurde am Screen eingeblendet. Ludwig wolle nicht, dass das "Filetstück der internationalen Politik", so bezeichnete er Europa, unter Putin und Trump aufgeteilt werde.
Politiker der FPÖ - in diesem Fall müsse man nicht gendern, so Ludwig - würden einen Systemwechsel wollen und seien Feinde der Demokratie. Die SPÖ werde sich hier immer dagegenstellen.
Anschließend betonte der Bürgermeister die Wichtigkeit von freien und unabhängigen Medien.
Ludwig erklärte, dass die SPÖ für Klimaschutz einstehe und übte Kritik an der Opposition: "Ich krieg einen Kropf, wenn die Grünen uns dauernd ausrichten, was wir alles tun könnten. Sie erwecken den Eindruck, als wären sie die vergangenen fünf Jahre nie in einer Bundesregierung gewesen."
Bezüglich Wohnraum kündigte Ludwig eine Verschärfung bei Regeln für Kurzzeitvermietungen an. Man wolle ein Register einführen, bei dem sich jeder Kurzzeitvermieter – egal wie oft er seine Wohnung vermieten möchte – bei der Stadt Wien registrieren müsse. Bei Missbrauch würden Wohnungen für Plattformen zur Kurzzeitvermietung gesperrt werden.
Weitere Ansagen waren altbekannt: Das Bekenntnis zur Sozialpartnerschaft und zu Wien als Stadt der Frauen, eine Absage an Privatisierung von Wohnungen. Er sprach sich gegen eine Erhöhung des Pensionsantrittsalters aus, erteilte der Sonntagsöffnung eine Absage.
Der restliche Tag war geprägt von inhaltlichen Diskussionen. Besonders im Fokus standen dabei die Öffi-Preise, aber auch hier blieben die Reden freundschaftlich-moderat.
Nach der Verkündung des Wahlergebnisses bedankte sich Ludwig bei den Delegierten und schwor noch einmal alle auf Einigkeit ein „Die Wiener Partei unterscheidet sich von vielen anderen Parteien, weil wir einander unterstützen. Wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen, sind wir unwiderstehlich.“
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